China: Brand- oder Friedensstifter?

Im Südchinesischen Meer nehmen die Spannungen zwischen China und seinen Nachbarstaaten zu. Zunehmend sehen sich auch die USA gezwungen, im schwelenden Konflikt mitzumischen.

Luftaufnahme auf die umstrittenen Spratley-Inseln im südchinesischen Meer

Bildlegende: Neben China erheben auch die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Brunei und Taiwan Ansprüche auf die Spratley-Inseln. Keystone

Es ist Taifunsaison im Südchinesischen Meer. Doch die tödlichen Wirbelstürme sind längst nicht mehr die grösste Gefahr in der Region. Die Gefahr geht von Leuchttürmen und tonnenweise Sand aus: Denn China versucht mit Infrastruktur Fakten zu schaffen, die das Pulverfass zur Explosion bringen könnten.

 

Noch am vergangenen Wochenende übte sich China in Zurückhaltung. An einer Sicherheitskonferenz in Peking versprach die Regierung, dass sie «niemals rücksichtslos Gewalt anwenden» werde. Das Versprechen bezog sich auf die umstrittenen Spratley-Inseln, auf die sowohl China, wie auch die Philippinen, Vietnam, Malaysia, Brunei und Taiwan Teilansprüche erheben.

Verärgerte Nachbarn

Nur ein paar Tage zuvor hatte der staatliche chinesische Nachrichtensender Bilder von zwei nagelneuen, strahlend weiss getünchten Leuchttürmen ausgestrahlt. Sie sind die letzten harten Fakten, mit denen China seinen Anspruch auf die Spratley-Inseln zur Tatsache erklären will. Es sind Fakten, welche die Nachbarn mit Argwohn betrachten und die prompt auch erzürnte Kommentare in ganz Südostasien auslösten.

China hat in den letzten zwei Jahren seine Präsenz in der Region massiv erhöht und nebst Leuchttürmen auch Flugpisten gebaut und tonnenweise Sand aufgeschüttet, um die Atolle künstlich zu erweitern. Sicherheitsexperten sehen darin eine klare Absicht, den militärischen Einfluss über die Region auszubauen und längerfristig die Kontrolle über das Südchinesische Meer zu haben.

USA will Patrouillen schicken

Den Vereinigten Staaten scheint nun langsam der Geduldfaden zu reissen. Seit vergangener Woche häufen sich Berichte, wonach die USA Patrouillen in die umstrittenen Gebiete schicken wollen, um die Reaktion Chinas zu testen.

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Bildlegende: Im Südchinesischen Meer erhebt Peking Anspruch auf ein Gebiet von mehr als drei Millionen Quadratkilometern. srf

Peking hat bereits geantwortet und sprach von einer Provokation, die nicht tolerierbar wäre. Aus chinesischer Sicht würden die USA damit Hoheitsansprüche verletzen und China müsste darauf reagieren.

Peking erhebt Anspruch auf ein Gebiet, das mehr als drei Millionen Quadratkilometer umfasst. Hauptgrund für das immer aggressivere Gebaren sind aber längst nicht nur die Fischgründe und die Bodenschätze, die unter der Meeresoberfläche lagern. China will damit auch eine der wichtigsten Handelsstrassen der Welt kontrollieren. Fast 60 Prozent des Welthandels führt über eine Route durchs Südchinesische Meer. China selber schifft 85 Prozent seiner Güter durch die umstrittenen Gewässer.