Burundis Hauptstadt ist lahmgelegt

In Burundis Hauptstadt Bujumbura haben mehrere Explosionen und Gewehrfeuer das Leben praktisch zum Stillstand gebracht. Rebellen greifen Militäreinrichtungen in mehreren Stadtteilen an. Vie Menschen wagen sich nicht mehr zur Arbeit oder in die Schule. Soldaten blockieren mehrere Strassen.

Bei Angriffen auf zwei Militärstützpunkte in Burundi sind laut Armeekreisen dutzende Menschen getötet worden. Die Angriffe ereigneten sich im Morgengrauen nördlich und südlich der Hauptstadt Bujumbura, wie ein hochrangiger Offizier der Nachrichtenagentur AFP sagte.

Personen auf der Flucht.

Bildlegende: Die Unruhen in Burundi führten zu immensen Flüchtlingsströmen. Mehr als 200'000 Burundier flüchteten ausser Landes. Keystone / Archiv

Die Armee habe die «schwer bewaffneten Männer» im Süden nach mehr als zweistündigen Gefechten zurückschlagen können, im Norden seien alle Angreifer getötet worden. Es gebe dutzende Tote unter den Angreifern, doch auch die Armee habe «Verluste» erlitten. Augenzeugen bestätigten die Angriffe.

Es waren die schwersten Gefechte in dem ostafrikanischen Krisenstaat Burundi seit einem gescheiterten Putsch im Mai. Damals hatte Staatschef Pierre Nkurunziza angekündigt, für ein drittes Mandat antreten zu wollen. Die Regierung geht seitdem mit Gewalt gegen Proteste der Opposition vor.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden bereits mindestens 240 Menschen getötet, mehr als 200'000 Burundier flüchteten ausser Landes.

Regierungsgegner verantwortlich gemacht

Ein Regierungssprecher machte für die Angriffe am Freitag die Regierungsgegner verantwortlich, wie er im Kurzbotschaftendienst Twitter schrieb. Der im Exil lebende Protestführer Pacifique Nininahazwe sagte, mindestens zwei Militärstützpunkte seien angegriffen und Waffen erbeutet worden. Ausserdem hätten sich «Soldaten den Rebellen angeschlossen».

Feuergefechte waren auch am Morgen noch in verschiedenen Stadtvierteln von Bujumbura zu hören. Die Strassen waren wie leergefegt, obwohl um diese Uhrzeit normalerweise viele Menschen zur Arbeit gehen. Die UNO und mehrere ausländische Botschaften forderten ihre Mitarbeiter auf, zu Hause zu bleiben und sich einzuschliessen.

Sicherheitsrat für mehr Präsenz

Der UNO-Sicherheitsrat hatte sich erst kürzlich für eine verstärkte «Präsenz» der UNO in dem Land ausgesprochen, um eine weitere Eskalation der Gewalt zu verhindern. Länder wie Grossbritannien warnten vor einem Genozid wie im Nachbarland Ruanda 1994. Damals waren auf Veranlassung der damaligen Hutu-Regierung etwa 800'000 ruandische Tutsi und gemässigte Hutu getötet worden.

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte dem UNO-Sicherheitsrat Anfang Dezember drei Vorschläge gemacht, darunter die Entsendung von UNO-Blauhelmsoldaten nach Burundi zur Friedenssicherung.

In einem Brief an den Rat empfahl Ban allerdings, im Moment nur ein «Unterstützungsteam» nach Burundi zu entsenden, das einen politischen Dialog zwischen der Regierung und der Opposition voranbringen soll. Die Gewalt in dem Land habe «alarmierende Ausmasse» erreicht, die Aufnahme eines politischen Dialogs müsse daher «absolute Priorität» haben.