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International Blair entschuldigt sich für Fehler im Irakkrieg

Der ehemalige britische Premier Tony Blair hat sich in einem viel beachteten Interview zur Invasion im Irak und deren Folgen geäussert. Er entschuldigte sich auf CNN für verschiedene Fehler dabei und gab zu, dass die Militärinvasion den Aufstieg der Terrormiliz Islamischer Staat begünstigt habe.

In früheren Interviews hatte Tony Blair die westliche Invasion im Irak und die Stärke des sogenannten Islamischen Staats (IS) nie in Verbindung bringen wollen. Nun antwortete Blair auf die Frage, ob die Invasion im Irak ein Hauptgrund für den Aufstieg die Terrormiliz gewesen sei: Es gebe «Elemente der Wahrheit» darin.

Dann kommt jedoch sofort das Aber. Man müsse sehr vorsichtig sein, um die aktuelle Situation in Syrien und im Irak nicht falsch einzuschätzen. Natürlich: Jene, die Saddam damals gestürzt hatten, trügen eine Verantwortung für die Lage im Jahr 2015. Aber man müsse sehen, dass auch der arabische Frühling die Entwicklung im Irak beeinflusst hatte, und dass der IS in Syrien gross wurde, nicht etwa im Irak.

Fehler bei Vorbereitung für Zeit nach Saddam

Klar sind hingegen Blairs Aussagen, dass Grossbritannien und die verbündeten Länder im Kampf gegen den Diktator Fehler gemacht hätten. Der Krieg sei bereits aufgrund falscher Informationen begonnen worden – nämlich jener, wonach Saddam Hussein Chemiewaffen besitze. Dafür entschuldige er sich, sagte Blair auf CNN.

«Das Chemiewaffenprogramm existierte nicht in der Form, wie wir dachten, dass es existiert», sagte Blair in dem Fernsehinterview. Auch die Folgen der Invasion seien schlecht durchdacht gewesen.

Der Ex-Premierminister gab Fehler in der Planung und in der Einschätzung, was passieren würde, wenn die alliierten Truppen aus dem Irak abgezogen werden, zu. Aber er glaube nach wie vor, so Blair, dass es richtig gewesen sei, Saddam zu stürzen, auch vom heutigen Standpunkt aus gesehen.

Warten auf Irakbericht

Die Briten waren 2003 an der Seite der USA in den Irakkrieg gezogen. Diese Entscheidung hatte Tony Blair in seiner Heimat viel Ansehen gekostet. Seine Gegner sagen, er wolle mit den Äusserungen auf CNN einem Bericht über die britische Beteiligung am Irakkrieg den Wind aus den Segeln nehmen. Bis heute ist unklar, wann dieser Bericht publiziert wird.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Susanne Lüscher (Lol)
    Der gehört eigentlich wie auch beide Herren Bush vor das Kriegsgericht. Das er sich jetzt so äussert hat ja nur mit dem Mail zu tun, in welchem er Bush bereits ein Jahr vor dem Irakkrieg seine Unterstützung zusicherte. Malaysia hat in Kuala Lumpur beide Herren in Abwesenheit verurteilt. Dies weil die USA und somit auch England den Internationalen Gerichtshof nicht anerkennen.
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  • Kommentar von Samuel Saurer (Sämi)
    Ich habe letztes Jahr mit einem Briten Ende Zwanzig eine Diskussion betreffend Irak geführt - dieser hat nur mit purer Verblüffung reagiert, als ich ihm sagte, dass Saddam weder etwas mit Bin Laden, noch mit 9/11 noch mit 7/7 etwas zu tun hatte. Seine Reaktion: "Das habe ich doch nicht gewusst! Ich dachte, der wäre doch im selben Boot mit dem Osama gewesen?..." Leider interessierts im Endeffekt den Grossteil der US- und UK-Bevölkerung nicht die Bohne was gewesen ist, trotz allem was rauskommt...
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    1. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      In den USA, dem Hauptakteur in all den Operationen, ist das Unwissen bzw. Fehlwissen noch weiter verbreitet. Dank Medien und Hollywood fühlen sich die meisten US-Bürger als Helden und Friedensstifter. Wir alle wissen, wie wirksam Propaganda ist. Ich war auch lange geblendet von einseitigen Medien. In der heutigen, vernetzten Gesellschaft mit all den social media ist Manipulation noch wesentlich einfacher als früher. Viele wollen dabei sein und übersehen dabei dessen Gefahren.
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  • Kommentar von Niklaus Studer (Niklaus)
    Warum stellt man eigentlich solche Leute nicht vor ein Kriegsgericht???
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    1. Antwort von c jaschko (politically correct player)
      Wer im Namen der Westlichen Demokratie mordet ist fehlerfrei , immer und für alle Zeiten :-) Er ist fast der EU Präsident geworden , sagt doch wohl alles über die EU aus und was für eine Machenschaft es ist :-)
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