Blair entschuldigt sich für Fehler im Irakkrieg

Der ehemalige britische Premier Tony Blair hat sich in einem viel beachteten Interview zur Invasion im Irak und deren Folgen geäussert. Er entschuldigte sich auf CNN für verschiedene Fehler dabei und gab zu, dass die Militärinvasion den Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat begünstigt habe.

In früheren Interviews hatte Tony Blair die westliche Invasion im Irak und die Stärke des sogenannten Islamischen Staats (IS) nie in Verbindung bringen wollen. Nun antwortete Blair auf die Frage, ob die Invasion im Irak ein Hauptgrund für den Aufstieg die Terrormiliz gewesen sei: Es gebe «Elemente der Wahrheit» darin.

Dann kommt jedoch sofort das Aber. Man müsse sehr vorsichtig sein, um die aktuelle Situation in Syrien und im Irak nicht falsch einzuschätzen. Natürlich: Jene, die Saddam damals gestürzt hatten, trügen eine Verantwortung für die Lage im Jahr 2015. Aber man müsse sehen, dass auch der arabische Frühling die Entwicklung im Irak beeinflusst hatte, und dass der IS in Syrien gross wurde, nicht etwa im Irak.

Fehler bei Vorbereitung für Zeit nach Saddam

Klar sind hingegen Blairs Aussagen, dass Grossbritannien und die verbündeten Länder im Kampf gegen den Diktator Fehler gemacht hätten. Der Krieg sei bereits aufgrund falscher Informationen begonnen worden – nämlich jener, wonach Saddam Hussein Chemiewaffen besitze. Dafür entschuldige er sich, sagte Blair auf CNN.


Blair zum Irakkrieg: Nach dem Sorry kommt das Aber

2:42 min, aus SRF 4 News aktuell vom 26.10.2015

«Das Chemiewaffenprogramm existierte nicht in der Form, wie wir dachten, dass es existiert», sagte Blair in dem Fernsehinterview. Auch die Folgen der Invasion seien schlecht durchdacht gewesen.

Der Ex-Premierminister gab Fehler in der Planung und in der Einschätzung, was passieren würde, wenn die alliierten Truppen aus dem Irak abgezogen werden, zu. Aber er glaube nach wie vor, so Blair, dass es richtig gewesen sei, Saddam zu stürzen, auch vom heutigen Standpunkt aus gesehen.

Warten auf Irakbericht

Die Briten waren 2003 an der Seite der USA in den Irakkrieg gezogen. Diese Entscheidung hatte Tony Blair in seiner Heimat viel Ansehen gekostet. Seine Gegner sagen, er wolle mit den Äusserungen auf CNN einem Bericht über die britische Beteiligung am Irakkrieg den Wind aus den Segeln nehmen. Bis heute ist unklar, wann dieser Bericht publiziert wird.