Boko-Haram-Terror: Anschlag auf dem Marktplatz

In der nordnigerianischen Stadt Maiduguri starben bei einem Doppelanschlag auf einen Markt mehr als 45 Menschen. Es ist das zweite tödliche Attentat in der Provinz Borno innert weniger Tage.

Karte von Nigeria

Bildlegende: Maiduguri liegt im Nordosten Nigerias – der Hochburg der Terrorgruppe Boko Haram. Google Maps

Im Nordosten Nigerias sind bei einem Doppelanschlag auf einen Markt der Stadt Maiduguri mehr als 45 Menschen getötet worden. Dies berichteten Rettungskräfte und Augenzeugen.

Frau gab Bombe als Baby aus

Es seien «viele Menschen getötet worden», sagte ein Vertreter der nationalen Notfallbehörde. Nach Angaben eines Polizeioffiziers explodierte zunächst nur eine Bombe. Ein Markthändler sagte, der Sprengsatz sei in einer Rikscha versteckt gewesen. Als die Menschen zur Rettung der Verletzten herbeieilten, explodierte eine zweite Bombe.

Der zweite Sprengsatz soll von einer verschleierten Selbstmordattentäterin gezündet worden sein. «Die Frau hatte die Sprengsätze um ihren Rücken gewickelt, als ob sie ein Baby tragen würde. Dann näherte sie sich dem Ort der ersten Explosion», berichtete ein anderer Händler. Drei weitere Zeugen bestätigten diese Darstellung.

Zweiter Angriff innert weniger Tage

Die islamistische Rebellengruppe Boko Haram kämpft seit Jahren vor allem im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes für einen islamischen Staat. Die sektenartige Gruppierung tötete seit 2009 bei Angriffen auf Sicherheitskräfte, Behörden, Schulen und Kirchen mehr als zehntausend Menschen.

Erst vor einigen Tagen wurden bei einem Angriff auf Fischverkäufer am Tschadsee 48 Menschen getötet. Seit Jahren setzt die nigerianische Regierung auf einen massiven Militäreinsatz, bekommt die Lage aber nicht in den Griff.

Die Millionenstadt Maiduguri ist die Hauptstadt des nordnigerianischen Bundesstaates Borno. Dieser gilt als Hochburg der islamistischen Extremistengruppe Boko Haram. Der Norden des Landes ist mehrheitlich muslimisch, im ölreichen Süden leben viele Christen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Selbstmordattentat in Nigeria

    Aus 10vor10 vom 10.11.2014

    Bei einem Selbstmordattentat in einer nigerianischen Schule sind mindestens 47 Jugendliche getötet worden. Die nigerianische Regierung beschuldigt die Islamisten-Gruppe Boko Haram, für das Attentat verantwortlich zu sein.

  • Seit Boko Haram in Nigeria 200 Schulmädchen entführt hat, kennt man die islamistische Gruppe auf der ganzen Welt.

    Waffenstillstand mit Boko Haram in Nigeria?

    Aus Echo der Zeit vom 21.10.2014

    Nigerias Regierung hat kürzlich erklärt, die Terrororganisation Boko Haram habe einem Waffenstillstand zugestimmt. Ist das glaubwürdig? Gespräch mit Markus Gamache; der Nigerianer vertritt eine Kirche, die sich für den interreligiösen Frieden einsetzt.

    Ursula Hürzeler

  • Fast täglich erreichen uns Meldungen über blutige Bombenanschläge in Nigeria mit Dutzenden, wenn nicht Hunderten von Toten.

    Nigeria: Die Ohnmacht gegenüber Boko Haram

    Aus Rendez-vous vom 6.6.2014

    In Nigeria fallen die Islamisten in Dörfer ein, sie töten und terrorisieren die Bevölkerung. Bei neuen Angriffen sollen Hunderte von Menschen niedergemetzelt worden sein. Die Angaben sind widersprüchlich. Was weiss man über die jüngsten Angriffe und den Verbleib der verschleppten 200 Mädchen?

    Gespräch mit Markus Haefliger in Nairobi