Brandanschläge verunsichern Schweden

Zwei Brandanschläge auf Moscheen innert einer Woche: In Schweden nimmt die Islamfeindlichheit zu, stellt SRF-Nordeuropa-Mitarbeiter Kaufmann fest. Schweden gehört zu jenen Ländern Europas, die am meisten Flüchtlinge und Migranten aufnehmen.

Blau-weisses Polizei-Absperrband im Vordergrund, im Hintergrund eine Strasse.

Bildlegende: 13 Brandanschläge in einem Jahr: Viele Schweden sind zunehmend verunsichert. Keystone

SRF: Zwei Brandanschläge innert weniger Tage: Wie reagiert die schwedische Öffentlichkeit darauf?

Bruno Kaufmann: Man ist relativ zurückhaltend, weil in keinem der beiden Fälle jemand die Verantwortung für die Taten übernommen hat. Deshalb liegt vieles im Dunkeln. Gleichzeitig ist es so, dass in Schweden seit längerem immer wieder solche Anschläge von Unbekannten verübt werden. Vor allem in Kreisen, die in solche Gebetshäuser gehen, ist deshalb eine Beunruhigung spürbar. Viele wagen nach eigenen Aussagen gar nicht mehr, die muslimischen Gebetshäuser zu besuchen.

In diesem Jahr sind bereits 13 Brandanschläge auf muslimische Gebetsstätten verübt worden, trotzdem hat der schwedische Geheimdienst noch keine konkrete Spur...

Das ist tatsächlich beunruhigend. Die mutmasslichen Attentate werden auf einem Niveau verübt, bei dem kaum jemand zur Verantwortung gezogen werden kann. Es sind relativ leicht zu löschende Anschläge, die nicht darauf hinauslaufen, möglichst viel Schaden anzurichten. Benützt werden dazu kleinere Brandbomben oder mit Benzin gefüllte Flaschen. Die Attentäter versuchen, auf einem niedrigen Niveau die Beunruhigung zu verstärken, ohne dass sie sich zu den Taten öffentlich bekennen.

Vertreter der muslimischen Gemeinden vermuten hinter den Anschlägen islamophobe Motive mit rechtsextremem Hintergrund...

Das ist natürlich naheliegend. Tatsächlich hat bei der Diskussion um diese Themen in Schweden in den letzten Monaten eine Radikalisierung stattgefunden. Dies hängt auch damit zusammen, dass im schwedischen Parlament mit den Schwedendemokraten jetzt eine Partei vertreten ist, welche aus rassistisch-rechtsextremen Kreisen gewachsen ist. Sie hat Berührungspunkte mit dem Extremismus, ohne dass sie sich irgendwie verantwortlich fühlt. So gibt es auch im Internet viele Foren in dieser Richtung. Man merkt in Schweden sehr klar, dass sich ihre Haltung gegenüber der islamischen Bevölkerung, die in den letzten Jahren angewachsen ist, verschärft hat. Dies drückt sich wohl auch in diesen Anschlägen auf muslimische Gebetshäuser aus.

Bruno Kaufmann

Bruno Kaufmann

Bruno Kaufmann lebt in Schweden und berichtet als freier Korrespondent für Radio SRF über die nordischen und baltischen Staaten. Der Politikwissenschaftler forscht ausserdem zu Fragen der modernen Demokratie.

Beliebtes Schweden

Schweden ist für seine tolerante Asylpolitik bekannt. Dies schlägt sich auch in den Asylzahlen nieder: Allein im 2. Quartal 2014 stellten in Schweden fast 19'000 Flüchtlinge ein Asylgesuch. Das sind 1960 Bewerber pro Million Einwohner. Zum Vergleich: In der Schweiz waren es im gleichen Zeitraum knapp 5400 Asylgesuche oder 662 pro Million Einwohner.