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Beziehung Deutschland–Türkei Fortschritte im angespannten Verhältnis

Legende: Video Annäherung zwischen Deutschland und der Türkei abspielen. Laufzeit 2:07 Minuten.
Aus Tagesschau vom 06.01.2018.

Trotz der anhaltenden Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei wollen die beiden Aussenminister, Sigmar Gabriel und Mevlüt Cavusoglu, vermehrt zusammenarbeiten. Dazu wolle man auch den Wirtschaftsministern empfehlen, die deutsch-türkische Wirtschaftskommission nach längerer Pause wieder einzuberufen, sagte Gabriel bei einem Treffen mit Cavusoglu. Die beiden trafen sich am Samstagvormittag in Gabriels Privathaus in Goslar, Niedersachsen.

Fall Deniz Yücel wirkt weiterhin

Gabriel bestätigte, dass es beim Gespräch auch um den in der Türkei inhaftierten Korrespondenten der Zeitung «Welt», Deniz Yücel, gegangen sei. Er widersprach aber Berichten, wonach er die Wiederaufnahme von Rüstungsexporten in die Türkei von einer Lösung im Falls Yücel abhängig gemacht habe: «Ich habe keinesfalls die beiden Dinge miteinander verbunden.»

In einem Interview mit dem «Spiegel» hatte Gabriel erklärt, die Türkei sei zwar ein Partner in der Nato und im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Trotzdem habe die Bundesregierungen eine grosse Zahl von Rüstungsexporten nicht genehmigt. «Dabei wird es auch bleiben, solange der Fall Yücel nicht gelöst ist», fügte er hinzu.

Gabriel sagte in Goslar, er wolle allerdings, dass in der Bundesregierung in den nächsten Tagen erörtert werde, ob man die Lieferung von Minenschutzausrüstung für türkische Soldaten erlauben könne, die im Kampf gegen den IS ihr Leben riskierten.

Cavusoglu für Dialog nach «Eskalationen»

Nach dem Treffen nannte Cavusoglu seinen Amtskollegen Gabriel einen Freund. «Ja, es hat Probleme gegeben, auch Spannungen und sogar Eskalationen», räumte der türkische Aussenminister ein. Im Dialog könnten die Probleme aber gelöst werden. Gabriel und er seien Aussenminister von zwei Ländern, «die stolz sind» und nicht auf Druck reagieren würden. Die Türkei fordert von Deutschland einen härteren Kurs gegenüber der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und der Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen.

Die Beziehungen zwischen Berlin und Ankara sind seit rund zwei Jahren extrem angespannt. Gründe sind unter anderen die Affäre um den Satiriker Jan Böhmermann, die Armenien-Resolution des Bundestages sowie die deutsche Kritik an der Verhaftungswelle in der Türkei nach dem gescheiterten Putschversuch vom Sommer 2016.

Umgekehrt warf der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der deutschen Kanzlerin Angela Merkel «Nazi-Methoden» vor, als vor dem türkischen Verfassungsreferendum im April 2017 für türkische Politiker in Deutschland Auftrittsverbote verhängt wurden.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Milan Darem (Mannausorient)
    Die historische Beziehung zwischen TR und D geht sehr weit zurück (im ersten Weltkrieg waren sie verbündeten). Sie sind sehr eng miteinander verbunden. Nun dass sie sich wieder annähern, soll daher niemanden überraschen, es ist wirtschaftlich und politisch getrieben. Fitch prognostiziert für die TR einen Wachstum 4.8%. Zudem machte TR sich im Syrienkrieg in der Region stark. Mit wem sollten EU Länder Freundschaft schliessen? Etwa wie Trump mit Saudis, welche jahrelang al kaida finanziert haben?
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  • Kommentar von Kurt Wirz (kw)
    Deutschland hatte und hat noch immer einen Sonderstatus bei den Türken. Dies hat historische Gründe. Das was Macron gestern gegenüber Erdogan gesagt hat ist für mich eine Aussage mit Signalwirkung. Die Türkei hat in der EU schon geografisch nichts zu suchen!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Mitgegangen - mitgehangen! Gibt es auf dieser Welt, Staatsleute/Regierungsbeamte (von den Volks-Steuergelder entlöhnt), welche über "Rückgrat" verfügen und entsprechend jegliche wirtschaftliche Beziehungen zu skrupellosen, Menschenrechte- und Leben missachtende Machthaber negieren - als effektives Druckmittel dagegen?
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    1. Antwort von Johannes Rösinger (JohMuc)
      2016 betrug das Handelsvolumen der Schweiz 5,3 Milliarden CHF. Das Investitionsvolumen der Schweiz in der Türkei belief sich 2015 auf 2,6 Milliarden CHF. Die Schweiz ist der 12. wichtigste Handlespartner der Türkei. Ein jeder kehre vor seiner Tür. Auch wir Deutschen, aber nicht nur.
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