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International Boko Haram tötet weiter wahllos

Der Terror in Nigeria geht weiter. Nach den gestrigen Anschlägen mit mehr als 100 Toten wurden heute 30 Dorfbewohner getötet.

Legende: Video Tote nach Doppelanschlag in Jos abspielen. Laufzeit 01:23 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.05.2014.

Noch sind die Trümmer in der Stadt Jos nicht vollständig weggeräumt, kommt schon die nächste Schreckensmeldung aus Nigeria. Bei einem Angriff islamischer Terroristen auf ein Dorf im Nordosten sind am Morgen 30 Menschen getötet worden. Der Überfall auf Shawa erfolgte nur zwölf Stunden nach einem Anschlag in Jos, wo über 100 Menschen bei Bombenanschlägen starben.

Die bewaffneten Angreifer in Shawa im Bundesstaat Borno drangen gegen 4 Uhr in das Dorf ein und zündeten Häuser an. Ein überlebender Bewohner des Ortes habe berichtet, die Männer hätten «Allahu akbar» (Gott ist gross) rufend um sich geschossen.

Heimtückischer Doppelanschlag

Bereits gestern waren bei einem Bombenanschlag auf den belebten Markt der zentralnigerianischen Stadt Jos 118 Menschen getötet und 56 weitere verletzt worden. Zwei Autobomben waren gesprengt worden.

Der Terroranschlag in Jos war besonders tückisch. Zahlreiche Helfer, die sich nach der ersten Explosion um die zum Teil unter Trümmern begrabenen Opfer und Verletzten bemühten, wurden durch eine zweite Explosion in den Tod gerissen.

Eine Bombe habe sich in einem Lastwagen befunden, ein anderer Sprengsatz in einem Minibus, berichtete ein Offizier der Spezialeinsatzkräfte. Bis in die Morgenstunden suchten Rettungskräfte am verwüsteten Tatort nach Toten und Verletzten. Bis zum Abend lagen mächtige Rauchwolken über dem Ort.

Keine Spur von entführten Mädchen

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan sprach von einem «tragischen Anschlag auf die menschliche Freiheit». Die Regierung werde die Anstrengungen im Kampf gegen den Terror noch weiter intensivieren. Dabei sollten auch multinationale Truppen helfen, die am Tschadsee im Nordosten Nigerias stationiert sind.

Boko Haram ist seit 2009 verantwortlich für den Tod Tausender Menschen in Nigeria, dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas. Erst Mitte April hatte die Terrorgruppe mehr als 200 Schulmädchen entführt. Bisher fehlt trotz der Unterstützung von amerikanischen und europäischen Experten und dem Einsatz von westlichen Aufklärungsflugzeugen noch jede Spur von den Mädchen.

Über 300'000 Menschen auf der Flucht

Frankreich und Nigeria sowie vier andere afrikanische Länder hatten am vergangenen Samstag bei einem Anti-Terrorgipfel einen Aktionsplan gegen die Terrororganisation beschlossen. Man werde den Informationsaustausch der Geheimdienste verstärken, sagte der französische Präsident François Hollande. Eine Militäraktion des Westens gegen Boko Haram schloss er allerdings aus.

Der Terror der Extremisten treibt im Norden Nigerias immer mehr Menschen in die Flucht: Rund ein Jahr nach der Verhängung des Ausnahmezustands in den besonders schlimm betroffenen Bundesstaaten Yobe, Borno und Adamawa wurden dort nach UN-Angaben 250'000 Menschen vertrieben. Rund 60'000 weitere hätten in Kamerun, Tschad und Niger Zuflucht gesucht.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von F, Zuber, Solothurn
    Schrecklich, was Boko Haram tut. Schrecklicher aber, dass sich der Westen wieder irgendwo einmischt, wo es ihn nicht angeht.
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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Journalistsich viel relevanter wäre die Untersuchung der Hintergründe dieser Organisation und ihre Verbindung zum CIA. Eigentlich ist das Muster immer dasselbe und wäre leicht zu durchschauen: die CIA hat eine lange Tradition im Aufbau islamistischer Terrorzellen für eigene Zwecke. Auch hier geht es um China und dessen Einfluss in Nigeria und Afrika. In Vietnam verfährt man nach ukrainischem/nordafrikanischem Muster und organisiert 'Proteste'.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Weiler - man muss schon sehr vom Hass gegen Amerika verblendet sein, um den Amis zu unterstellen, sie hätten Boko Haram kreiiert. Was wirklich journalistisch relevant wäre, ist, dem Volk endlich mal den wirklichen Namen von Boko Haram zu vermitteln und was er bedeutet. Diese Herrschaften nennen sich in Tat und Wahrheit 'Jama'atu Ahlis Sunna Lidda'awati Wal-Jihad', was soviel bedeutet wie "Menschen, die sich für die Verbreitung der Lehre des Propheten und für den Jihad einsetzen".
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    2. Antwort von Hans Weiler, St. Gallen
      @Christen. Eine Diskussion über Inhalt und Ideologie der Gruppierung kann ich nicht führen, da ich schlicht zu wenig informiert bin. Boko Haram wird aber von jemandem finanziell unterstützt, sonst könnte man nicht so professionell agieren und unerkannt bleiben. Wikileaks deutet auf die amerikanische Bostschaft in Nigeria als operationellen Stützpunkt im Zuge der strategischen Interessen der USA in Afrika. 'Verblendet' bezeichnet ein 'Nicht-Betrachten-Wollen' eines Aspektes.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Falsch! Boko Haram tötet nicht "wahllos". Boko Haram tötet gezielt Christen.
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    1. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      Auch falsch. Boko Haram tötet alles was sich gegen ihre fixe Idee eines islamistischen Gottesstaates richtet. Auch die muslimische Bevölkerung wird terrorisiert.
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