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Wahlen in Frankreich Bonjour Election – Auftakt in Übersee

Die Wahl in Frankreich gilt als Richtungsentscheid für ganz Europa. Elf Kandidaten buhlen um das Präsidentenamt.

Legende: Video Frankreich vor der Wahl abspielen. Laufzeit 2:45 Minuten.
Aus Tagesschau vom 22.04.2017.
  • Die erste Wahlrunde in der französischen Präsidentschaftswahl hat begonnen. In manchen Überseegebieten wird wegen der Zeitverschiebung bereits einen Tag früher gewählt. Als erste durften die Bewohner der Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor der kanadischen Küste bereits ihre Stimme abgeben.
  • Der Grossteil der 47 Millionen Wahlberechtigten kann dann am Sonntag abstimmen.
  • Überschattet wird der Urnengang von einer möglichen Terrorgefahr. 50'000 Polizisten und 7000 Soldaten wurden zur Absicherung aufgeboten. Die Wahlen finden erstmals unter den Bedingungen des Ausnahmezustands statt.

Der Ausgang der Präsidentschaftswahl hat für ganz Europa eine erhebliche Bedeutung, denn bei einem Sieg extremer Kandidaten drohen der EU schwere Turbulenzen. In Europa richtet sich das Interesse vor allem auf die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen, die Frankreich aus der Euro-Zone führen will, sowie auf den Linksaussen-Kandidaten Jean-Luc Mélenchon, der ebenfalls heftig Brüssel attackiert und auf den Europafreund Emmanuel Macron.

Das sagt SRF-Korrespondentin Alexandra Gubser zu Wahl

Es ist in erster Linie alles möglich. Das Duo der beiden bisher staatstragenden Parteien aus Sozialisten und Konservativen befindet sich in Auflösung. Vermeintliche Favoriten haben sich selbst demontiert, Aussenseiter starten plötzlich durch. Dieser Wahlkampf hat aber vor allem eines gezeigt: wie abgrundtief der Graben zwischen Politikern und Bürgern ist. Es hat sich ein so genannter «Dégagisme»-Bewegung entwickelt. Flapsig ausgedrückt, besagt das nichts anderes als: Haut ab! Die Bevölkerung möchte die Politiker allesamt in die Wüste schicken. Nach fünf Jahren mit dem «Bling-bling»-Präsidenten Nicolas Sarkozy und weiteren fünf Jahren mit dem allzu normalen Präsidenten François Hollande sind die Probleme der Franzosen unverändert. Das erklärt auch den enormen Wunsch nach einer echten Veränderung. Wie radikal diese ausfallen wird, wird sich zeigen.

In Umfragen für den ersten Wahlgang lag der Ex-Wirtschaftsminister Macron zuletzt knapp vor oder auf Augenhöhe mit Le Pen. Aber auch der Konservative François Fillon und Mélenchon können sich Hoffnungen machen, sich für das Endduell in zwei Wochen zu qualifizieren. Die entscheidende Stichwahl zwischen den beiden stärksten Kandidaten ist am 7. Mai.

Die Wahlen finden erstmals unter der Bedingungen des Ausnahmezustands statt, der nach den Pariser Terrorattacken im November 2015 verhängt worden war. Mehr als 50'000 Polizisten und 7000 Soldaten werden eingesetzt, um Kandidaten und Bürger zu schützen.

Der Wahlkampf-Endspurt wurde von einem Anschlag auf Polizisten in Paris am Donnerstagabend überschattet. Ein 39-Jähriger hatte mit einem Kalaschnikow-Sturmgewehr auf Polizisten geschossen und einen Beamten getötet. Zwei weitere Beamte und eine deutsche Passantin wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte rasch die Bluttat für sich. Mehrere Kandidaten unterbrachen nach dem Anschlag ihren Wahlkampf oder sagten Kundgebungen ab.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    hätte Frankreich ein Konkordanzsystem, wäre es wohl viel stabiler, stärker und linker.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (gerard.d@windowslive.com)
    Der Fall ist klar, Morgen werden sich Macron und Le Pen sich für die Stichwahl durchsetzen, sollte Le Pen nicht auf dem 1. Platz sein, wäre das schon eine schwere Niederlage für den FN. Dann kommt es wie immer, die FN wird die Stichwahl verlieren, wie meistens werden sie im 2 Wahlgang weniger stimmen machen. Diese Künstlich erzeugte Spannung finde ich schon lächerlich und hat wenig mit der Französischen Realität. Die Medien müssen Geld machen, da wird aus allem eine künstliche Spannung erzeugt.
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