Zum Inhalt springen

International «Boston-Bomber» will Todesurteil kippen

Der zum Tode verurteilte Attentäter vom Bostoner Marathonlauf, Dschochar Zarnajew, bemüht sich um einen neuen Prozess. Zarnajews Anwälte stellten in der US-Ostküstenstadt einen entsprechenden Antrag – eine konkrete Begründung steht noch aus.

Dschochar Zarnajew während seines Prozesses in Boston auf einer Gerichtszeichnung.
Legende: Aus noch unbekannten Gründen möchte Dschochar Zarnajew seinen Fall neu beurteilen lassen. Keystone

Der zum Tode verurteilte Boston-Bomber Dschochar Zarnajew will das Urteil gegen ihn vor Gericht anfechten. Seine Verteidiger reichten entsprechende Unterlagen ein, wie der «Boston Globe» berichtete. Durch das Berufungsverfahren könnte sich der Prozess in Boston noch über Monate oder gar Jahre hinziehen.

Konkrete Gründe für die gewünschte Wiederaufnahme des Verfahrens wurden zunächst nicht genannt. Ein ausführlicher Antrag soll bis Mitte August eingereicht werden.

Schwerster Terroranschlag seit 9/11

Eine Jury am Bundesgericht von Boston hatte Zarnajew Mitte Mai zum Tode verurteilt. Die Geschworenen befanden den 21-Jährigen für schuldig, gemeinsam mit seinem später getöteten Bruder Tamerlan im Zielbereich des Boston-Marathons zwei selbstgebaute Sprengsätze zur Explosion gebracht zu haben.

Drei Menschen wurden beim schwersten Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001 getötet, mehrere der 264 Verletzten verloren Arme oder Beine. Auf der Flucht erschoss das Bruderpaar einen Polizisten.

Am Prozessende reumütig

Bei der offiziellen Verkündung des Todesurteils im vergangenen Monat hatte sich Zarnajew bei den Opfern und Hinterbliebenen entschuldigt. «Ich bereue die Leben, die ich genommen habe, und das Leid und den Schaden, den ich angerichtet habe», sagte der junge Mann.

Die Zarnajew-Brüder stammen aus einer tschetschenischen Familie und waren als Kinder mit ihren Eltern in die Vereinigten Staaten eingewandert. Dschochar Zarnajew ist seit 2012 US-Staatsbürger und studierte an der University of Massachusetts in Dartmouth Meeresbiologie.

Sein älterer Bruder Tamerlan hatte sich dem radikalen Islam zugewandt und soll bei einem Aufenthalt im Kaukasus Anfang 2012 Kontakt zu extremistischen Gruppen gehabt haben. Die Verteidigung hatte argumentiert, dass Dschochar unter dem Einfluss seines Bruders gehandelt habe, konnte damit das Todesurteil aber nicht abwenden.

9 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Wenn schon die Auffassung herrscht,dass der Tod eine Strafe sei,sollen sie ihn halt töten.Wenigstens bei der Wahl der Vollstreckung sollten sie aber menschliche Grösse beweisen.Ein letales Mittel wählen,das ihn"human"in die anderen Gefilde"spediert".Die "Todesspritzen-Schauermärchen"sprechen nicht gerade für Kultiviertheit.Die Vollstreckung müsste zwingend unter"Beobachtung"stattfinden.Würdevoller(für alle)wäre,zwischen einem begleiteten Suizid u.einer Resozialisierungstherapie wählen zu lassen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Es gibt absolut kein Grund, diesem Jihadisten eine neue Gerichtsverhandlung zu gewähren, selbst wenn er am Ende endlich Reue zeigte. Zum Glück haben die USA nicht so eine Weicheier-Justiz wie hier in Westeuropa, wo selbst die schlimmsten Verbrechen inzwischen besser leben als die meisten Durchschnittsbürger.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Zarnajew wird geringe Chancen haben, den Rekurs gegen die Todesstrafe zu gewinnen. US-Politiker, Richter und Staatsanwälte werden an der Härte gegen Kriminelle gemessen und gewählt. Vor allem bei Nichtkapitalverbrechen hat das wenig mit Recht/Gerechtigkeit zu tun. Ausserdem leben in den USA nicht wenige von der Strafverfolgen und zum guten Teil privaten Gefangenenbetreuung. Da ist Menschlichkeit dem Gewinnstreben im Weg. Möglichst viele nicht weisse Gefangene bringen Geld & politische Kontrolle.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen