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China und Russland testen Bedeuten Hyperschallwaffen das Ende der US-Vorherrschaft?

Diese neuen Waffen könnten das ohnehin labile strategische Gleichgewicht verändern und die Welt weiter destabilisieren.

Seit Jahren schon schwärmt der russische Präsident Wladimir Putin von Hyperschallwaffen. Vor einem ausgewählten Publikum erklärte er: «Liebe Freunde, Russland besitzt solche Waffen bereits.» Er erntete donnernden Applaus.

Wie die «Financial Times» berichtete, hat inzwischen auch China zwei Hyperschallwaffen getestet, was im Westen für höchste Irritation sorgt. Offenkundig kommen andere Länder schneller voran als der Westen. Zwar arbeiten auch grosse europäische Länder an der Entwicklung, zudem Indien, Japan oder Australien. Die USA sogar schon seit Jahrzehnten.

Dennoch stellte Mark Lewis, der Forschungschef im Pentagon, in einer Diskussion frustriert fest: «Wir haben die Vorarbeiten geleistet für unsere strategischen Rivalen.» Davon profitieren nun Russland und China, die sehr viel Geld in diese Technologie steckten, «während wir den Fuss vom Gaspedal genommen haben».

 Ziel: US-Raketenabwehr überwinden

Indirekt gab er sogar zu, sein Land habe derzeit auf diesem Feld die Nase nicht mehr vorn. Und das bei einem Waffensystem, das manche als bahnbrechend bezeichnen, ja das die globalen Machtverhältnisse auf den Kopf stellen könnte.

Ihr enormes Tempo und ihre Manövrierbarkeit erlauben es dem Angreifer, den Gegner darüber zu täuschen, welches Ziel angesteuert wird.
Autor: Dominika Kunertova Zentrum für Sicherheitsstudien der ETH Zürich

Doch was können Hyperschallwaffen, was andere Systeme nicht können? «Ihr enormes Tempo und ihre Manövrierbarkeit erlauben es dem Angreifer, den Gegner darüber zu täuschen, welches Ziel angesteuert wird», sagt Dominika Kunertova vom Zentrum für Sicherheitsstudien der ETH Zürich. Es sei kein Zufall, dass gerade China und Russland so stark auf Hyperschallwaffen setzten: «Beide hoffen, bei einem Angriff die US-Raketenabwehr überwinden zu können.» Sie sehen die USA als deutlich überlegen und halten sie für imstande, ihre bisherigen Raketen abwehren zu können.

Es bestünden grosse Fragezeichen

Die USA fürchten ihrerseits, Peking und Moskau könnten mit den neuen Hyperschallwaffen «US-Kampfflieger ausschalten, bevor sie überhaupt abgehoben haben», sagt Pentagon-Forschungschef Mark Lewis. 

Die Befürchtungen sind gross. Doch Sicherheitsexpertin Kunertova sieht zugleich «einen Hype um diese Waffen. Es geht sehr stark auch um nationales Prestige». Denn technologisch revolutionär seien sie nicht. Auch herkömmliche Interkontinentalraketen übertreffen die Schallgeschwindigkeit bei weitem.

Zudem seien die jetzt getesteten Systeme enorm teuer und daher für die allermeisten Länder unerschwinglich. Und es bestünden noch grosse Fragezeichen bei der tatsächlichen Einsetzbarkeit punkto Präzision, Steuerungsfähigkeit und Hitzebeständigkeit der Materialien. Dazu komme: Je intensiver man die Waffen manövriere, umso stärker sinke das Tempo.

Abrüstungsverhandlungen als Ausweg?

Dennoch warnt Dominika Kunertova davor, die Hyperschallwaffen zu unterschätzen. Sie seien nicht zuletzt politisch problematisch: «Jedes neue Waffensystem schürt die Unsicherheit, zumal es an gegenseitiger Transparenz fehlt. Das wiederum stärkt das Misstrauen zwischen den Grossmächten». Und es erhöht das Kriegsrisiko.

Entsprechend wäre es wünschbar, bald Abrüstungsverhandlungen über Hyperschallwaffen aufzunehmen und sie in Rüstungskontrollvereinbarungen einzubeziehen. Bloss: Gerade bei Waffensystemen, deren Entwicklung noch voll im Gang ist, weigern sich die beteiligten Regierungen jeweils, sich die Hände binden zu lassen. Die USA und Russland vereinbarten zwar im Sommer in Genf, in ihrem neuen strategischen Dialog auch über Hyperschallwaffen zu sprechen. Doch die Chancen, dass dabei bald etwas herauskommt, sind gering.

 

SRF 4 News, Echo der Zeit, 1.11.2021, 18:00 Uhr

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