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International Cameron betreibt mit Juncker-Opposition Wahlkampf

David Cameron kann EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker nicht verhindern. Nach der schallenden Ohrfeige steht Grossbritannien in der EU noch isolierter da als zuvor. Doch der Premierminister konnte innenpolitisch punkten.

Legende: Video Camerons erfolgloser Kampf gegen Juncker abspielen. Laufzeit 1:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 28.06.2014.

«David Cameron – der einsamste Mensch Europas». So bezeichnete eine Zeitung den britischen Premier. Störrisch bis zum bitteren Ende kämpfte er gegen Jean-Claude Juncker als neuen Kommissionspräsidenten. Das brachte ihm in Grossbritannien viel Sympathie ein – mancherorts wird er gar als Held gefeiert.

Cameron gibt sich nach dem Kampf nicht geschlagen: «Wer Veränderungen will, gibt nicht einfach auf, nur weil er eine Wahl verliert. Die Menschen brauchen Politiker, die für Veränderungen kämpfen, ungeachtet aller Hindernisse und Frustrationen.»

Droht gar der EU-Austritt?

Der Machtpoker um Jean-Claude Juncker hat Grossbritannien in Brüssel isoliert. Camerons Niederlage mit wehenden Fahnen sei deshalb ein weiterer Schritt Richtung Austritt aus der EU, titeln heute die Zeitungen.

Der Premier ist sich der Gefahr bewusst. «Ich will, dass die Briten über eine reformierte EU abstimmen können, und ich bin für den Verbleib in einer solchen EU. Aber dieser Job ist nicht einfacher geworden.»

Ein drohender EU-Austritt, so der Wirtschafts-Lobbyist Robert Oxley, könnte Londons Position in Brüssel aber auch stärken: «Um die EU-Reformen durchzubringen, muss man eine starke Verhandlungsposition haben. Und die beste Verhandlungsposition wäre unserer Meinung nach ein Referendum. Vor diesem Hintergrund würden 2017 in Brüssel wohl einige Entscheidungen zu unseren Gunsten ausfallen.»

Cameron punktet bei der Rechten

Innenpolitisch hat Cameron mit seiner Juncker-Opposition punkten können – vor allem bei EU-Skeptikern im rechten Lager. Auf deren Hilfe ist er auch angewiesen, wenn er 2015 die Wahl wieder gewinnen will. Und kämpferische Tönen in Brüssel gehören zum Wahlkampf-Repertoire britischer Premiers – das wusste schon Margaret Thatcher.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Weißenstadt
    Wenn man mit der Personalia Juncker Wahlkampf in Großbritannien machen kann, so muss das Vereinigte Königreich und der Premier seiner Majestät ziemlich abgehalftert sein. Ein Austritt Großbritanniens aus der EU wäre zu respektieren. Gibt wohl auch welche außerhalb des UK, die dann drei Kreuzzeichen machen würden.Wäre auch interessant zu sehen, wie es dort ohne die EU weiterginge.
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Aus welchem politischen Kalkül auch immer Cameron so gehandelt hat: Alle Achtung. Sollte unseren Bundesräten ein Lehrbeispiel sein. Man knickt nicht einfach vor der EU ein, schon gar nicht wenn man nicht Mitglied ist in diesem Verein ist. Und wenn die Briten dann tatsächlich aussteigen (was ich hoffe), dann geht's aber so richtig rund.
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  • Kommentar von Wilfried Krömler, 8600 Dübendorf
    Junker ist bilateraler als Cameron wie wir Schweize auch Bilateral sind weil wir somit gar nicht in die EU gehen wollen - chade nur dass wir die Abstimmung vom Februar uns Probleme aufgelegt haben wegen dem nicht geau verstehen und das wir probleme draus haben wegen der Gefärdung der Bilateralen Zustimmung ich bin CVP - die Mitte Fair!! Selbstandig bleiben!
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    1. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Es ist schon traurig. Da erzählen uns die Medien, die Politiker + Wirtschaftsverbände hunderttausendfach von der "Erfolgsgeschichte" Bilaterale + dass diese ja nicht gefährdet werden dürfen + Hans und Heiri plappern diesen Sermon unbesehen nach. Dabei kann mir keiner auch nur 5 gute Gründe nennen, ausser er bemüht nachweislich falsche Zahlen. Es gibt aber nachweislich mindestens 50 gute Gründe gegen die heilige Kuh Bilaterale.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Weißenstadt
      @Christmann: Sie stellen die Behauptung auf, dass Ihre Medien, Politiker und ausgerechnet noch die Wirtschaftslobbyisten Ihnen was über die EU erzählen, was in Wirklichkeit gegen ihre eigenen Interessen gerichtet ist. Da muss man schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um Ihnen das abzunehmen. Oder ist das womöglich SVP-Propaganda wider besseres Wissen für die ganz Einschichtigen ?
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    3. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Marcel Chauvet: Fakten bitte, nicht immer dieselben abgedroschenen Phrasen. Sie haben die Gelegenheit mir 5 gute Gründe zu nennen. Tun sie es, ansonsten deklarieren sie ihren Kommentar ganz klar als ihre Meinung und nichts anderes.
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