«China hat ein Terrorismus-Problem»

In Syrien und Irak kämpfen immer mehr Islamisten aus China. Erst kürzlich verhaftete die türkische Armee 15 Chinesen, die sich dem sogenannten Islamischen Staat anschliessen wollten. Bei den chinesischen Dschihadisten handle es sich vor allem um Uiguren, sagt SRF-Mitarbeiter Peter Achten.

Chinesiche Polizisten mit Sicherheitsvesten.

Bildlegende: Polizeieinsatz nach einer Geiselnahme in Xinjiang 2011: China geht scharf gegen Extremisten vor. Keystone Archiv

Bis zu 300 Chinesen sollen inzwischen in Syrien und Irak auf Seiten des «Islamischen Staats» IS kämpfen, so die Angaben von Nachrichtenagenturen. Bei ihnen handle es sich vor allem um Uiguren aus Xinjiang, sagt der in Peking lebende SRF-Mitarbeiter Peter Achten. Die Uiguren fühlten sich kulturell unterdrückt.

Ausbildung in Pakistan

«China hat eindeutig ein Terrorismus-Problem», stellt Achten fest. So gebe es in Xinjiang mehrere islamistische Untergrund-Gruppen, deren militante Mitglieder in Afghanistan oder Pakistan militärisch ausgebildet worden seien. Dank poröser Grenzen gelangten die Uiguren-Kämpfer via Kasachstan und Usbekistan nach Afghanistan und Pakistan. «Dort werden etwa 1000 chinesische Extremisten ausgebildet», weiss Achten zu berichten.

Für diese Dschihadisten habe der IS in Syrien und Irak natürlich eine grosse Anziehungskraft. Es gehe den Uiguren um den Heiligen Krieg, darum, für ihre Religion zu kämpfen. «Der IS und Al-Kaida sind riesige Netzwerke, die auch bis nach China hineinreichen», stellt Achten fest.

China setzt auf Repression

Und wie reagiert Peking auf die offensichtlich zunehmende Gewaltbereitschaft einiger chinesischer Islamisten? «China zieht die Schraube an, Sicherheit wird ganz gross geschrieben», sagt Achten. Entsprechend nehme die polizeiliche Repression – nicht nur im Stammgebiet der Uiguren, sondern in ganz China – zu.

So sei etwa die Polizeipräsenz nach einen Anschlag in Urumqi, der Hauptstadt der sogenannten Autonomen Region Xinjiang, vor einem Jahr massiv verstärkt worden. Und dies nicht nur in Xinjiang sondern in ganz China. Selbst in der Hauptstadt Peking patrouillierten nun bewaffnete Polizisten durch die Strassen.

Kontrollen in der U-Bahn

Die Haltung Pekings sei: In Xinjiang gibt es drei Übel: Extremismus, Separatismus und Terrorismus. Entsprechend reagiere die chinesische Regierung mit einer Verstärkung der Sicherheitskräfte, erklärt Achten.


«Die chinesische Regierung lässt nichts anbrennen»

5:16 min, aus SRF 4 News aktuell vom 13.04.2015

So seien etwa die Sicherheitskontrollen in der Pekinger U-Bahn ähnlich wie auf einem Flughafen. «Die chinesische Regierung lässt überhaupt nichts anbrennen und versucht, jedes Aufmucken von Extremisten irgendwo im Keime zu ersticken. Und das spürt man auch im Alltag.»

Uiguren in Xinjiang

In Xinjiang leben rund zehn Millionen moslemische Uiguren und ebenso viele Han-Chinesen. Noch vor 65 Jahren machten die Han-Chinesen lediglich knapp vier Prozent der Bevölkerung in Xinjiang aus. Ihre Ansiedlung wird von Peking aktiv forciert, um – ähnlich wie in Tibet – den Einfluss der örtlichen Indigenen zurückzudrängen.

Das Volk der Hui

Ebenfalls Moslems, aber besser in die chinesische Gesellschaft integriert sind die gut zehn Millionen Hui. Sie sind oftmals ethnische Han-Chinesen, die in den vergangenen Jahrhunderten zum Islam übergetreten sind. Sie leben in ganz China.

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • «Die beiden Uiguren wurden im Jura gut aufgenommen»

    Aus SRF 4 News aktuell vom 16.12.2014

    Die Menschenrechts-Organisation Amnesty International hatte sich damals für die Aufnahme der Guantanomo-Häftlinge in der Schweiz eingesetzt. Mit dabei beim Amnesty-Team, das den ganzen Prozess eng begleitete, war auch Denise Graf.

    Im Gespräch erzählt sie, zu welchen ehemaligen Häftlingen sie heute noch Kontakt hat und wie es diesen geht.

    Simone Weber

  • Ilham Tohti, gehört in China zur Minderheit der muslimischen Uiguren.

    China - mit harter Hand gegen die Uiguren

    Aus Rendez-vous vom 23.9.2014

    Den «Kampf gegen den Terror» gibt es auch in China. Das Regime wirft den muslimischen Uiguren vor, Terrorattacken zu verüben. Vor gut einem Jahr fuhren auf dem Tiananmen-Platz in Peking Selbstmordattentäter mit einem Auto in eine Menschenmenge.

    Ein Gericht in Nordwestchina hat nun den Uiguren Ilham Tohti zu lebenslanger Haft verurteilt.

    Urs Morf

  • Aufstand der Uiguren in Nordwest-China

    Aus Echo der Zeit vom 6.7.2009

    Der alte Konflikt ist letzte Nacht neu und heftig aufgeflammt: In der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas sind bei Zusammenstössen zwischen muslimischen Uiguren und Sicherheitskräften mindestens 140 Menschen getötet worden.

    Die Ethnologin Patricia von Hahn ist spezialisiert auf Chinas Minderheiten und glaubt nicht, dass sich etwas an der Situation der Uiguren ändern wird.

    Hans Ineichen

  • Rebiya Kadeer, uigurische Menschenrechtsaktivistin.

    Kampf für die Rechte der Uiguren in China

    Aus Echo der Zeit vom 29.7.2008

    Rebiya Kadeer ist die Präsidentin des uigurischen Weltkongresses. Die im amerikanischen Exil lebende Uigurin kämpft für die Rechte ihrer Landsleute in China.

    In China steht das Volk der Uiguren unter Generalverdacht. Allein im Juli verhaftete die chinesische Regierung mehrmals angebliche Terroristen, die aus der Provinz Xinjiang, der Heimat der Uiguren, stammten. Für Rebiya Kadeer ist der Terror-Vorwurf bloss ein Vorwand.

    Auch Amnesty International kritisierte anderthalb Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking China. Die Menschenrechte würden kein bisschen besser geachtet als vor der Vergabe der Spiele an China, eher im Gegenteil. China gehe immer rigoroser gegen

    Brigitte Zingg