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International Blatter geht – die Frage nach dem Warum bleibt

Joseph Blatter hat nun doch die Konsequenzen aus den anhaltenden Skandalen bei der Fifa gezogen. Er tritt von seinem Amt zurück. Während die Entscheidung vielerorts begrüsst wird, berichten US-Medien über Ermittlungen von FBI und Justiz gegen Blatter. Eine offizielle Bestätigung fehlt.

Legende: Video Blatter tritt ab abspielen. Laufzeit 04:37 Minuten.
Aus 10vor10 vom 02.06.2015.

Joseph Blatter hat nur vier Tage nach seiner erneuten Wiederwahl völlig überraschend seinen Rücktritt als Präsident der Fifa angekündigt. Damit endet die 17 Jahre lange Ära-Blatter in der grössten Krise des Fussball-Weltverbandes.

Der 79 Jahre alte Walliser verkündete diese zu diesem Zeitpunkt unerwartete Entscheidung am Hauptsitz der Fifa in Zürich. «Obwohl ich ein Mandat von den Fifa-Mitgliedern habe, glaube ich nicht, dass ich ein Mandat von der gesamten Fussballwelt habe», sagte Blatter in einer vorbereiteten Rede bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. «Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem ausserordentlichen Wahl-Kongress niederzulegen.»

Wird auch gegen Blatter ermittelt?

Blatters Ankündigung könnte aber auch noch andere Gründe haben. Der amerikanische Sender ABC berichtete am Abend, dass das FBI und die US-Staatsanwaltschaft auch gegen ihn ermitteln würden. Quelle sei jemand, der mit dem Fall vertraut sei, hiess es. Die «New York Times» schrieb mit Verweis auf offizielle Quellen, dass Blatter im Fokus der Ermittler sei.

Die Berichte sind aber noch nicht bestätigt. Ein Sprecher des FBI lehnte eine Stellungnahme ab. Die US-Regierung hatte zuvor abgestritten, Blatter aus dem Amt gedrängt zu haben. «Die Vereinigten Staaten haben keine Position zu der Frage, wer der Präsident der FIFA ist», sagte Marie Harf, Sprecherin im US-Aussenministerium.

Der letzte Akt: Blatter will grundlegende Reformen einleiten

Bis zur Wahl eines neuen Präsidenten will Blatter sein Amt, das er 1998 übernommen hat, indes weiter ausüben. Der Sonderkongress soll zwischen Dezember 2015 und März 2016 stattfinden, kündigte Domenico Scala, Chef der Fifa-Compliance-Kommission, an. Die Fifa-Statuten sehen vor, dass mindestens vier Monate zur Vorbereitung eines Wahlkongresses notwendig sind. Der nächste reguläre Fifa-Kongress ist erst für den 12. und 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt vorgesehen. «Dies würde eine unnötige Verzögerung bedeuten», erklärte Blatter.

Uefa-Präsident Michel Platini, der Blatter einen Tag vor dessen erneuter Wahl noch den Rücktritt nahegelegt hatte, begrüsste Blatters Entscheidung: «Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung, und die richtige Entscheidung», erklärte der Franzose in einer schriftlichen Stellungnahme. «Eine der grössten Überraschungen, die ich erlebt habe», sagte Peter Gilliéron, Präsident des Schweizerischen Fussballverbands.

Zusammen mit Scala will Blatter in den noch verbleibenden Monaten an der Spitze grundlegende Veränderungen durchführen. Nach den nicht enden wollenden Korruptionsvorwürfen, die am Dienstag auch noch Blatters Generalsektretär Jérôme Valcke erreichten, kündigte Blatter eine «tief verwurzelte strukturelle Veränderung» an.

Sponsoren erleichtert

Coca-Cola und Visa haben Blatters Rückzug als «positiven Schritt für das Wohl des Sports» begrüsst. Damit werde es möglich, die dringende Anpassung der Fifa-Strukturen zu vollziehen.

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Heinz Gröli, Bern
    Blatter ist ja noch nicht zurückgetreten, sondern wird dies erst im Laufe des Jahres tun. Somit soll er auch seines Amtes walten und zur Eröffnung der Frauen WM nach Vancouver reisen. So wie er es immer tat, nach Brasilien, Südafrika oder Deutschland. Er ist ja unschuldig und hat nicht zu befürchten .... Noch was: Auch Ospelt hat anno 2008 gesagt, er sei Teil der Lösung und nicht das Problem. Den Rest kennen wir ja .... Realitätsverlust olé !
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Gab es bei Ospelt auch so eine Hetzjagd? Wohl totaler Verhältnisblödsinn, denn Ospelts Entscheidungen hatten einen direkten Einfluss auf Millionen von Portemonnaies, Blatters aber wohl eher nicht.
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  • Kommentar von Kurt Wirz, Wilchingen
    Die aktuelle Situation zeigt klar und deutlich auf, dass Blatter der klassische Alleinherrscher war. Seine Aussage, dass er einen Nachfolger aufbauen wolle, halte ich für eine Farce. Die Zeit wäre nun definitiv reif, der FIFA für eine Erfolg versprechende Zukunft die notwendigen Strukturen zu verpassen und die Finanzströme so zu gestalten, dass man diese auch kontrollieren kann. Es steht ein Totalumbau an, der die Glaubwürdigkeit der FIFA zurückbringen soll.
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  • Kommentar von Alex Grossenbacher, Basel
    Tschau Sepp !
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