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Gewalt gegen Muslime in Burma Brutalität gegen Rohingya hält unvermindert an

Die Berichte über Massaker an der muslimischen Minderheit überschlagen sich. Warum schweigt Aung San Suu Kyi?

Legende: Audio «Das grosse Schweigen zur Vertreibung der Rohingya» abspielen. Laufzeit 4:16 Minuten.
4:16 min, aus SRF 4 News aktuell vom 15.03.2017.

Die UNO-Sonderberichterstatterin wirft der Regierung Burmas vor, sie versuche gezielt, die Menschen der muslimischen Minderheit der Rohingya zu vertreiben. Von systematischen Vergewaltigungen, Prügel und Tötungen ist in einem Bericht die Rede. Menschenrechtsaktivisten sprechen von einem «schleichenden Völkermord». Einschätzungen von SRF-Südostasien-Korrespondentin Karin Wenger.

SRF News: Warum hat sich die Lage dieser Bevölkerungsgruppe in den letzten Monaten derart verschlechtert?

Karin Wenger: Es begann mit einem Überfall auf drei Polizeiposten in Burma an der Grenze zu Bangladesch im vergangenen Oktober. Die Angreifer waren Rohingya und töteten neun Polizisten. Darauf riegelte die Armee Teile des Gliedtstaats Rakhine ab, wo die meisten Mitglieder dieser Volksgruppe leben.

Laut UNO flohen seither Zehntausende von Rohingya vor der Gewalt nach Bangladesch. Hilfsorganisationen und Journalisten ist das Konfliktgebiet versperrt, sodass Informationen schwierig sind. Doch die UNO-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage in Myanmar, Yanghee Lee, traf geflohene Rohingya in Bangladesch. Sie erzählen, wie Soldaten Kehlen durchschneiden und Häuser mit gefesselten Menschen anstecken. Auch von Massentötungen und Vergewaltigungen durch die Armee berichten Geflohene.

Sie erzählen, wie Soldaten Kehlen durchschneiden und Häuser mit gefesselten Menschen anstecken.

Seit anderthalb Jahren ist in Burma Aung San Suu Kyi an der Macht und die Hoffnungen für die Menschenrechte waren gross. Wieso unternimmt sie nichts?

Aung San Suu Kyi steht unter enormen politischen Zwängen. Muslime sind keine wichtige Wählerbasis im vorwiegend buddhistischen Burma. Die Rohingya sind zudem in grossen Teilen der Bevölkerung verhasst. Aung San Suu Kyis Schweigen illustriert ihren begrenzten Handlungsspielraum in einem Land, wo die Armee bis heute wichtige Ministerien unter ihrer Kontrolle hält. Die Armee kann somit nach Belieben in Rakhine wüten. Auch im Gliedstaat Kachin und Shan-Staat eskaliert die Lage zusehends.

Muslime sind keine wichtige Wählerbasis im vorwiegend buddhistischen Burma.

Die burmesische Regierung weist die Vorwürfe zurück und will nach eigenen Angaben das Problem selber lösen. Wieso schaut die internationale Gemeinschaft nur zu?

Es scheint so, als ob sich viele westliche Länder schwer damit tun, die Nobelpreisträgerin für Menschenrechte und grosse Hoffnungsträgerin Aung San Suu Kyi zu kritisieren. Der Westen hatte völlig übertrieben Erwartungen, als sie vor anderthalb Jahren gewählt wurde. Es gibt aber auch handfeste Eigeninteressen des Westens, darunter die wirtschaftliche Öffnung dieses jungfräulichen Marktes.

Nun stellt sich heraus, dass auch Aung San Suu Kyi vor allem eine Politikerin ist, die unter politischen Zwängen steht und vieles im Argen lässt. Es wurden in den letzten Monaten auch kritische Journalisten und Anwälte ins Gefängnis gesteckt, ausgewiesen oder umgebracht. Es scheint wirklich so, als ob die westlichen Länder noch eine klare Haltung gegenüber Aung San Suu Kyi finden müssen – um sie zu kritisieren und an ihre Versprechungen zu erinnern, ohne ihre Regierung zu stark zu destabilisieren.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.

Karin Wenger

Karin Wenger

Karin Wenger ist seit Frühling 2016 Südostasien-Korrespondentin von SRF in Bangkok. Sie berichtet über Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Burma, Vietnam und weitere südostasiatische Länder. Wenger lebte zuvor sechs Jahre lang in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Früher berichtete sie als freie Journalistin aus dem Nahen Osten.

22 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Die Situation in dem burmesischen Staat Rakhine, in der viele Rohingya in heruntergekommenen Camps leben müssen, ist seit Oktober vergangenen Jahres sehr angespannt. Die Gewaltverbrechen des burmesischen Militärs an den Rohingya sorgen für Entsetzen. Dabei ist schon seit Jahren ein versteckter Genozid an der muslimischen Minderheit im Gange. Tatsächlich sind die Rohingya schon seit Jahren massiv bedroht - von Hunger, Infekten und Hygienemangel. Mehr Menschenwürde wäre angebracht.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    2) Extremistische Gruppe sind z. B. Rohingya Independence Force oder Rohingya Patriotic Front Al-Harat-Al Islamia. In Myanmar bekommen die muslimischen Rohingya entsprechende Gegenwehr und drücken sich daher in die Opferrolle. Man spürt auch in hiesigen Medien geradezu eine Begeisterung endlich wieder Muslime als Opfer zeigen zu können, und was das Beste ist, Buddhisten als Täter. Wobei diese sich allerdings nicht auf Buddha berufen und die Messer schwingen sonder sich angemessen wehren.
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    1. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Da bin ich mit Ihnen einig. Die Rohingya sind eingewanderte muslimische Bengalen und forden jetzt ein eigenes, unabhängiges Land. Man stelle sich das in der Schweiz mit eingewanderte Nationalitäten vor, das würde man sich auch nicht bieten lassen. Und die Rohingya sind auch nicht nur Opfer, sondern verfolgen in ihren bewohnten Gebiet die Buddhisten so wie Sie bereits erwähnten.
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    2. Antwort von Tamer Aboalenin (Tamer)
      @zombie1969, alles as Sie hier erwähnen sind Erfindungen. Ihr Hass gegenüber Muslime soll nicht dazu führen falsche Informationen zu vorbereiten. NICHTS rechtfertigt Kriegsverbrecher gegen unschuldige Personen egal welche Hautfarbe; Religion oder Ethnie.
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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    1) Die muslimischen Rohingya sind nicht eine friedliche Gruppe wie die Jesiden im Irak, die nur weil sie Fanatikern nicht passen, terrorisiert werden. Schon seit Jahrzehnten gibt es islamistische Gruppen unter ihnen, die Burmesen/Buddhisten immer wieder köpfen und lebendig verbrennen. Von Bangladesch her kommt permanenter Zustrom von illegalen Migranten nach Myanmar. Das schafft enorme Spannungen. In Bangladesch weiderum wird die buddhistische Minderheit terrorisiert und Tempel niedergebrannt.
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