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International Bolivien: Morales zeigt im Amt wohl zu wenig Moral

Vorläufige Resultate des Volksverdikts: Mit rund 54 Prozent der Stimmen sind die Gegner der Verfassungsänderung in Führung. An diesem Ausgang ist der erste indigene Präsident Boliviens nicht unschuldig.

Legende: Video Es schaut schlecht aus für Evo Morales abspielen. Laufzeit 1:22 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 22.02.2016.

Boliviens Präsident Evo Morales ist nach Auszählung eines grossten Teils der Stimmen mit dem Versuch gescheitert, durch eine Verfassungsänderung bis 2025 im Amt bleiben zu können. 54 Prozent der Stimmen sprechen sich bislang gegen eine 4. Amtszeit von Morales aus. Auf ein Ja entfallen nur 46 Prozent der abgegebenen Stimmen. Ausgezählt sind erst 82 Prozent der Stimmen.

Morales Gegner im Freudentaumel

Morales versprach, er werde das Ergebnis respektieren. «Wir werden geduldig bis zum Schlusspfiff warten», sagte er vor Journalisten in La Paz. «Wir sind optimistisch.» Die noch nicht ausgezählten Stimmen auf dem Land, in der indianischen Urbevölkerung und im Ausland könnten das Blatt noch wenden, lautete die Annahme des Morales-Lagers.

Auf der anderen Seite indes organisierten Morales' Gegner Freudenfeste, unter anderem in Santa Cruz und Trinidad. Für sie steht bereits fest, dass Morales verloren hat.

Evo Morales, Boliviens amtierender Staatspräsident möchte zum 4. Mal Präsident werden. Er hält vor einem Wahllokal in Villa 14 de Septiembre seinen Wahlzettel hoch und lacht.
Legende: Auch wenn Evo Morales selber Ja gestimmt haben dürfte - für eine 4. Amtszeit wird es nicht reichen. Reuters

Auch die Nachwahlbefragungen sahen das Nein-Lager vorn. 52,3 Prozent der Befragten hätten gegen die für ein weiteres Mandat erforderliche Verfassungsänderung gestimmt, 47,7 Prozent dafür, berichtete der private Fernsehsender ATB. Der Sender Unitel gab den Anteil der Nein-Voten mit 51 Prozent und den der Ja-Voten mit 49 Prozent an.

Etwa 6,5 Millionen Einwohner des südamerikanischen Landes, in dem Wahlpflicht herrscht, sind zu der Abstimmung aufgerufen. Hinzu kommen rund 300'000 Bolivianer im Ausland. Die Teilnehmer des Referendums sollen entscheiden, ob Morales im Jahr 2019 für eine vierte Amtszeit kandidieren darf oder nicht. Der lange Zeit hoch angesehene Politiker hatte selbst mit einer Zustimmung von 70 Prozent gerechnet.

Freundin begünstigt

Dass er diese verfehlt, muss er sich auch selber anlasten. Denn obwohl er das Land in seinen drei Amtszeiten aus der schlimmsten Armut heraus geführt hat, wird dieser Erfolg in jüngster Zeit von verschiedenen Affären überschattet.

So soll der 56-jährige, ehemalige Kokabauer und Gewerkschafter und seit 2006 Präsident unter anderem seine Ex-Freundin, die 28-jährige Gabriela Zapata, begünstigt haben.

Zapata gehört zur Führungsriege des chinesischen Unternehmens CAMC, das mit der bolivianischen Regierung Verträge in einem Wert von umgerechnet mehr als einer halben Milliarde Franken abgeschlossen hat.

Morales, dessen Partei Bewegung für den Sozialismus (MAS) sich als Interessenvertretung der Armen versteht, wies die Vorwürfe zurück und erklärte, dies sei alles eine Erfindung der US-Botschaft, die diese pünktlich zum Referendum lanciert habe. Eine Erklärung, die das bolivianische Volk offenbar nicht so recht glauben mag.

4 Kommentare

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  • Kommentar von Anaj Miliv (Anaj Miliv)
    WikiLeaks-Dokumente aus den Jahren 2006 bis 2009 enthüllen, dass sich die USA in innere Angelegenheiten Boliviens eingemischt und Oppositionsgruppen, die die Regierung des Präsidenten Evo Morales stürzen wollten, finanziell unterstützt haben. Große Bedeutung Boliviens, eines Landes mit reichen Naturressourcen, für die außenpolitischen Strategien der USA. Dies berichtet die Agentur Prensa Latina.
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    1. Antwort von m. mitulla (m.mitulla)
      Die Aktivitäten der USA haben in Süd- und Mittelamerika eine blutige Spur hinterlassen. Nicht nur Nicaragua oder Chile sind Zeugen davon, sondern heute sind weitere Länder mit linken Regierungen im Visier der "Privatisierer für Investoren", allen voran Venezuela, Argentinien, Brasilien und eben Bolivien. Das Ziel der Finanzmafia ist überall dasselbe. Privatisierung der Ressourcen, Sozialisierung der Armut.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    "Zu wenig Moral in der Politik". Das ist ein grosser Witz. Vor allem Spitzenpolitik besteht zu einem Gutteil darin, andere zu täuschen. Sabotage der Infrastruktur, Propaganda und Beeinflussung fremder Länder zum eigenen Vorteil sind gang und gäbe.
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  • Kommentar von Bernd Kulawik (Bernd K.)
    Vielleicht würde es noch beim Verständnis helfen zu erwähnen, dass die USA 200 Mio. USD über ihre Botschaft in Bolivien "investiert" hat, um Morales zu stürzen. Das sind 20 $ pro Einwohner. Was würde wohl passieren, wenn Morales oder Putin oder China ebensoviel, insgesamt also 300 Mio. x 20 USD = 6 Mrd., in den US-Wahlkampf "investieren" würden, um einen ihnen genehmen Kandidaten durchzusetzen? (Der letzte US-Wahlkampf kostete insgesamt 2 Mrd. …)
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