Brüsseler Flughafen häufig Ziel von Dieben

Der spektakuläre Überfall von Diamantenräubern hat eine Debatte vom Zaun gebrochen: Wie sicher ist der Brüsseler Flughafen? Der Vorfall ist nur einer von vielen am Flughafen, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt.

Am Dienstagmorgen haben acht schwer bewaffnete Männer eine Maschine von Helvetic Airways auf dem Flughafen in Brüssel überfallen. Ihre fette Beute: Diamanten im Wert von vermutlich 50 Millionen Dollar. Die Täter sind flüchtig.

« Wir stellen uns wirklich ernste Fragen »

Die Diamantenbranche sorgt sich nun um die Sicherheit ihrer wertvollen Güter. «Jeden Tag werden Wertgegenstände ins Ausland gesendet», sagt die Sprecherin des Antwerpener Weltzentrums für Diamanten (AWDC). «Was uns bewegt, ist die Tatsache, dass ein Auto so leicht auf das Rollfeld des Flughafens gelangen konnte. Da stellen wir uns wirklich ernste Fragen.»

Rostige Kette um Schloss bei Gittertor

Bildlegende: Das Tor um den Flughafen ist mit einer Kette gesichert – im Zaun nebenan prangt ein Loch des gestrigen Überfalls. Keystone

Gewerkschaften bemängeln schon seit Längerem, der Flughafen in Brüssel sei zu wenig gut gewappnet.

Gibt es tatsächlich Lücken im Sicherheitsnetz des Flughafens? Nein, sagt ein Flughafen-Sprecher. «Wir befolgen die strengsten Sicherheitsstandards.»

Reagierte Flughafen rasch genug?

Anders sieht dies der britische Flugsicherheitsexperte Philip Baum. Ihm bereitet der Überfall auf die Helvetic Airways grosse Sorgen. Nicht weil die Täter den Zaun um das Gelände durchbrechen konnten. Sondern weil die Reaktion des Sicherheits-Dispositiv auf dem Flughafen nicht rasch genug erfolgte.

Dies werfe die Frage auf, ob an der richtigen Stelle alarmiert worden sei. «Es beunruhigt mich, dass jemand die Zeit hat, mit zwei Fahrzeugen auf das Rollfeld zu fahren, den Raub auszuführen und wieder wegzufahren, ohne dass er gestoppt wird», sagte der Fachmann zu britischen Medien.

Der Vorfall vom Dienstag reiht sich in die Geschichte zahlreicher Überfälle auf dem Flughafen Zaventem in Brüssel ein, von denen belgische Medien berichten: 2005 werden Diamanten des Kuriers FedEx vom Frachtgelände des Flughafens entwendet.

Auch Swiss-Maschine war Opfer

2002 erbeuten Flughafenangestellte Edelsteine im Wert von 1,5 Millionen Euro. Die fünf Männer fischen die Steine während ihrer Arbeit aus den Postsäcken, bevor sie diese verluden.

Geld und Wertpapiere sollen 2001 aus einem gepanzerten Geldtransportfahrzeug entwendet werden – der Versuch scheitert. 18 Monate zuvor klauen Diebe Diamanten aus einem Flugzeug der Lufthansa.

Auch ein Swiss-Flugzeug zählt zu den Opfern: 1995 werden mehrere Geldsäcke aus einer startbereiten Maschine entwendet. Die Täter sollen bei der belgischen Fluggesellschaft Sabena angestellt gewesen sein.

1982 überfallen zwei Männer in Polizeiuniform einen Sicherheitsbeamten und stehlen Gold und Juwelen. Der Körper des Sicherheitsbeamten wurde nie gefunden.

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Dreister Diamantenraub

4:09 min, aus 10vor10 vom 19.2.2013