«Charlie Hebdo»: Frankreich weiterhin in Alarmbereitschaft

Die Grossfahndung nach den flüchtigen Attentätern läuft mit Zehntausenden Beamten weiter auf Hochtouren – bisher aber erfolglos. Ein neuer Mord in Paris und der Fund von Molotow-Cocktails schürten unterdessen die Furcht vor weiterem Terror.

Video «Grossfahndung nach den Tätern» abspielen

Grossfahndung nach den Tätern

1:42 min, aus Tagesschau vom 8.1.2015

Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» hat die Grossfahndung nach den beiden islamistischen Terrorverdächtigen und ein weiterer Polizistenmord Frankreich in Atem gehalten. Die Regierung mobilisierte daraufhin landesweit 88'000 Einsatzkräfte, um die Attentäter zu fassen und weitere Terrorakte zu unterbinden.

Die Polizei verfolgt vor allem eine heisse Spur in Nordfrankreich, doch die verdächtigen Brüder Chérif (32) und Said Kouachi (34) blieben auch weit über 30 Stunden nach dem Terrorakt mit zwölf Toten flüchtig.

Nach dem Fund von Molotow-Cocktails und einer islamistischen Flagge in einem Fluchtauto in Paris gehen die Ermittler davon aus, dass das Duo weitere Anschläge geplant hatte. Die Polizei nahm neun Personen aus dem Umfeld der Terroristen in Gewahrsam, wie Innenminister Bernard Cazeneuve am Abend bekannt gab.

Anti-Terror-Gipfel in Paris

Für neue Terrorangst sorgte am Morgen eine Schiesserei im Süden von Paris. Dabei tötete ein Unbekannter eine Polizistin und verletzte einen weiteren Polizisten. Cazeneuve stellte klar, es gebe keinen erkennbaren Zusammenhang zum Anschlag auf «Charlie Hebdo».

Er warnte dennoch, die derzeitige Risikolage könne zu weiteren Gewalttaten führen. Am Sonntag wollen sich führende Politiker der EU und USA zu Anti-Terror-Gesprächen in Paris treffen.

Täter wurden überwacht

In ganz Frankreich gab es am Tag der nationalen Trauer eine Schweigeminute für die Opfer. Tausende hielten Plakate mit dem Schriftzug «Je suis Charlie» (Ich bin Charlie). Staatspräsident François Hollande forderte die Franzosen auf, in dieser schweren Zeit zusammenzustehen.

Der 32-jährige Islamist Chérif wurde laut Innenminister wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Cazeneuve erklärte weiter, Chérif sei gerade noch daran gehindert worden, als Gotteskrieger über Syrien in den Irak zu reisen. Sein Bruder Said sei von Zeugen auf Fotos als Attentäter erkannt worden, sagte der Minister.


Wie gross ist die Terrorgefahr in Europa?

4:50 min, aus SRF 4 News aktuell vom 09.01.2015

Die beiden Männer stammen aus Paris und haben die französische Staatsbürgerschaft. Sie waren nach Angaben von Cazeneuve überwacht worden. Dabei habe es allerdings keinerlei Hinweise auf geplante Terrorakte gegeben.

Ihr mutmassliche Komplize, Schwager Hamid Mourad (18) hatte sich am Mittwoch nahe der belgischen Grenze der Polizei gestellt. Der Schwager der Brüder beteuerte aber seine Unschuld.

Erneut Tausende Pariser auf den Strassen

Die Polizei fand in Nordfrankreich das Fluchtauto der mutmasslichen Attentäter, wie es in Medienberichten hiess. Ein Tankstellenbesitzer nahe Villers-Cotterêts habe die maskierten und bewaffneten Männer eindeutig erkannt.

Die Polizei durchsuche die Gegend, in der die beiden Flüchtigen ein weiteres Fluchtauto stehengelassen hätten. Die bereits für den Grossraum Paris geltende oberste Alarmstufe wurde auf die Region ausgeweitet.

Am Abend gingen in der französischen Haupstadt wieder Tausende Menschen auf die Strasse. Sie versammelten sich auf dem riesigen Platz der Republik – nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt – zum stummen Protest.

Sämtliche Geschehnisse des Tages können Sie noch einmal in unserem Liveticker nachlesen.