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International Brandanschlag bei Papst-Besuch

Grosse Gesten der Versöhnung stehen im Zentrum des Papst-Besuchs im Heiligen Land. Mit Besuchen auf dem Tempelberg und an der Klagemauer erweist Franziskus anderen Weltreligionen seinen Respekt. Kurz vor Ende der Papst-Visite kam es zu einem Brandanschlag auf eine katholische Kirche in Jerusalem.

Legende: Video «Der Papst zwischen Juden und Moslems» abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.05.2014.

Papst Franziskus hat am letzten Tag seiner Reise ins Heilige Land die heiligen Stätten der Muslime und Juden in Jerusalem besucht. Der Pontifex betete an der Klagemauer. «Ich bin gekommen, um zu beten, und habe den Herrn um die Gnade des Friedens gebeten», schrieb er ins Ehrenbuch, nachdem er an der heute heiligsten Stätte für Juden gebeten hatte.

Kranz für Begründer des Zionismus

Der Papst verharrte an der Klagemauer in stiller Einkehr und steckte einen Zettel in eine der Ritzen zwischen den Quadern. Für Juden ist dies ein Ort, der ihren historischen Anspruch auf das Land repräsentiert.

Anschliessend legte Franziskus als erster Papst einen Kranz am Grab von Theodor Herzl nieder. Er wurde beim Besuch vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dem Staatspräsidenten Schimon Peres begleitet. Auf Bitte Netanjahus wich der Argentinier von seinem Besuchsprogramm ab und besichtigte auch ein Denkmal für israelische Terroropfer.

Herzl ist der Begründer des modernen Zionismus und damit ein Symbol für die Rückkehr der Juden nach Israel. In palästinensischen Kreisen war diese Geste auf Kritik gestossen.

Wer bist du, o Mensch, wer bist du geworden? Zu welchem Gräuel bist du fähig gewesen?
Autor: PapstAuszug aus der Rede beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte

Später folgte ein Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Der Papst bezeichnete den Holocaust in einer kurzen Ansprache als eine «unermessliche Tragödie». «Vielleicht konnte nicht einmal der Vater (Gott) sich einen solchen Fall, einen solchen Abgrund vorstellen», sagte das Oberhaupt der Katholiken. «Wer bist du, o Mensch, wer bist du geworden? Zu welchem Gräuel bist du fähig gewesen? Was hat dich so tief fallen lassen?», sagte Franziskus.

Papst Franziskus wurde bei seinem Besuch begleitet vom israelischen Präsidenten Schimon Peres und Regierungschef Benjamin Netanjahu.

Treffen mit umstrittenem Grossmufti

Der Papst hat sich aber nicht nur israelische Stätten angesehen, sondern auch muslimische. So besuchte er etwa den Felsendom und die Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg – zwei der wichtigsten islamischen Heiligtümer.

Zuvor hatte der Papst den wegen Aufrufen zur Gewalt umstrittenen Grossmufti von Jerusalem getroffen, was in Israel missfiel. Der Pontifex nutzte den Besuch für einen Appell. Er warnte bei dem Treffen mit Mufti Mohamed Hussein vor religiös motivierter Gewalt. «Niemand gebrauche den Namen Gottes als Rechtfertigung für Gewalt!», sagte der Pontifex bei einer kurzen Ansprache auf dem Tempelberg in Jerusalem.

Angebot für Friedensgespräch

Der sunnitische Grossmufti hatte sich vor gut zwei Jahren harsche Kritik Israels und der Europäischen Union zugezogen, als er einen religiösen Text zitierte, in dem zur Tötung von Juden aufgerufen wird. Der Grossmufti ist für alle heiligen muslimischen Stätten in Jerusalem einschliesslich der Al-Aksa-Moschee auf dem auch Juden heiligen Tempelberg verantwortlich.

Zum Abschluss seiner knapp dreitägigen Pilgereise ins Heilige Land feierte der Papst eine Messe im Abendmahlsaal in Jerusalem.

Im kommenden Monat will Papst Franziskus im Vatikan ein israelisch-palästinensisches Friedenstreffen ausrichten. Die überraschende Einladung sprach der Pontifex am Sonntag aus. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und Israels Staatspräsident Schimon Peres signalisierten ihre Zustimmung.

Anschlag bei Papst-Besuch

Kurz vor Ende des Papst-Besuchs in Jerusalem ist auf dem Zionsberg ein Anschlag auf eine katholische Kirche verübt worden. Ein nicht-jüdischer Mann hatte die Abtei betreten und mit einer Kerze ein Buch angezündet. Er soll auch Holzkreuze sowie Mobiliar in Brand gesetzt haben. Kurz zuvor hatte der Papst wenige Meter entfernt eine Messe zelebriert.

Umstrittener Ort in Jerusalem

Der Tempelberg gehört zu den heiligsten Stätten der Juden und Muslime. Letztere verehren den Hügel als Haram el-Scharif (Edles Heiligtum). Der Felsendom steht nach islamischer Überlieferung an der Stelle, von der Prophet Mohammed in den Himmel ritt. Nach jüdischem Glauben standen auf dem Tempelberg zwei später zerstörte jüdische Tempel.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Wie alle anderen jüdischen und andersgläubige, sowie Touristen hat auch Franziskus einen Zettel in die Mauerritze gesteckt. Es ist ein altes Brauchtum, dass man ein Gebets, einen Gedanken oder gute Wünsche in der Mauer deponiert. Ein tiefsinniges Mitfühlen mit den Juden, deren Vorfahren im 2. Weltkrieg grausam zu Tode gequält wurden. Umverständlich ist anderseits, dass im Nahostkonflikt die Linke Politik auf der Seite der Moslems steht und die Juden immer als Schuldige verurteilt.
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    1. Antwort von Otto Würz, Winterthur
      @Marlene Zelger: Juden und Araber lebten Jahrhunderte lang friedlich zusammen in der Region. Erst mit Beginn der jüdischen Masseneinwanderungen ab Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Grundstein des Nahostkonfliktes gelegt. Es strömten fremde Menschen in das Land, die keine Verbindung hatten zu dieser Region, und verdrängten zunehmend aggressiv die ansässige arabische Bevölkerung. - Auch wenn beide Seiten Fehler gemacht haben, so steht für mich doch klar fest, von wem das Unrecht ausging.
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    2. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Israel besitzt Atomwaffen (keiner weiss wieviele, da keine Kontrollen erlaubt) und die modernste Kriegstechnik, während die Palästinenser ein paar verrostete AKs und Mörser besitzen. Und nur weil einige Palästinenser damit Israel bombardieren, gibt das Israel noch lange nichts das Recht ein ganzes Volk zu unterdrücken. Die grosse Mehrheit der Palästinenser wollen doch auch nur in Frieden und Freiheit leben!! Schonmal an Familien und deren Kinder gedacht, die nichts mit Gewalt zu tun haben???
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Die "Masseneinwanderung" nach Israel hatte im 2. W.K seinen Anfang. In Europa verfolgte Juden haben die dort seit Jahren ansässigen Muslime vertrieben. Also ganz schuldlos sind die Juden nicht. Aber das Problem bei beiden Religionen ist, dass beide auf sich den Rechtsanspruch auf dieses gelobte Land erheben, statt sich gegenseitig zu respektieren. Der Papst hat gezeigt, dass es geht. Aber traurige Tatsache ist eben auch, dass es die grössten Konflikte immer durch Religionen gibt.
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    4. Antwort von Jens Brügger, Schaffhausen
      Aber wenn es keine Religionen geben würde, hätte der Mensch schön längst andere Gründe gefunden, sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Traurig aber wahr.
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