Blutige Geiselnahme in Burkina Faso: Schweizer unter Getöteten

In Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou haben islamistische Terroristen Hotels und ein Restaurant attackiert. Dabei starben 29 Personen, darunter zwei Schweizer: Der frühere Post-Direktor Jean-Noël Rey und der ehemalige Walliser Kantonsparlamentarier Georgie Lamon.

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Geiselnahme in Burkina Faso

1:32 min, aus Tagesschau vom 16.1.2016

  • Islamistische Terroristen greifen in Ouagadougou ein Restaurant an und bringen ein Luxushotel unter ihre Kontrolle. Sie nehmen zahlreiche Geiseln.
  • Bei den Angriffen eines Al-Kaida-Ablegers sterben 29 Personen, darunter zwei Schweizer Bürger, wie das EDA mitteilt.
  • Die beiden getöteten Schweizer sind der frühere Post-Direktor Jean-Noël Rey und der Walliser Kantonsparlamentarier Georgie Lamon.
  • Sicherheitskräfte beenden am Samstagmorgen die Geiselnahme und befreien 126 Personen. Drei Angreifer werden getötet.
  • Ein weiterer Attentäter wird in einem benachbarten Hotel von Sicherheitskräften getötet.

Dramatische Stunden in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou: Bei einem Anschlag attackieren vermummte Islamisten am Freitagabend das Restaurant «Cappuccino» und nehmen danach im Luxushotel «Splendid» zahlreiche Geiseln. Dabei wurden 29 Menschen getötet.

Wie das Eidgenössische Departement des Äusseren mitteilt, sind unter den Todesopfern auch zwei Schweizer Bürger. Laut mehreren übereinstimmenden Quellen handelt es sich um den früheren Schweizer Post-Direktor Jean-Noël Rey und den früheren Abgeordneten des Walliser Kantonsparlaments Georgie Lamon. Sie waren in Burkina Faso, um die Kantine einer Schule einzuweihen.

Die beiden befanden sich im Restaurant «Cappuccino», wo sie getötet wurden. «Es ist tragisch. Sie hatten viel für dieses Land getan», sagte David Bagnoud, Gemeindepräsident von Lens (VS) sowie Neffe von Lamon und Patenkind von Rey. Er bestätigte eine Information , die auf der Website der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» veröffentlicht wurde.

Stürmung am Morgen

Die burkinischen Sicherheitskräfte stürmten am Samstagmorgen die Hotelanlage. Dabei kamen drei Geiselnehmer ums Leben. Ein weiterer Terrorist starb nach Angaben der Behörden in einem benachbarten Hotel, wo er sich verschanzt hatte. Die Sicherheitskräfte befreiten laut Regierung 126 Geiseln, von denen 56 bei der Stürmung zum Teil schwer verletzt wurden. Weitere 30 Personen wurden im Restaurant «Cappuccino» in Sicherheit gebracht.

Nach Angaben von Gilles Thibault, dem französischen Botschafter in Burkina Faso, werden die Überlebenden aus 18 verschiedenen Ländern derzeit von den Behörden betreut, erklärte er über seinen Twitter-Account.

Das Gebiet rund um den Anschlagsort wurde weiträumig abgeriegelt. Soldaten durchkämmten systematisch andere Gebäude in der Avenue Kwamé Nkrumah. Präsident Roch Marc Christian Kaboré besuchte nach einer Krisensitzung des Kabinetts den Ort des Anschlags.

Al-Kaida-Ableger bekennt sich zur Tat

Laut einer im Internet verbreiteten Botschaft bekannte sich ein Ableger der Terrororganisation Al Kaida zu der Attacke. Demnach sollen Kämpfer der Gruppe Al Mourabitoune den Angriff durchgeführt haben. Die Gruppe unter Führung des algerischen Islamisten Mokhtar Belmokhtar schloss sich kürzlich der Terrorgruppe Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) an.

Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem feigen Terrorakt und sagte seinem burkinischen Kollegen Marc Christian Kaboré nach Elysée-Angaben «volle Unterstützung» und die Hilfe französischer Einsatzkräfte zu. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich hatte laut Pentagon-Angaben das US-Militär selbst um Unterstützung gebeten. Mindestens ein Mitglied der US-Streitkräfte stand den Franzosen demnach beratend zur Seite.

Ähnliche Attacke vor zwei Monaten in Mali

Der Angriff erinnert an eine ähnliche Attacke vor knapp zwei Monaten in Burkina Fasos Nachbarland Mali. Dort hatten sunnitische Fundamentalisten viele Menschen in einem bei Ausländern beliebten Hotel in der Hauptstadt Bamako als Geiseln genommen. Rund 20 Menschen wurden getötet. Auch für diese Tat wurden mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Islamistengruppen verantwortlich gemacht.

In Burkina Faso hatten Ende November erstmals nach mehr als 50 Jahren freie Wahlen stattgefunden, aus denen der siegreiche Oppositionspolitiker und frühere Regierungschef Kaboré als neuer Präsident hervorging. Das Land ist der grösste Baumwollproduzent Afrikas und hat auch reiche Goldvorkommen. Dennoch gilt der Binnenstaat, der unter anderem an Mali, Ghana und die Elfenbeinküste grenzt, als eines der ärmsten Länder der Welt.

Befand sich wegen eines Hilfsprojektes in Burkina Faso und wurde Opfer der Attacken in Ouagadougou: Der ehemalige Direktor der Post Jean-Noël Rey.