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International Beziehungen USA-Iran: Ein diplomatischer Hochseilakt

Im Jemen sind sie Feinde, gegen den IS aber Freunde. Das Verhältnis zwischen Teheran und Washington variiert je nach Konflikt und ist entsprechend brüchig. Wenn gemeinsame Interessen vorhanden sind, besteht allerdings Grund zur Hoffnung auf Zusammenarbeit.

Die USA verfolgen die wachsende Rolle des Iran im nahen Osten mit grosser Besorgnis. In einzelnen Fragen ist Washington aber auf Teheran angewiesen, sagt Abbas Milani, Leiter der Iran-Studien der Universität Stanford. «Im Kampf gegen die Terrorgruppe IS sind sie Alliierte, wenn auch nur vorläufig, denn sie verfolgen verschiedene Agenden.» Tatsächlich möchte der Iran die schiitischen Kräfte im Irak stärken, die USA hingegen wollen eine Regierung in Bagdad, die für Ausgleich sorgt und alle Bevölkerungsgruppen einbezieht.

US-Aussenminister John Kerry bei den Atomgesprächen in Lausanne.
Legende: An den Atomgesprächen in Lausanne verhandelt der US-Aussenminister John Kerry... Keystone

Gegen den IS Verbündete

Als die USA diese Woche Luftangriffe flogen, um die Dschihadisten aus der irakischen Stadt Tikrit zu vertreiben, unterstützten sie dabei die schiitischen Milizen, die vom Iran in diesen Kampf geschickt wurden. General Lloyd Austin, oberster US-Befehlshaber der US-Streitkräfte für den Mittleren Osten, stellte vor dem US-Senat klar: «Langfristig ist der Iran die grösste Gefahr für die Stabilität in der Region.» Die unmittelbarste Bedrohung seien aber die sunnitischen Extremisten des IS.

Bedingung für den Einsatz der US-Luftwaffe sei gewesen, dass die schiitischen Milizen das Feld der irakischen Armee überliessen, erklärte General Austin auf Nachfrage eines Senatoren. «Die schiitischen Milizen sind nicht Teil der Räumung Tikrits», sagte der General. Was er allerdings nicht sagte: Rund 30'000 schiitische Milizionäre belagern Tikrit, nur viertausend irakische Soldaten kämpfen. Ohne die schiitischen Milizen kann Tikrit nicht zurückerobert werden.

Der iranische Aussenminister Dschawad Sarfi.
Legende: ... mit dem iranischen Aussenminister Dschawad Sarif. Keystone

Im Jemen-Konflikt Feinde

Was diese brüchige Allianz noch weiter strapaziert: In Syrien kämpfen auch beide Länder gegen den IS, doch der Iran unterstützt die Assad-Regierung, im Gegensatz zu den USA. Und auch im Jemen stehen sie sich feindlich gegenüber: Die USA unterstützen Saudi-Arabien im Kampf gegen die Huthi-Rebellen, Iran wiederum beliefert diese mit Waffen.

Vor diesem konfliktreichen und widersprüchlichen Hintergrund verhandeln die USA und andere Länder mit dem Iran, um zu verhindern, dass Teheran eine Atombombe baut.

Eine äusserst komplexe Interessenslage

Eine äusserst komplexe Interessenslage. Die USA müssen gegenüber dem Iran gleichzeitig mehrere diplomatische Hochseilakte vollziehen. Die Absturzgefahr ist beträchtlich. Doch Abbas Milani, Leiter der Iran-Studien der Universität Stanford, ist zuversichtlich: «Es ist kompliziert, aber es ist möglich. Die USA sind in diesem Spinnennetz von Interessen gefangen, aber der Iran ist es ebenso. Seine Wirtschaft leidet unter dem tiefen Ölpreis, er braucht ein Ende der Sanktionen.» So hätten beide Seiten guten Grund dazu, pragmatisch zu sein.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Jim Manning, Philadelphia, USA
    Die meisten Amerikaner glauben, Obama ist Moslem, deshalb ist er in dieser Verhandlung ergibt iranischen Forderung, auf keinen Fall, wird der US-Kongress zulassen verräterischen Deal zu unterzeichnen. Falken Politiker schieben US Militär den Iran zu bombardieren, so John Bolton
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      Bombardieren wie ein schiesswütiger Cowboy ist auch keine Lösung! Damit macht man sich unbeliebt.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Für die USA scheint das wirklich eine schwierige Sache mit Freund und/ oder Feind. Wer heute Verbündeter ist, kann bereits morgen zum Schurkenstaat mutieren... wenn es nicht so traurig wäre und so viele Tote hinterlassen würde, wäre es zum totlachen - das Lachen bleibt einem allerdings im Halse stecken. Eben: "Eine äusserst komplexe Interessenslage"... vielleicht gehen ja doch noch dem einen oder anderen aus der US-Fangemeinde die Augen auf.
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    1. Antwort von Peter Weber, Kanton Schwyz
      Für mich als nichtswissenden sieht es aber immerhin so aus, dass die USA, ob Sunniten oder Schiiten, sämtliche Extremisten bekämpfen. Ob es richtig ist überhaupt einzugreifen, sei mal dahingestellt. Auf alle Fälle geben mir die religiösen Konflikte weltweit sehr zu denken und ich glaube nicht, dass alles Übel den USA anzulasten ist.
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    2. Antwort von m.mitulla, wil
      @P. Weber. Wir alle sind Nichtswisser, nur wenige sind "Insider". Hätten die USA, zusammen mit Saudi-Arabien, in den 70-er Jahren nicht die "Freieheitskämpfer" (gegen RF) in Afghanistan mit Geld; Waffen und Lehrmitteln- in denen der Zusammenhang von aggressiven Koranversen u. "Dschihad" hergestellt wurde- ausgerüstet, und hätten die USA nicht schon 2x mit erlogenen Rechtfertigungen gegen den Irak u.v.a. Kriege geführt, dann wäre ich vielleicht mit Ihnen einig.
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Wie sagte doch Obama: "Wer nicht mit uns, respektive unser Freund ist, ist unser Feind." Fazit: Solange man mit ihnen kooperiert, ist man freundlich gesinnt, macht man es nicht dann gibt es Hiebe. Entweder man spurt, wie es Amerika will, oder es gibt Sanktionen, oder sogar Krieg. Seit 100 Jahren immer dasselbe Vorgehen, dieselben Taktiken & Strategien. Vielleicht haben sie ein Handbuch darüber geschrieben? Titel: Wie macht man nicht Gefügige gefügig?
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    1. Antwort von O. Jaggi, Basel
      Dieses Handbuch gibt es tatsächlich! "The Grand Chessboard" oder zu Deutsch: "Die einzige Weltmacht" geschrieben von Zbigniew Brzeziński. Einfach googlen, man findet schon schnell eine PDF-Datei davon.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @O. Jaggi: Danke für die Info!:-) War jetzt einfach so eine Intuition, weil überall wo sich Amerika einmischt die Strategie praktisch immer dieselbe ist. Aber deshalb wundert eben schon, dass die Weltgemeinschaft nichts dagegen unternimmt. Ist man so Amerika-Hörig? Wie stellen sie es an, dass Menschen/ Länder ihnen immer wieder vertrauen? Sie auf ihre Unterstützung hoffen? Wobei mittlerweile alle wissen, dass es nicht Nächstenliebe ist, welche die Amis umtreibt?
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    3. Antwort von m.mitulla, wil
      @E. Waeden. "Hörig" ist wahrscheinlich nicht ganz das richtige Wort. Ich würde den Zustand mit Ausübung der Macht,weltweit, umschreiben. Macht: ökonomisch, politisch, und wenn nötig - also wenn der Einfluss bekämpft wird - militärisch. Schauen Sie sich an, wie beispielsweis US- Gerichtsentscheide für Milliardenzahlungen aus der ganzen Welt bewirken. Neuestes Beispiel: Hedgefonds -Argentinien mit fatalen Folgen für die Volkswirtschaft. Nächster Kandidat auf der Wunschliste(Ölvorkommen): Venezuela
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @M. Mitulla: Stimmt schon, worauf Sie hinweisen. Die beste Variante wäre, Amerika zu isolieren. Mit all diesem Wissen welches man heute hat, sollte man sich eben nicht auf zu viele Geschäfte mit den Amerikanern einlassen. Und trotzdem tun es die meisten. Ziemlich blauäugig sogar. Und neben Venezuela ist Kuba auch ein Ziel. Dort weniger wegen Öl, sondern weil Kuba immer Verbündeter von Russland gewesen ist. Eben auch eine ihrer Strategien, ist es gut für sie man sich Erz-Feinde zu Freunden macht.
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