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International Chávez-Kandidat Maduro gewinnt Wahl – Opposition wehrt sich

In Venezuela hat Interimspräsident Nicolás Maduro die Wahl für das Präsidentenamt gewonnen, wenn auch nur hauchdünn. Oppositionsführer Capriles und sein Lager legten mögliche Manipulationen der Gegenseite nahe.

Maduro reckt die Faust in die Luft. Er trägt eine Trainerjacke in den Nationalfarben Venezuelas.
Legende: Maduro gewinnt die Wahl in Venezuela mit einem Hauch Vorsprung auf seinen Konkurrenten. Reuters

Auch ohne «Übervater» Hugo Chávez bleibt Venezuela auf sozialistischem Kurs. Das Volk wählte Interimspräsident Nicolás Maduro zum Staatschef, wenn auch nur mit knapper Mehrheit. Die Opposition erlitt derweil ihre dritte Wahlschlappe in sechs Monaten. Ihr Kandidat Henrique Capriles Radonski konnte jedoch deutlich zulegen.

Nach Angaben der Wahlbehörde CNE kam Maduro nach Auszählung von über 99 Prozent der Stimmen auf 50,66 Prozent. Für Capriles stimmten 49,07 Prozent. Capriles war bei der Wahl im Oktober 2012 gegen Chávez bereits auf starke 44 Prozent gekommen, hatte sich aber dem damaligen Amtsinhaber mit 55 Prozent geschlagen geben müssen.

Die Leiterin der Wahlbehörde, Tibisay Lucena, verkündete den Wahlausgang auf einer Pressekonferenz. «Dies sind unbestreitbare Ergebnisse, die das Volk bestimmt hat.» Laut den Angaben lag die Wahlbeteiligung bei 78,71 Prozent. Auf Maduro entfielen 7'505'338 Stimmen, auf Capriles 7'270'403 Stimmen. Lucena rief die Bevölkerung auf, nun «ruhig nach Hause zu gehen».

Maduros Anhänger feiern

Maduros Anhänger feierten ihren Favoriten begeistert vor dem Präsidentenpalast in Caracas. Hunderte versammelten sich dort schon vor Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Sie entzündeten Feuerwerk, tanzten und hielten Fotos von Maduro und Chávez hoch. «Heute können wir sagen, dass wir einen fairen Wahlsieg erreicht haben», rief Maduro ihnen nach Bekanntgabe des Ergebnisses zu.

Maduros Sieg fiel deutlich knapper aus als vorhergesagt. In Umfragen vor der Wahl hatte er einen Vorsprung von 10 bis 20 Prozent gehabt. Chávez hatte Maduro vor seinem Tod am 5. März zum Wunschnachfolger erkoren.

Capriles spricht von Manipulationen

Die Opposition erkennt den Sieg Maduros nicht an. Nach dem denkbar knappen Wahlausgang forderte Capriles eine Neuauszählung der Stimmen. Capriles machte auch klar, dass es keinen Pakt zwischen ihm und Maduro gebe. «Ich paktiere weder mit der Lüge noch mit der Korruption», sagte der 40jährige in der Nacht in Caracas.

Capriles im gelben Shirt deutet mit Daumen und Zeigefinger an einer Pressekonferenz den kleinen Abstand zwischen den Resultaten an.
Legende: Capriles: Der Vorsprung seines Gegners ist klein, sehr klein. Reuters

Er forderte eine umfassende Überprüfung des Wahlergebnisses und eine erneute Auszählung aller Stimmen. Es gebe 3000 Meldungen über Unregelmässigkeiten bei der Wahl. Bereits vor Bekanntgabe des Wahlausgangs hatte Capriles im Kurznachrichtendienst Twitter geschrieben: «Wir weisen das Land und die Welt auf die Absicht hin, die vom Volk zum Ausdruck gebrachte Wahl zu ändern.»

Capriles beschuldigte die Regierung, mit SMS an öffentliche Bedienstete zur Wahl Maduros aufgerufen zu haben. Er forderte eine «echte Demokratie». Der venezolanische Vizepräsident Jorge Arreaza wies Capriles' Vorwürfe zurück. «Das ist unerhört», sagte er im Staatsfernsehen. Der Chef von Maduros Wahlkampagne, Jorge Rodriguez, warf dem gegnerischen Lager «Provokation» vor.

Maduro nennt Sieg «legal»

Maduro betonte nach der Wahl: «Heute können wir sagen, dass wir einen legalen, verfassungsmässigen Sieg errungen haben.» Der Sozialist war einer der engsten Weggefährten von Chávez. Von 2006 bis 2012 war er Aussenminister, dann Vize-Präsident und nach dem Tod von Chávez Interimspräsident.

Der Gewerkschafter und frühere Busfahrer tritt ein schweres Erbe an. Zwar verfügt Venezuela über grosse Erdölreserven. Doch hat das Land auch mit einer Inflationsrate von über 20 Prozent und einer maroden Infrastruktur zu kämpfen.

Die Wählerschaft der sozialistischen Partei rekrutiert sich vor allem aus den armen Bevölkerungsschichten, für die die Regierung seit dem Amtsantritt von Hugo Chávez im Jahr 1999 enorme Sozialprogramme auflegte.

Maduro auf Chávez' Spuren

Im Wahlkampf hatte Maduro angekündigt, die nach dem lateinamerikanischen Unabhängigkeitshelden Simón Bolívar benannte «Bolivarische Revolution» seines Vorgängers fortzusetzen, die vor allem darin bestand, die Öleinnahmen zugunsten der armen Bevölkerungsschicht zu nutzen.

Capriles, Gouverneur des Bundesstaats Miranda, setzte seinerseits auf die Enttäuschung der Wähler über chronische Lebensmittel-Knappheit, hohe Inflation, regelmässige Stromausfälle und die hohe Mordrate. Mit Korruption und Kriminalität könne es «so nicht weitergehen», sagte er.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Vogt, Zürich
    Ein kleines Zahlenspiel lässt das vielleicht alles klarer erscheinen. Gemäss offiziellen Zahlen erhielten die beiden ersten stimmenden 99.12% wenn Maduro 50.66% auf sich vereinen konnte und Capriles 49.07% ergäbe das 99.73%. Da ist etwas falsch bei den offiziellen Numern. Ausserdem hat Maduro in diesen Wahlen mehr stimmen als Chavez im Oktober gewonnen, das ist äusserst unwahrscheinlich wenn man bedenkt das er wesentlich weniger beliebt ist! Das als kleine Ergänzung!
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Das stimmt, etwas läuft hier wirklich komisch. Wenn ich aber richtig zusammenrechne, hätte Capriles auch mit den "abgetauchten" 0,27 % Stimmen die Wahl nicht gewonnen und Maduro hätte immer noch eine knappe absolute Mehrheit. Vielleicht gab es ja noch den einen oder anderen "Sprengkandidaten".
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  • Kommentar von Bruno Vogt, Zürich
    Die schlimmsten Befürchtungen des Wahlbetrugs bestätigen sich leider nachdem die Komission ungewöhnlich lange brauchte um das Resultat bekannt zu geben. Capriles lag kanz klar vorne, bei den Exit polls und vielen einzelnen Wahllkolen. Hier wurde dreckig gespielt um den Sozialismus in Venezuela die Macht zu erhalten. Noch sind die Leute in Schock, weiter 6 Jahre mit diesem Mann werden das Land gänzlich in den Ruin treiben, davon bin ich überzeugt.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Bruno Vogt: Sie hatten Recht mit Ihrer Einschätzung, dass die Wahl knapp ausfällt. Ich dachte Maduro gewinnt mit einem gr. Abstand. Vor einigen Wochen habe ich geschrieben, dass Capriles so oder so der Verlierer sein wird. Gewinnt er die Wahl hat er einen Saustall aufzuräumen u. niemand sagt ihm danke. Verliert er, wurde er selbst durch die bestehenden Sachzwänge als valabler Kandidat "verheizt. Es wäre besser wenn man bereits jetzt bei der Oposition sich für die nächste Wahl rüstet.
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Bruno Vogt: Bei solchen Caudillios und pop. Parteien in Lateinamerika ist es aber leider so. Argentinien mit den Peronisten macht es seit 60 Jahren vor. Dort hat die Bewegung das bereits dafür anfällige Land vollends korrumpiert u. leidet heute noch darunter. Ich befürchte das Venezuela einen ähnlichen Weg gehen könnte. Oder das Volk dreht nach dem voraussehbaren Ruin Chaves den Rücken. Wie nach der Unabhängigkeit des Landes mit S. Bolivar, der kurz v. seinem Tode resignierte.
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    3. Antwort von Bruno Vogt, Zürich
      @ H. Girschweiler: Wenn man von Banden in roten Kleidern hört welche Wahlzentren angegriffen haben, nachdem diese geschlossen hatten und das Militär nur tatenlos zusah scheint das ganze schon ziemlich orchestriert. Sie können sich ja vorstellen wie sehr sich der enge Zirkel der Chavez Gefolgschaft an die Macht klammert, sie haben viel zu verlieren. Vielleicht haben sie recht und es ist besser so, das alles kolabiert und noch mehr Leute "aufwachen". Ob Capriles jedoch noch einmal antritt nach 2 V
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    4. Antwort von Bruno Vogt, Zürich
      erlusten. Ich bin fest davon überzeugt das geschummelt wurde und Capriles der wahre Sieger ist. Er könnte natürlich seine Anhänger auf die Strasse führen was das Land gänzlich paralysieren würde und auch nicht gut ist. Mal sehen wie sich das ganze ausspielt. Heute wird schon einmal der letzte private Fernsehsender Globovision an ein Regierungstreues Mitglied "zwangs-verkauft" damit geht das letzte bisschen Pressefreiheit den Bach ab.
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    5. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Bruno Vogt: Eben weil die unteren Bevölkerungsschichten in VE noch viel leichter als in ARG oder UY zu beeinflussen u. zu steuern sind befürchte ich Schlimmes. Es tut mir leid um Capriles aber die Strategie von ihm wie seiner Partei war falsch aber leider, um mit Merkel zu sprechen "Alternativlos" Ich hoffe er kommt noch eimal zurück. Ich weiss allerdings nicht genau, was er als Gouverneur für einen Leistungsausweis vorlegen kann.
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