Kim Jong Uns grosser Nachbar China hat kein Interesse am Zusammenbruch Nordkoreas

Jeder Punkt sei nun militärisch in Reichweite, behauptet Nordkorea. Doch was ist eigentlich das Ziel der Provokation?

Eine Interkontinentalrakete sei es gewesen, verkündeten Nordkoreas Staatsmedien heute Vormittag stolz. Damit sei nun jedes Ziel auf der Welt in Reichweite. Die US-Amerikaner tippten dagegen auf eine Mittelstreckenrakete. Wer von beiden auch immer recht haben mag: Fest steht, dass Nordkorea schon länger an einer Interkontinentalrakete arbeitet und sein Atomwaffenprogramm vorantreibt.

Der grösste Druck, Nordkoreas nuklearen Ambitionen einzudämmen, lastet auf China. Es ist der letzte Verbündete des Regimes in Pjöngjang.

USA bestraft chinesische Bank

Offiziell spricht sich auch China für Sanktionen gegen Nordkorea aus. Zum Beispiel hat China den Import von Kohle aus Nordkorea so gut wie gestoppt. Das tut Nordkorea weh. Gleichzeitig aber handeln chinesische Unternehmer in den Grenzregionen weiterhin mit Nordkorea. So beschlossen die USA erst letzte Woche Sanktionen gegen eine chinesische Bank, die gegen das Embargo verstossen haben soll.

Denn auch wenn die chinesische Regierung über die Raketenstarts im Nachbarland mehr als nur genervt ist; Nordkorea wirtschaftlich ausbluten lassen, will sie auf keinen Fall.

Denn sollte Nordkoreas Regierung zusammenbrechen, wäre China neben Südkorea als erstes Land betroffen. Millionen von Flüchtlingen würden über die Grenze in Chinas Nordosten kommen.

Vereinigtes Korea wäre ein Problem für China

Ein wiedervereinigtes Korea unter der Führung des Südens hiesse zudem, dass in Korea stationierte US-Truppen direkt an der chinesischen Grenze stehen könnten.

Dessen ist sich auch Kim Jong Un bewusst, und so werden seine kalkulierten Provokationen wohl weitergehen. Sein Kalkül: Je näher Nordkorea seinen nuklearen Zielen kommt, desto riskanter wird es für andere Staaten, Druck auf das Land auszuüben.

China und Russland wollen nach Raketentests vermitteln

Nach Nordkoreas Raketentest wollen die beiden Nachbarstaaten Russland und China gemeinsam eine Entspannung im Konflikt erreichen. Beide Länder schlugen nach Angaben des russischen Aussenministeriums bei einem Staatsbesuch in Moskau vor, Pjöngjang solle seine Tests einstellen. Im Gegenzug sollten die USA und Südkorea auf gemeinsame Grossmanöver verzichten. «Eine unserer gemeinsamen Prioritäten ist es, eine umfassende Lösung für die Probleme auf der koreanischen Halbinsel zu finden», sagte Kremlchef Wladimir Putin bei dem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Beide Länder wollten für langanhaltenden Frieden und Stabilität im Nordosten Asiens sorgen, sagte er der Agentur Tass zufolge. Sowohl Moskau als auch Peking pflegen freundschaftliche Beziehungen zu dem ansonsten isolierten Pjöngjang.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Shanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.