Bilanzfälschung – Neue Vorwürfe gegen Blatter und Platini

Sepp Blatter und Michel Platini haben sich möglicherweise auch der Bilanzfälschung schuldig gemacht. Die Millionenzahlung des Fifa-Präsidenten an seinen Amtskollegen bei der Uefa ist offenbar erst bei der Überweisung, statt bereits nach der mündlichen Vereinbarung verbucht worden.


Bilanzfälschung bei der Fifa?

1:14 min, aus HeuteMorgen vom 21.10.2015

Die dubiose Zahlung von zwei Millionen Franken von Sepp Blatter an Michel Platini wirft immer grössere Wellen: Der suspendierte Fifa-Präsident und der ebenfalls kalt gestellte Uefa-Präsident könnten sich dabei auch noch der Bilanzfälschung schuldig gemacht haben. Das hat der Compliance-Chef des Weltfussballverbands, Domenico Scala, in einem Interview mit der «Financial Times» erklärt. Er ist dafür verantwortlich, dass bei der Fifa die Richtlinien eingehalten werden.

Millonenbetrag zu spät verbucht

Laut Scala wurde der Betrag von der Fifa erst bei der Überweisung verbucht. Blatter und Platini hatten aber erklärt, die Überweisung der zwei Millionen Franken im Jahr 2011 beruhe auf einer mündlichen Vereinbarung von 2002. «Wenn das wahr ist, was sie sagen, dass sie einen mündlichen Vertrag hatten, die Zahlung zu schieben, dann hätte die Zahlung in den Büchern von 2002 und den folgenden Jahren auftauchen müssen. Das ist sie aber nicht.», sagte Scala.

Nur mündlich vereinbart

Anfang Oktober hatte die Fifa-Ethikkommission Blatter und seinen möglichen Nachfolger Michel Platini vorübergehend aller Funktionen enthoben. Die Sperre gilt zunächst 90 Tage und kann um bis zu 45 Tage verlängert werden. Blatter wird vorgeworfen, Platini 2011 für Dienste, die damals neun Jahre zurücklagen, zwei Millionen Franken zulasten der Fifa bezahlt zu haben. Für diese Vereinbarung gibt es nach Angaben Platinis keinen schriftlichen Vertrag, sondern nur ein «Gentleman's agreement».

Der mächtige Weltfussballverband wird derzeit von dem grössten Skandal seiner mehr als hundertjährigen Geschichte erschüttert. Die USA haben Anklage gegen mehrere Fifa-Funktionäre erhoben. Ihnen wird organisierte Kriminalität, Geldwäsche und Betrug im Zuge millionenschwerer Bestechungsprogramme zur Last gelegt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Die FIFA lässt ein Hintertürchen offen.

    FIFA bleibt bei Wahltermin

    Aus Echo der Zeit vom 20.10.2015

    Die FIFA will nach der Amtsenthebung ihres Präsidenten Sepp Blatter am 26. Februar einen Nachfolger wählen. Das ist keine gute Nachricht für Uefa-Präsident Michel Platini. Für ihn müsste der Wahltermin wegen der aktuellen Sperre später sein. Doch Platini bleibt trotzdem im Rennen.

    Ueli Reist

  • Platini äussert sich zur Millionenzahlung

    Aus Tagesschau vom 19.10.2015

    Morgen trifft sich in Zürich das Fifa-Exekutiv-Komitee zu einer ausserordentlichen Sitzung. Vor dieser Sitzung hat sich Uefa-Präsident Michel Platini zum ersten Mal über die Zwei-Millionen-Zahlung von Fifa-Präsident Sepp Blatter geäussert.