Boss von britischem Boulevardblatt schuldig gesprochen

Andy Coulson, ehemaliger Chefredaktor der inzwischen eingestellten Zeitung «News of the World», ist von einem britischen Geschworenengericht verurteilt worden. Er wurde für schuldig befunden, illegal Telefone von Prominenten, Aristokraten und Verbrechensopfern abgehört zu haben.

Andy Coulson, im Anzug, kratzt sich am linken Ohrläppchen.

Bildlegende: Andy Coulson, Ex-Chefredaktor und Ex-Regierungssprecher, droht eine Haftstrafe. Reuters

Nach über 130 Prozesstagen steht fest: Unter der Führung von Chefredaktor Andy Coulson wurden bei der Boulevardzeitung «News of the World» systematisch private Telefonbeantworter abgehört. Über 280 Opfer sind inzwischen bestätigt.

Der damalige britische Oppositionsführer, David Cameron, engagierte Coulson trotzdem als seinen Sprecher – zuerst für die konservative Partei, dann, als er Premierminister wurde, für die Regierung. Dies obwohl damals schon der dringende Verdacht bestand, dass Coulson nicht so ahnungslos war, wie dieser behauptete.

Premierminister Cameron gesteht Fehler ein

Dafür entschuldigte sich Cameron nun öffentlich. Er habe einen Fehler gemacht, sagte er: «Es tut mir extrem Leid, dass ich ihn angestellt habe, es war eine falsche Entscheidung.»

Coulsons Geliebte und Vorgängerin auf dem Posten des Chefredaktors, Rebekkah Brooks, wurde vom Geschworenengericht in London in allen Punkten freigesprochen.

Der Abhörskandal enthüllte äusserst kriminelle Praktiken britischer Journalisten. Freigelegt wurden auch die unappetitlich enge Umarmung des Verlagshauses von Rupert Murdoch durch Politiker sowie Befangenheit und Korruption bei der Polizei. Die unrühmliche Rolle von Scotland Yard in diesem Fall bleibt weitgehend im Dunkeln.