Brandanschlag auf Flüchtlingsheim nach rechtsextremen Protesten

In der deutschen Ortschaft Tröglitz protestieren Rechtsextreme seit Wochen gegen ein geplantes Flüchtlingsheim. In der Nacht verwüstete nun ein Feuer die Unterkunft – laut Staatsanwaltschaft Resultat einer «besonders schweren Brandstiftung». Zwei Menschen haben sich unverletzt retten können.

Feuerwehrauto vor angebranntem Haus

Bildlegende: Das vorsätzlich gelegte Feuer brannte den Dachstock des Hauses aus. Keystone

40 Flüchtlinge hätten im Mai in das geplante Asylheim in Tröglitz einziehen sollen. Seit geraumer Zeit sind dagegen immer wieder rechtsextreme Proteste aufgeflammt. Nun wurde hier vorsätzlich Feuer gelegt. Die Staatsanwaltschaft stuft den Vorfall als «besonders schwere Brandstiftung» ein und kann, wie sie sagt, ein politisches Motiv zur Tat nicht ausschliessen.

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Brandanschlag auf Flüchtlingsheim

0:25 min, aus Tagesschau vom 4.4.2015

Das Feuer sei gegen zwei Uhr morgens ausgebrochen, sagte ein Sprecher der Polizei.

Zwei Menschen konnten sich retten

Vor allem das zum Wohnbereich ausgebaute Dachgeschoss sei ausgebrannt, das Gebäude ist nun unbewohnbar. Es ist auch von dem Einsatz eines Brandbeschleunigers die Rede.

Zwei bisherige Bewohner des Hauses konnten sich unverletzt ins Freie retten, weil sie von einem Nachbarn rechtzeitig gewarnt wurden.

Morddrohungen gegen Bürgermeister

Tröglitz ist ein 2700-Bewohner-Ort im Süden Sachsen-Anhalts: kleine Parks, eine Schule, ein Hotel, Arztpraxen. Aber auch alte Fachwerkhäuser und Arbeitersiedlungen aus den 1930er-Jahren. Auf dem Friedhof sind Grabstätten für einstige KZ-Häftlinge, die hier Opfer von Zwangsarbeit wurden.

Seit Wochen ist der kleine Ort in ganz Deutschland in den Schlagzeilen: Hier trat der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth wegen rechtsextremer Anfeindungen und Morddrohungen zurück. Er habe seine Familie nicht gut genug geschützt gesehen. Die Demonstrationen wurden von der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) angeführt.

Bürgermeister in Strasse

Bildlegende: Der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth war bereits vor einigen Wochen wegen Morddrohungen zurückgetreten. Keystone

Schaden im sechsstelligen Bereich

Nierth zeigte sich am Samstagmorgen entsetzt: «Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen.» Er sei fassungslos, traurig und wütend zugleich: «Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten.» Nach ersten Schätzungen liegt der Schaden im sechsstelligen Bereich.

Derweil hat Nierth nach dem Brandanschlag zu einer Aktion aufgerufen, rund 300 Menschen trafen sich am Samstag zu einer spontanen Demonstration. Redner aus Politik, örtlichen Vereinen und den Kirchen warben für ein Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung.