Zum Inhalt springen

Header

Audio
Durchzogene Bilanz der Uno-Gipfelwoche
Aus Echo der Zeit vom 24.09.2021.
abspielen. Laufzeit 03:19 Minuten.
Inhalt

Bilanz zum UNO-Gipfel Die «Weltgemeinschaft» verdient ihren Titel zurzeit nicht

Ruhig ist die Grosswetterlage seit langem nicht mehr am alljährlichen Jamboree der Spitzenpolitik am UNO-Sitz in New York. Das hing in den vergangenen Jahren auch mit Donald Trump zusammen. Aber nicht nur.

Diesmal gab es aus den USA von Joe Biden erfreulichere Töne. Und unisono erleichtert äusserten sich alle Anwesenden, dass man sich endlich wieder physisch begegnen konnte. Voriges Jahr geriet, pandemiebedingt, die UNO-Gipfelwoche zum saftlosen Videokino. Jetzt kann man wenigstens wieder Auge in Auge aneinander vorbeireden.

Mehr Spannungen

Die unerfreuliche Erkenntnis: Die weltpolitischen Spannungen nehmen nicht ab, sondern weiter zu. Die erfreuliche und neue: Die Staats- und Regierungschefs merken, dass dies brandgefährlich wird.

Zwar teilten einzelne auch diesmal kräftig aus, der Türke Erdogan etwa oder der Brasilianer Bolsonaro. Und aus Russland ist auf der Weltbühne ohnehin seit langem kaum Konstruktives zu hören.

USA und China eher leise – Russland visionslos

Selbst da, wo Moskau fraglos Einfluss ausübt, hat der Kreml null Visionen. Eine Art Marshallplan für Syrien, für Belarus, für Zentralasien? Nicht mal ansatzweise. Offenkundig ist die russische Führung überzeugt, ihr Land habe international am meisten Einfluss als Störenfried, als Verhinderer.

Doch zumindest die beiden Supermächte mässigten sich diesmal im Ton. Sowohl Joe Biden als auch Xi Jinping verzichteten auf direkte gegenseitige Angriffe. Und kein Wort mehr von einem Weltpolizistenanspruch der USA. Militärische Mittel seien nur die allerletzte Option, so Biden. Von Xi gab's weder eine Tirade gegen Taiwan noch Einschüchterungsrhetorik adressiert an die Nachbarländer.

Vorsichtige Zurückhaltung

Dafür viel zum Klimathema. Zwar will Peking neuerdings nicht mehr geliebt, vielmehr gefürchtet werden. Aber das sagte Xi auf der internationalen Bühne nicht explizit. Selbst von den Führern aus Ländern wie Kuba, ja sogar vom neuen Staatschef im Iran, hatte man rhetorisch Schlimmeres erwartet, als dann tatsächlich kam.

Das Bewusstsein bricht sich Bahn, dass es heikel wäre, auch noch von alleroberster Warte auf der allergrössten weltpolitischen Bühne, jene im UNO-Generalversammlungssaal, Öl ins Feuer zu giessen.

Der heisse Krieg

Wiederholt hiess es diesmal, man wolle keinen neuen Kalten Krieg. Wohlwissend, wie unrealistisch dieser Wunsch ist. De facto hat zwischen den grossen Mächten bereits ein heisser Krieg begonnen – zwar nicht mit Waffen aus Stahl, jedoch mit Cyberattacken, Desinformationsmitteln und Wirtschaftssanktionen.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres warnte die Staats- und Regierungschefs eindringlich aufzupassen, dass die Konfrontationen nicht ausser Rand und Band geraten. Zumindest sehen inzwischen die meisten ein, dass eine weitere Eskalation an den zahlreichen Brandherden rund um den Globus droht. Immerhin ein Anfang.

Bloss: Von dieser Erkenntnis zu neuem Vertrauen und darauf bauend zu echter, umfassender Kooperation, ist der Weg weit. Die versammelten Staaten bezeichnen sich im UNO-Kontext zwar gerne als «Weltgemeinschaft». Doch derzeit verdienen sie diesen Titel nicht.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen

Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

Echo der Zeit, 24.09.2021, 18:00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

6 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Fritz Meier  (FriMe)
    Die SRF-Analyse ist stimmig, kurz und bündig.
  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Die Strategie von Russland ist zwar korrekt beschrieben, man muss aber auch erwähnen, dass Russland anfangs offen auf den Westen zuging und sich erst abkehrte, als NATO und EU ohne jegliche Diplomatie und in blinder Expansionswut in Osteuropa ein Land nach dem anderen umgarnten. Insofern finde ich Russlands Verhalten zwar nicht gut, aber absolut verständlich.
    Der Westen täte gut daran, sich endlich von Vorurteilen zu befreien und einen ernsthaften konstruktiven Dialog mit Russland anzustreben.
    1. Antwort von Fritz Meier  (FriMe)
      @ Wagner:
      1). AUSNAHMSLOS ALLE ehemalige WAPA-Staaten gingen Anfang der 90er-Jahre vor der Nato in die Knie mit der Bitte um Aufnahme, weil sie die Kreml-Peitsche (Völkergefängnis) nie mehr erleben wollten.
      2). Ihr Narrativ passt bestens in jenes der nicht informierten oder halt eben der Pro-Russia-Schreibbrigaden, mit dem ewig gleichen Kreml-Opferkult.
      3). Wer es immer noch nicht glaubt, siehe (YT): Blood Brothers - Why Lithuanians feel Ukraine's pain.
  • Kommentar von Paul Wagner  (päule)
    Ein guter, kritischer (und offenbar frustrierter) Kommentar von Herrn Gsteiger.
    Es wär zu schön, wenn die Staatsführer langsam einsehen wie gefährlich das mit dem Öl und dem Feuer ist. Momentan fehlt mir der allerdings der Glaube, denn die meisten Politiker/Staaten interpretieren ihre Rolle vor allem so, dass es darum gehe, maximale Macht/Erfolg anzustreben.
    Es wär auch schön, wenn die UNO endlich ihre Stellung bekommen würde, die ihr theoretisch schon lange zugedacht ist.