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Monarchie in Saudi-Arabien «Bin Salman wird Wirtschafts- und militärische Kriege führen»

Saudi-Arabien hat mit Mohammed bin Salman einen neuen Kronprinzen. Er ist bereits Verteidigungsminister und zweiter stellvertretender Premier. Was das für die Region bedeutet, erklärt Toby Matthiesen, Spezialist für Saudi-Arabien in Oxford.

Toby Matthiesen, Spezialist für Saudi-Arabien der Uni Oxford
Legende: Toby Matthiesen ist Spezialist für Saudi-Arabien der Uni Oxford (GB). zvg

Mohammed bin Salman ist der neu ernannte Kronprinz Saudi-Arabiens. Dass er den Thron besteigen wird, ist ziemlich sicher, da er von der Mehrheit eines die Thronfolge regelnden Gremiums bestätigt worden ist und sein Vater der König ist. Auch der frühere Thronfolger – ein Neffe des Königs – hat ihm seine Loyalität geschworen.

 Mohammed bin Salman
Legende: Mohammed bin Salman Keystone

SRF News: Wie erklären Sie sich den Zeitpunkt dieses Wechsels in der Thronfolge?

Toby Matthiesen: Der ist nicht einfach zu erklären. Man kann sich denken, dass es etwas mit dem Besuch von Trump zu tun hat. Dessen Besuch hat Saudi-Arabien gestärkt, denn Trump hat die saudische Linie, punkto regionale Angelegenheiten, der Anti-Iran-Haltung und anderen Fragen zu 100 Prozent bestätigt. Trump hat sich mit dem König und auch mit Mohammed bin Salman getroffen. Des Weiteren ist es vielleicht auch ein Versuch, von einigen regionalen Problemen abzulenken. Oder anders ausgedrückt ist es ein Versuch, in den akuten regionalen Krisen eine klar geregelte Thronfolge zu haben, und zwar mit einem jungen Mann, der über die nächsten Jahrzehnte mit konsistenten Strategien die saudischen Interessen verfolgen kann. Zudem ist Mohammed bin Salman ein klassischer Saudi. Er hat jetzt schon mehrere Frauen. Er ist dafür bekannt, dass er in der saudischen Gesellschaft viel akzeptierter ist als viele andere junge Prinzen, denn er ist viel traditioneller.

Der neue Kronprinz ist ein klassischer Saudi. Er hat jetzt schon mehrere Frauen.

Bin Salman ist bereits Verteidigungsminister. Er betreut auch wichtige Zukunftsprojekte und hat seinen Vater bei verschiedenen Auslandreisen begleitet. Hat er ein eigenes politisches Profil?

Man weiss nicht mal genau, wie alt er ist. Er muss so um die dreissig Jahre alt sein. Er hat nicht im Ausland studiert und nie im Ausland gelebt. Daher war wenig über ihn bekannt, bevor er vor zwei Jahren all diese Positionen bekommen hat. Man verbindet ihn stark mit der neuen saudischen Aussenpolitik. Gemeint ist die Intervention in Jemen und die Isolation von Katar. Innenpolitisch und wirtschaftlich wird er mit einem Reformprogramm assoziiert, mit der Vision 2030. Sie soll die Ölindustrie privatisieren und die ganze Wirtschaft Saudi-Arabiens reformieren. Der Kronprinz stellt sich das so vor, dass der Staatshaushalt durch Investitionen, die ein Staatsfonds tätigen soll, finanziert werden soll. Durch die Teilprivatisierung Aramcos (Saudi Aramco ist die grösste Erdölförderungsgesellschaft der Welt, Anmerk. der Red.) soll der Staatsfonds geäufnet werden.

Der Kronprinz will die Ölindustrie privatisieren und die ganze Wirtschaft Saudi-Arabiens reformieren.

Er sei stark in den Jemenkrieg und in die Isolation von Katar involviert, sagen Sie. Heisst das, die Ernennung von Mohammed bin Salman zum Kronprinzen ist ein Entscheid mit explosivem Potential?

Das ist in der Tat so. Wir werden mit einer Situation konfrontiert werden, in der Saudi-Arabien aktiv seine Interessen, oder jedenfalls die Interessen, die der König und sein Sohn als die saudischen Interessen sehen, verteidigen werden, auch mit militärischen Mitteln. Er wird diplomatisch aktiver sein und Wirtschaftskriege oder militärische Kriege durchziehen. Und wenn wir uns vor Augen halten, dass im Moment die Spannungen mit dem Iran weiterhin sehr stark und die verschiedenen Konfliktherde in der Region noch sehr volatil sind – Syrien, Irak, Jemen –, dann ist das für die Region schon schwierig.

Das Gespräch führte Roman Fillinger.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von James Klausner (Harder11)
    Dieser Mann hat ausser einem Bachelor in islamischem Recht, einer blendenden Anzahl von Titeln u Ehrenrängen und einem sehr grossen Selbstbewusstsein, keine nennenswerten Qualifikationen. Das Abkommen zwischen OPEC u den anderen ölfördernden Länden, hat er massgeblich zum Scheitern gebracht. Legionen von Saud-Prinzen werden finanziell befriedigt werden müssen, wenn er tatsächlich König werden wird, jedoch d Staatskasse leert sich zusehends. Der Mann wird sein pol. Überleben im Krieg suchen.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Warum entlassen wir nicht alle Politiker und machen's wie die Saudis? Ein König der dann auch gleich die Nachfolge bestimmt. Kostet weniger und kommt im Endeffekt etwa auf das Gleiche wie hierzulande raus. Bundesräte und eine Armada von Parlamentariern, die zum Schluss eh alle das Gleiche sagen. Wozu?
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    1. Antwort von James Klausner (Harder11)
      Gerne wüsste der Leser: Ironie? Nur leichtfertig dahingeredet? Ihre ernsthafte Meinung? Falls das Staatsmodell " Saudi-Arabien" bei uns eingeführt würde, lägen solch lockere Reden dann nicht mehr drin. Überlegen Sie nochmals...
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  • Kommentar von Bruno Vogt (bru.vogt)
    So nett dieser Artikel auch klingt, er täuscht nicht über die Tatsache hinweg das es sich um einen internen Coup innerhalb des riesigen Saudi Clans handelt. Ein junger, unerfahrener Hardliner übernimmt nun vollends die Kontrolle dieses totalitären wahabitischen Staates. Obschon seine Politik bisher gänzlich versagt hat, das Massaker in Jemen geht auf seine Rechnung, dennoch kämpfen die Houthis weiter. Katar gibt bisher nicht klein bei, derweil schwinden die saudischen Finanzreserven weiter.
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