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International Bomben und Raketen statt Diplomatie

Über 800 Tonnen Raketen und Bomben hat Israel seit Dienstag über dem Gazastreifen abgeworfen. Das hat die radikal-islamische Hamas bis jetzt aber nicht gehindert, weiter Raketen nach Israel abzufeuern. Aufrufe zur Mässigung verhallen auf beiden Seiten ungehört.

Legende: Video Obama bietet sich Israel als Vermittler an abspielen. Laufzeit 2:10 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 11.07.2014.

Es ist die neueste Drohung der Hamas. Sie warnte die Fluggesellschaften am Freitag, den Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv anzufliegen. Der Flughafen «wird eines unserer Ziele sein».

Wenig später heulten prompt die Sirenen, drei Raketen aus dem Gazastreifen wurden über dem Grossraum Tel Aviv abgefangen. Der Flugverkehr wurde während des Alarm gestoppt.

Trotz aller Diplomatie, trotz dringlicher Aufrufe zur Mässigung an beide Seiten: Im Nahen Osten stehen die Zeichen auf Eskalation.

Tonenweise Bombe und Raketen

Die Zahlen: 550 Raketen feuerten militante Palästinenser Richtung Israel ab, 120 weitere fing die israelische Raketenabwehr «Iron Dome» ab. Die israelische Luftwaffe beschoss im Gegenzug mehr als 1000 Ziele im Gazastreifen, insgesamt kamen mehr als 800 Tonnen Bomben und Raketen zum Einsatz.

Die Bilanz: Mehr als 100 Tote im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben, hunderte Verletzte. Es mehrten sich Berichte über zivile Opfer, darunter Frauen und Kinder, heisst es bei den palästinensischen Rettungsdiensten.

Raketen aus dem Libanon

Erstmals seit Beginn des Schlagabtausches wurden am Freitagmorgen auch aus dem Libanon Raketen auf Israel abgefeuert. Ein Geschoss sei in der Nähe der Grenzstadt Metullah gefunden worden, sagte ein Armeesprecher. Israelische Artillerie habe in den Libanon zurückgeschossen.

2006 hatten sich Israel und die libanesische Hisbollah-Miliz einen einmonatigen Krieg geliefert. Die Hisbollah hatte damals Tausende von Raketen auf Israel abgefeuert. Seitdem kam es nur noch vereinzelt zu Scharmützeln an der Grenze.

Auch in der Stadt Tel Aviv heulten die Sirenen immer wieder. Über Lautsprecher wurden die Menschen aufgerufen, Schutzräume aufzusuchen. Es waren mehrere dumpfe Explosionen zu hören. In der Hafenstadt Aschdod wurde bei einer palästinensischen Raketensalve eine Tankstelle getroffen, es kam zu einem Brand mit meterhohen Flammen und einer Rauchsäule.

USA: Stehen hinter Israel

US-Präsident Barack Obama bot beiden Parteien Vermittlerdienste an. US-Botschafter Dan Shapiro sicherte Israel zugleich die volle Rückendeckung Washingtons auch im Fall einer Bodenoffensive im Gazastreifen zu.

Auslöser der Krise waren der gewaltsame Tod dreier jüdischer Jugendlicher und der mutmassliche Rachemord an einem palästinensischen Jungen. Darüber hinaus will die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas-Organisation Israel und Ägypten zwingen, die Abriegelung des Gebietes zu lockern.

Ägypten will vermitteln

Die Regierung in Kairo bemüht sich offenbar um einen Waffenstillstand im Gazakonflikt. Es gebe «intensive Gespräche», um die Gewalt zu beenden. Ägypten warf Israel eine «unverantwortliche Eskalation» vor, kritisierte aber indirekt auch die Hamas. Bisherige Vermittlungsbemühungen seien aufgrund von «Sturheit» gescheitert.

Gaza unter Dauerbeschuss

Gaza unter Dauerbeschuss

Gegen 1000 Angriffe hat die israelische Armee im schmalen und übervölkerten Gazastreifen seit Anfang Woche geflogen. Sie tötete dabei mehr als 100 Menschen: Aktivsten der Hamas, aber auch Unbeteiligte. Auf der anderen Seite lebt die Zivilbevölkerung in Israel in Angst vor Raketen aus Gaza. Hier mehr.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Wer Israel kritisiert, sollte zuerst den Hamas-Freunden sagen, sie sollen mit der Beschiessung durch Raketen sofort aufhören, sonst seid ihr nicht glaubwürdig. Hat das irgendjemand von euch schon getan? Ich habe noch nichts dergleichen gehört und gesehen bzw. gelesen.
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  • Kommentar von Franziska Schaffner, Zürich
    ach so, sobald die Hamas unschuldige Zivilisten und Kinder zu ihrem Schutzschild deklariert, darf man also auf sie schiessen? Ab wann darf man etwas nichtmehr? Zudem: der Gazastreifen ist so dicht besiedelt -es gibt keine Luftschutzbunker oder Fluchtwege- sie werden getroffen ob Hamas sie zum Schutzschild deklarierte oder nicht, das weiss Israel, also was soll diese Rechtfertigung?
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  • Kommentar von E. Meier, Zug
    Was sind diese Israelis bloss für Menschen, töten Frauen und Kinder?
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    1. Antwort von Walter Starnberger, Therwil
      Und die Palästinenser, tun die was anderes ? Sie schiessen Raketen auf Frauen und Kinder. Der Unterschied ist lediglich dass Israel einen funktionierenden Bevölkerungsschutz hat.
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    2. Antwort von E. Meier, Zug
      @Walter Starnberger, Therwil: Genau, in den letzten paar Wochen wurden in Palästina über 100 Kinder & Frauen durch die Israelis ermordet, -und in Israel wurde EINE einzige Person von Palästinenser verletzt. Was sind diese Israelis bloss für Menschen, töten skrupellos Kinder und Frauen?
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    3. Antwort von Zollinger Jasmine, Wetzikon
      Was sind die Palästinenser bloss für Menschen, fordern ihre Leute auf, sich als menschliche Schutzschilder vor militärische Einrichtungen zu stellen, bauen Raketenabschusspunkte, Waffenlager, etc. mitten in einer Mädchenschule? Wie will man solche Ziele treffen ohne Zivilisten zu töten?
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    4. Antwort von Max Frech, Solothurn
      @E. Meier, Zug: Und warum befinden sich so viele Zivilpersonen (alte Menschen, Frauen und Kinder) unter den Opfern? Weil Hamas diese als Schutzschilde missbrauchen! Das hat unterdessen auch die israelfeindliche Weltpresse zugeben müssen... Oder mit anderen Worten: Israel gebietet seinen Bürgern den bestmöglichen Schutz vor Angriffen - die Hamas setzt sie "vor den Schuss", damit Israel als skrupelloser Mörder angeklagt werden kann. Und ihre Rechnung geht immer wieder auf...
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    5. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      In Anbetracht der Situation würde ich sagen, Israelis sind ganz normale Menschen. Es ist keineswegs ihr Ziel, Zivilpersonen zu treffen, sondern man warnt über Flugblätter und Telefonanrufe vor den Angriffen. Die Hamas aber legt es ja genau darauf an, möglichst viele Verluste unter dem eigenen Volk verzeichnen zu können und diese Israels Konto aufzubrummen. Was sind das für Menschen, E. Meier?
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