Bomben auf Rakka töten viele Zivilisten

Bei Luftangriffen auf die syrische Stadt Rakka sollen mindestens 40 Personen getötet worden sein. Rakka gilt als inoffizielle Hauptstadt der Terrormiliz IS. Unklar ist, welches Land die Luftangriffe geflogen hat. Zudem sollen in Deir Essor 400 Menschen verschleppt worden sein.

Bild vom 12.01.2016: Auch in der syrischen Provinz Idlib wurden bei drei Luftangriffen zahlreiche Zivilisten getötet.

Bildlegende: Bild vom 12.01.2016: Auch in der syrischen Provinz Idlib wurden bei drei Luftangriffen zahlreiche Zivilisten getötet. Reuters

In der syrischen Stadt Rakka, das als inoffizielle Hauptstadt des IS in Syrien gilt, sind bei einem Luftangriff am Sonntag mindestens 40 Zivilisten getötet worden. Unter den Toten seien auch acht Kinder.

Dies berichtet die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die der gemässigten syrischen Opposition nahesteht. Demnach wurden bei den Bombardements Läden und Restaurants in Rakka getroffen. Ein Augenzeuge berichtete dem Nachrichtensender «Al-Jazeera», es seien zwei Spitäler und mehrere öffentliche Plätze getroffen worden.

Welches Land die Angriffe geflogen hat, ist bisher unklar. Die Kampfflugzeuge kamen den Angaben zufolge aus einem Gebiet, das von syrischen Regierungstruppen kontrolliert wird. Es sei jedoch unklar, ob es sich um Angriffe der syrischen oder der russischen Luftwaffe gehandelt habe.

400 Menschen verschleppt

Laut der Beobachtungsstelle sollen am Samstag die Dschihadisten bei einer Grossoffensive in das Dorf Al-Bagalija eingedrungen sein. Sie töteten dabei mehr als 130 Menschen.

In der nahegelegenen Stadt Deir Essor sollen sie zudem 400 Zivilisten entführt haben. Die Milizen des IS sollen dort Stadtteile angegriffen haben, die von der syrischen Armee kontrolliert werden.

Bei den Entführten handle es sich um Frauen, Kinder und regierungstreue Kämpfer. «Wir befürchten, dass die 400 unter dem Vorwand, dass sie loyal zum Regime stünden, hingerichtet oder versklavt werden», erklärt Rami Abdelrahman, der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Deir Essor liegt rund 450 Kilometer nordöstlich der syrischen Hauptstadt Damaskus. Der IS kontrolliert den grössten Teil der gleichnamigen Provinz und etwa die Hälfte der Stadt. Die übrigen Gebiete und ein nahegelegener Militärflughafen werden von den Regierungstruppen kontrolliert.

«Der IS hat bis jetzt diese Taten nicht für sich in Anspruch genommen»

Daniel Gerlach, Chefredaktor der Zeitschrift «Zenit»: «Die eigentliche Nachrichtenlage kann nicht verifiziert werden. Diese Berichte von der Entführung von 400 Menschen kommen mir etwas merkwürdig vor. Der IS hat keinerlei Morde oder Entführungen von Zivilisten für sich reklamiert. Doch grundsätzlich ist dem IS logistisch und moralisch so etwas zuzutrauen, ich erinnere an das Schicksal der Jesiden. Ich kann mir diese Berichte nur damit erklären, dass der IS in dieser Gegend, wo das neuste Massaker stattgefunden haben soll, befürchtet, dass ihm die sunnitischen Stämme in den Rücken fallen könnten. Sie haben noch eine Rechnung mit dem IS offen. Deshalb hat der IS sie weggeschafft. Doch die Nachrichtenlage kann man nicht überprüfen.»