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Brände in Kalifornien «Ein Feuer ist die reine Willkür, man kann es nicht berechnen»

Seit Tagen wüten in Kalifornien schwere Waldbrände. Ein Erlebnisbericht aus einer gefährdeten Stadt.

Legende: Audio «Es ist wie in einem Albtraum» abspielen. Laufzeit 2:40 Minuten.
2:40 min, aus SRF 4 News aktuell vom 12.10.2017.

SRF News: Wie erleben Sie die Situation in Santa Rosa?

Walter Niederberger: Es sieht sehr schlimm aus, fast gespenstisch, wie in einem Albtraum. Die Häuser in zwei ganzen Stadtteilen sind bis auf die Grundmauern abgebrannt. Wenn man durchfährt, sieht man, dass nur noch Kamine und verkohlte Bäume in den Himmel ragen. Man sieht Autoskelette, wie man sie aus Filmen kennt. Oder aus Kriegen.

Die Feuerwehren löschen nicht in erster Priorität die Feuer. Sie retten die Menschen.

Die Polizei patrouilliert, um Plünderungen zu verhindern. Der Brand hat sprichwörtlich wie eine Bombe eingeschlagen, über Nacht. Die Anwohner schliefen alle und mussten in höchster Not fliehen, während schon brennende Teile, Äste oder Trümmer auf ihr Haus stürzten.

Ist es in anderen Teilen Kaliforniens auch so schlimm?

Santa Rosa ist die grösste Stadt hier in der Umgebung und sie ist am meisten betroffen, aber sie ist bei weitem nicht allein in dieser Katastrophe. Auf rund 500 Quadratkilometern in der Region wüten mehr als 20 Feuer. Sie breiten sich aus. Das Ausmass der Zerstörung ist unklar, denn die Feuerwehren löschen gar nicht in erster Priorität. Sie konzentrieren sich darauf, Leben zu retten, Leute zu evakuieren. Deshalb haben sie noch kein einziges der zerstörten Grundstücke inspizieren können.

Die Feuer suchen jetzt Gegenden heim, die immer als sicher galten.

Was macht diese Feuer so gefährlich?

Es ist die totale Willkür. Im Gegensatz zu Wirbelstürmen kann man Feuer nicht berechnen. Bei den Wirbelstürmen in Florida und Texas konnte man sich vorbereiten, man wusste, sie kommen. Die Leute konnten sich vorbereiten und fliehen. Hier ist das nicht möglich. Die Feuer verbreiten sich schnell und sind völlig unberechenbar. Sie suchen jetzt Gegenden heim, die immer als sicher galten. Deshalb ist die Lage so ungemütlich.

Legende: Der Gouverneur hat den Notstand für die Bezirke Napa, Sonoma und Yuba ausgerufen. srf

Walter Niederberger

Niederberger ist Korrespondent in den USA für den «Tages-Anzeiger». Er lebt in Santa Rosa und berichtet darüber, wie es ist, wenn die eigene Stadt einem Feuer zum Opfer fällt.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli (thkaepp)
    Der Begriff „Willkür“ scheint mir für einen Brand daneben. Dazu braucht es Denkleistung. und Wille. Feuer denkt nicht, es folgt lediglich Naturgesetzen aus Physik und Chemie. Chaotisch wäre zutreffender. Dazu gibt es sogar mathematische Modelle. Wenn jedoch die Parameter lückenhaft bis unbekannt sind, lässt sich nur schwer rechnen. Die Resultate für Betroffene bleiben so oder so verheerend. Hoffentlich funktioniert die Staatshilfe in Kalifornien etwas besser als auf Costa Rica.
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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Schon traurig. Die Amis wollen die Welt beherrschen und geben hunderte von Milliarden für Hightec-Waffen und Spionage aus, bei einem Buschfeuer müssen sie kapitulieren.
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  • Kommentar von Andreas Würtz (Andhrass)
    Vielleicht ein Zeichen an Trump, seine Klinaentscheidungen nochmal zu überdenken...
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    1. Antwort von Thomas Käppeli (thkaepp)
      Andreas Würtz, hoffe ich behalte Unrecht. Aber da dürfen Sie wohl unbesorgt das Gleichnis aus den Evangelien: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, ...“ als das Trump aktuelle klimatische Ereignisse kausal mit dem Klimawandel in Verbindung bringt, anwenden.
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