Zum Inhalt springen

Folter-Verdacht gegen Sonko Bundesstrafgericht verlängert U-Haft gegen gambischen Ex-Minister

Sonko ist in der Schweiz in Haft.
Legende: Sonko ist in der Schweiz in Haft. SRF
  • Ousman Sonko wollte vor Bundesstrafgericht seine Freilassung erwirken. Doch auch der zweite Rekurs wurde abgelehnt. Die Untersuchungshaft wurde bis zum 25. Juli verlängert.
  • Gegen Sonko besteht der dringende Tatverdacht von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
  • Der ehemalige Innenminister von Gambia ist seit dem 28. Januar in der Schweiz in Haft.
  • Sonko hat im November letzten Jahres ein Asylgesuch gestellt.
Legende: Video Der Fall Sonko abspielen. Laufzeit 02:18 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.01.2017.

Bereits am 24. Februar hatte das Bundesstrafgericht die befristete Untersuchungshaft bis Ende Mai verlängert. Später hatte die Vorinstanz die Untersuchungshaft erneut verlängert, bis zum 25. Juli. Die Richter in Lausanne haben nun Sonkos Beschwerde gegen eine erneute Verlängerung abgelehnt. Nach dem Bundesstrafgericht bestehe eine Flucht- und Kollusionsgefahr.

Dringender Tatverdacht

Das aktuelle Urteil gibt Einblick in den Stand der Ermittlungen. Es liegen Berichte der UN-Sonderberichterstatter über Folter und über willkürliche Hinrichtungen vor.

Neu hinzugekommen sind jetzt Aussagen eines ehemaligen Offiziers der gambischen Armee, der schildert wie er gefoltert worden ist. Die Folterungen erfolgten auf Anweisung der Gefängnisdirektion, die ihrerseits auf Befehl des Innenministers handelte. Sonkos Innenministerium trug die Verantwortung über den Strafvollzug in Gambia – das belegt auch eine Verordnung, die die Bundesanwaltschaft zu den Beweisstücken gelegt hat.

Legende: Video Folter-Kommandant Sonko: Gambia will ihn zurück abspielen. Laufzeit 13:25 Minuten.
Aus Rundschau vom 22.02.2017.

Sonko erklärte dagegen, dass Folter in Gambia keine systematische Praxis gewesen sei. Das sei jedoch nicht glaubhaft, schreibt das Gericht. Gemäss UNO-Folterbericht sei davon auszugehen, dass die Polizei in einigen Fällen selbst gefoltert habe. Es bestehe der dringende Tatverdacht von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

So könnte dieser erst 2011 in der Schweiz eingeführte Straftatbestand zum ersten Mal angewandt werden. Darum bedeutet der Fall Neuland für die Schweizer Justiz.

Die neue gambische Regierung hat erklärt, sie möchte Sonko in seinem Heimatland vor Gericht bringen. Sollte eine Auslieferung nach Gambia nicht möglich sein, so solle die Schweiz den ehemaligen Innenminister einem internationalen Gerichtshof überstellen. Ein Auslieferungsgesuch aus Gambia ist beim Bundesamt für Justiz (BJ) nach wie vor nicht eingegangen, wie es bei der Medienstelle des Bundesamtes für Justiz auf Anfrage hiess.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Straftaten die ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind, gehören nach Den Haag. Er hat zwar hier versucht Asylantrag zu stellen und die Schweiz darf ihn dafür im Gefängnis beherbergen. Schuld daran könnte auch die gestellte Genehmigung für die Einreise in den Schengenraum sein, die er nochmals benutzt hat und die durch eine Schweizer Botschaft? ausgestellt wurde. Schweden bezog sich ja darauf.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Margot Helmers (Margot Helmers)
    Hätte man sich an betehende Gesetze gehalten, hätte man diese Problem nicht! Ousman Sonko hatte vorher ein Asylgesuch in Schweden gestellt, es wurde innerhalb 6 Wochen abgelehnt. Dann reist er in die Schweiz ein und stellte ein weiteres Asylgesuch. Und jetzt liegt das heisse Eisen in der Schweiz! Bravo. Der gehört sofort nach Den Haag überstellt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen