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International Chefsache Sport: Wie Putin mit Hockey politische Ziele verfolgt

In Russland folgt ein Sport-Grossanlass auf den anderen. Nach den Olympischen Winterspielen von Sotschi ist am Freitag die Eishockey-WM gestartet. In zwei Jahren folgt die Fussball-WM. Der Kreml verspricht sich vom Spitzensport Prestigegewinne. Vor allem ins Hockey werden enorme Summen investiert.

Eine Kapelle schmettert die russische Nationalhymne. Tausende Fans im Eishockey-Stadion von ZSKA-Moskau singen mit. Die Gastgeber empfangen das Team von Magnitogorsk, einer Industriestadt im Ural. Es ist ein Finalspiel der russischen Eishockeyliga. Wobei das Wort «russisch» nicht ganz passt.

Die kontinentale Liga: Ein politisches Projekt

«Kontinentale Hockey-Liga», kurz KHL, nennt sich die Meisterschaft, die vor acht Jahren gegründet wurde. Es spielen auch Teams aus Kasachstan, Weissrussland, ja sogar aus europäischen Ländern wie Finnland und Kroatien mit.

Die Kontinentale Hockey-Liga ist auch mehr als eine Unterhaltungsmaschine für Sportfans, sie ist ein politisches Projekt, ein Projekt von Wladimir Putin. Er habe die Liga erfunden, sagte der russische Präsident einst. Ziel: Das russische Hockey soll wieder an die Erfolge der Sowjetzeit ankünpfen.

Von den 60er- bis in die 80er-Jahre wurde meist das gleiche Team-Weltmeister: jenes der UdSSR. Nach dem Kollaps des Ostblocks ging es bergab mit dem russischen Hockey. Erst jetzt erholt es sich wieder.

Athmosphäre wie aus Hollywood-Filmen

In der KHL stehen einige der weltbesten Spieler auf dem Eis. Beim Spiel im ZSKA-Stadion herrscht eine Atmosphäre wie auf einem Volksfest. Eine Lichtshow und leichtbekleidete Cheerleader erinnern an Highschool-Sport in Hollywood-Filmen.

Diese ästhetische, atmosphärische Nähe zum amerikanischen Sport ist gewollt. Die Kontinentale Hockey-Liga soll die amerikanische National Hockey League herausfordern, sie soll die Dominanz des nordamerikanischen Hockey brechen, sagt der ehemalige NHL-Star Waleri Kamenski, heute Mitglied im Führungsgremium der KHL: «Wir möchten weitere europäische Teams aufnehmen; es laufen derzeit auch Verhandlungen mit einer chinesischen Manschaft. Das Ziel ist, die Geografie des Hockey zu erweitern. Auch in Europa und Asien soll Hockey auf höchstem Niveau gespielt werden.»

Wenn man mit Waleri Kamenski spricht, geht es um Sport, nicht um Politik. Auch andere russische Funktionäre verwahren sich immer wieder dagegen, den Sport zu politisieren. Wladimir Putin hat zudem versichert, eine «politisch-administrative» Vorherrschaft Russlands sei bei der KHL nicht vorgesehen. Sie solle zur «echten europäischen Liga» werden.

Der Traum vom russisch dominierten Eurasien

Trotzdem stossen die russischen Expansionsgelüste nicht überall auf Gegenliebe. Erst kürzlich verbot der schwedische Hockey-Verband seinen Teams, sich der KHL anzuschliessen. Zu gross ist in Schweden die Skepsis gegenüber dem Russland von Wladimir Putin.

Und tatsächlich: In der Rückkehr von Russland als Hockey-Grossmacht spiegelt sich auch das politische Selbstverständnis der russischen Elite. Der Kreml sieht sich als einzigen echten Gegenpol zu den Vereinigten Staaten. Der Traum eines von Russland dominierten Eurasiens geistert durch Moskau – der Traum von einem neuen Block, der den Amerikanern die Stirn bietet. Im richtigen Leben ist bisher aus der Idee nicht viel geworden, aber im Hockey nimmt sie langsam Gestalt an. Und der Kreml lässt sich das einiges kosten.

Staatliche Sponsoren und Präsidentenportrait im Stadion

Der Staat spiele eine sehr wichtige Rolle im russischen Eishockey, räumt Waleri Kamenski ein: «Unter den Sponsoren der Liga sind viele staatliche Grosskonzerne. Auch von der Regierung bekommen wir viel Unterstützung. Deswegen entwickeln wir uns so gut.»

Mit dem Geld wurden nicht nur russische Spieler zurückgekauft, die zuletzt in den USA spielten. Auch zahlreiche Ausländer stehen inzwischen für KHL-Teams auf dem Eis. Das Niveau ist hoch, die Löhne sind gut.

Putin im Hockeystadion
Legende: Die KHL is auch ein politisches Projekt: Putin neben dem ehemaligen NHL-Star und heutigen Gefolgsmann Fetissow. Reuters

Wie eng Sport und Politik vermischt sind, zeigt sich auch an diesem Abend im Moskauer Eishockey-Stadion. In der Ehren-Loge sitzt unter anderem Sergej Iwanow, der Chef der mächtigen Kremlverwaltung. Neben ihm: Igor Setschin, Chef des staatlichen Öl-Konzerns Rosneft, langjähriger Freund von Präsident Putin und Sponsor von ZSKA-Moskau.

Sein Team hat heute kein Glück: in der Verlängerung schiesst Magnitogorsk das Siegestor. 2:1 gewinnt die Mannschaft vom Ural. Die enttäuschten Moskau-Fans machen sich auf den Heimweg. Manche stehen noch im Foyer und diskutieren den Match. In der Halle vor dem zentralen Ausgang hängt ein riesiges Plakat: Es ist ein Portrait von Wladimir Putin.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Jara Bels (Nixisi)
    Kann leider keine der beiden Seiten unterstützen. Liebe "Putin-Verteidiger", es ist in Wirklichkeit viel schlimmer als hier im Artikel beschrieben, glauben Sie mir. Aber um es zu verstehen müsste man zuerst den "realen Sozialismus" selber auf eigener Haut erleben. Zum Glück müssen Sie es aber nicht mehr, dagegen verstehen Sie eben die Putin Ära auch nicht.
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  • Kommentar von c jaschko (let there be peace on earth)
    Ob Putin was macht oder absolut gar nichts er wird immer beschuldigt im Westen im Rahmen der Anti Russland Propaganda der schlimmste Übeltäter der jemals gelebt hat, zu sein :-) Die Westlichen Politiker und Partner in der Gemeinsamen Sache " ausgedehnt sogar bis zu Waffen und Finanzielen Support für al kaida und is " können anstellen was sie wollen sie werden immer entschuldigt oder das Verbrechen wird als Klein Delikt den Massen, verkauft :-) Damit Europa wider normal wird die EU muss weg :-)
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  • Kommentar von Sebastian Frey (Sebastian Frey)
    Sachlich beinhaltet dieser Beitrag ein weltweit normales/übliches Tun. Ausnahme; das unsportliche Verhalten des schwedischen Verbandes - das ist politische Einmischung! In den letzten Wochen fanden in Russland objektiv div interessante Treffen, Diskussionen etc statt, worüber hier zu berichten eine Bereicherung/Erkenntnis gewesen wär. Wieso vermittelt uns unser SRF Korrespondent beinah ausnahmslos Meinungsbilder und kaum je sachliche Berichterstattung?
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    1. Antwort von A. Schulze (A. Schulze)
      Weil srf das lieber den österreichern überlässt. Die können das besser ;)
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