China überdenkt «Organverwertung» von Hingerichteten

In China werden bislang Organe von Exekutierten zu Transplantationszwecken verwendet. Ein neues Spendesystem soll diese Praxis überflüssig machen – und einem möglichen Organmangel vorbeugen.

In China werden jedes Jahr mehr Menschen hingerichtet als im Rest der Welt zusammen. Mit dem Aufbau eines Organspendesystems will China von der Praxis wegkommen, Organe exekutierter Straftäter für Transplantationen zu nutzen.

Verurteilter Todeskandidat mit Bewachern in China.

Bildlegende: China richtet jährlich geschätzte 3000 Personen hin. Keystone

Drei Viertel der Lebern von Exekutierten

«Mit den Fortschritten, die wir machen, werden wir in zwei Jahren die grosse Abhängigkeit von Organen exekutierter Häftlinge beseitigen», sagt der Vizegesundheitsminister Chinas. Überhaupt werde sein Land langfristig die Todesstrafe abschaffen.

Die Zahl der Organspenden durch Hingerichtete geht zurück. Einerseits wird strenger kontrolliert, ob ein Todeskandidat wirklich freiwillig seine Organe spenden will und seine Familie einverstanden ist. Andererseits hat sich die Zahl der Hingerichteten durch strengere Verfahren auf schätzungsweise 3000 im vergangenen Jahr mehr als halbiert. Im vergangenen Jahr stammte mehr als die Hälfte der 5846 transplantierten Nieren von Hingerichteten. Bei den 2026 Lebertransplantationen waren es drei Viertel.

Viele Chinesen sind überzeugt, dass ihr Körper unversehrt ins Jenseits gehen müsse. Doch zeigen Umfragen, dass 70 Prozent der jungen Leute kein Problem mit Organspenden haben.