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Bombardierung von Militärbasis «Ein israelischer Angriff ist plausibel»

Legende: Audio Giftgas-Anschlag in Syrien soll untersucht werden abspielen.
3:32 min, aus Rendez-vous vom 09.04.2018.

Am Samstag starben bei einem mutmasslicher Chemiewaffenangriff auf die syrische Stadt Duma nach Angaben syrischer Rettungskräfte fast 50 Menschen. Hunderte weitere wurden verletzt. Andere Quellen gehen von deutlich mehr Opfern aus. Duma war von islamistischen Rebellen gehalten und von der syrischen Armee belagert worden.

Als am Montag ein Angriff auf eine syrische Militärbasis in Homs durchgeführt wurde, verstanden viele das als Vergeltungsakt für das Giftgas. Doch diese Theorie könnte sich als haltlos erweisen, wie SRF-Nahostkorrespondentin Susanne Brunner sagt. Denn vielleicht steckt Israel hinter der Attacke auf die Militärinfrastruktur.

Susanne Brunner

Susanne Brunner

SRF-Nahostkorrespondentin

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Brunner war unter anderem SRF-USA-Korrespondentin und Korrespondentin aus der Westschweiz. Sie moderierte 12 Jahre lang die Sendung «Tagesgespräch». Seit 2018 ist sie Nahostkorrespondentin für Radio SRF.

Der UNO-Sicherheitsrat befasst sich mit dem Chemieangriff auf Duma. Wird das etwas ändern?
Ich war heute Morgen in der Stadt Amman unterwegs. Amman liegt nur etwa 180 km von dort entfernt, wo der mutmassliche Giftgasangriff stattgefunden hat. Die erschreckenden Bilder aus Syrien waren das grosse Thema, beim Taxifahrer, im Laden um die Ecke. Als ich die Leute gefragt habe, wer dieses Tun stoppen könnte, sagten sie: «Niemand». Seit sieben Jahren sehen sie immer noch grauenhaftere Bilder aus diesem Krieg. Die Bilder zeigen auch, dass es in diesem Krieg keine Regeln gibt. Es gibt niemanden, der Regeln durchsetzen könnte.

In der Zwischenzeit gab es einen Raketenangriff auf eine Militärbasis der Syrer. Dabei seien mindestens 14 Menschen getötet worden, darunter auch iranische Kämpfer.
Am Morgen hiess es, die USA steckten dahinter. Doch die USA dementierten das. Später sagte Russland, Israel sei es gewesen. Israel schweigt. Allerdings hat das Land genau diese syrische Militärbasis schon früher zweimal angegriffen.

Es reicht Israel schon, dass es den bewaffneten Arm Irans, die Hisbollah, im Libanon vor der Haustüre hat.

Dort wurden offenbar ein iranisches Drohnenkontrollzentrum und Kommunikationssysteme zerstört. Bei dem Angriff kamen auch Iraner ums Leben. Das macht einen israelischen Angriff plausibel. Doch es bleibt nur Spekulation, denn bestätigt ist nichts.

Wenn Israel die iranischen Kämpfer im Visier hatte, würde das bedeuten, dass dieser Angriff nicht eine Vergeltung für die Chemieattacke sein muss?

Persönlich denke ich nicht, dass der Raketenangriff etwas mit dem mutmasslichen Giftgasangriff am Samstag zu tun hat. Dass man aber auf diese These kommt, liegt an einem ähnlichen Ereignis, das vor einem Jahr stattfand. Da gab es schon mal einen mutmasslichen Giftgasangriff in Syrien. Die USA reagierten damals mit Vergeltung. Sie führen einen Luftschlag gegen einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien durch.

Welche Ziele verfolgt Israel in Syrien?
Israel will ganz einfach nicht, dass Iran sich in Syrien festsetzt. Es reicht schon, dass Israel den bewaffneten Arm Irans, die Hisbollah, im Libanon vor der Haustüre hat. Denn der Iran ist der erklärte Todfeind Israels.

Das Interview führte Simon Leu.

33 Kommentare

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  • Kommentar von S. Buso (Misotheist)
    Israel hilft nie jemandem, nur sich selbst! Sie dachten: Wenn wir schon Gaza am bombardieren sind, fliegen wir doch gleich nach Syrien rüber..immer getreu ihrem Motto: Menschenrechte, Kriegsverbrechen, Souveränität anderer Länder..who cares?
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  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    In allen Kriegen der Vergangenheit ging es um Rohstoffe und diese mit Militärmacht zu sichern. 2012 wurden 14 Erdölvorkommen mit insgesamt 37 Milliarden Tonnen Rohöl gefunden. Das Ölvorkommen liege in nur 250 Meter Tiefe und wurde von der norwegischen Gesellschaft "Ancis" entdeckt. Für Syrien sei es damit möglich auf Platz 4 in der Weltspitze der Erdöl-fördernden Nationen zu gelangen. Ausserdem gebe es bislang nicht erschlossene syrische Erdgaslagerstätten. Die USA wussten von Anfang an davon.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Powerplay der Kriegstreiber gegen Russland und ihre Verbündete: eine Schlagzeile jagt die andere, dass man gar keine Zeit hat, Ergebnisse abzuwarten, der Sache auf den Grund zu gehen. s bleiben die Schlagzeilen hängen. Weitere Entwicklungen im Fall Skripal werden wir whs. so wenig erfahren wie bei MH17. Die rasche Vorverurteilung hat gewirkt, das reicht, schon kommt die nächste Geschichte.
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