China verharmlost Umweltschäden in Tianjin

Flüsse sind voller Zyanid und Fische verenden zu tausenden – die Explosion in Tianjin hat die Umwelt aus der Bahn geworfen. Die Behörden versuchen die Situation zu verharmlosen mit mehr oder minder glaubwürdigen Mitteln.

Tausende Tote Fische am Ufer eines Flusses

Bildlegende: Tausende Fische sind im zyanid-versuchten Fluss bei Tianjin verendet. Reuters

Auch über eine Woche nach dem Explosionsunglück erschweren Schwelbrände die Suche nach 60 noch vermissten Opfern. Vier Brände flammten allein am Freitag auf, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.

Viele Menschen in der Zehn-Millionen-Metropole Tianjin machen sich wegen giftiger Stoffe in Luft und Wasser Sorgen. Die Behörden bestreiten, dass die vielen tot angeschwemmten Fische an den Ufern des Haihe-Flusses im Zusammenhang mit den Explosionen in dem Chemikalienlager im Hafen stehen.

Tote Fische «nicht ungewöhnlich»

Messungen der Fischereibehörden hätten ergeben, dass die Fische an Sauerstoffmangel verendet seien, berichtete die «China Daily» und veröffentlichte die Testergebnisse. Das sei bei schlechter Wasserqualität im Sommer «nicht ungewöhnlich», wurden Experten zitiert.

Es seien keine schädlichen Zyanid-Werte im Wasser an der Stelle gefunden worden, wo die Fische mehrere Kilometer vom Explosionsort entfernt angeschwemmt wurden, berichtete auch das städtische Umweltamt.

Tiere in farbigen Käfigen

Bildlegende: Mit den Tieren wollten die Behörden demonstrieren, dass die Umweltschäden nicht so gravierend sind, wie befürchtet wird. Reuters

Tiere auf Explosionsgelände ausgesetzt

Wie zum Beweis, dass die Schadstoffbelastung ungefährlich ist, haben die örtlichen Behörden nahe dem Explosionsgelände Hasen, Hühner und Tauben in farbigen Käfigen für zwei Stunden ausgesetzt.

In einer Wasserprobe an der Unglücksstelle hatten Prüfer allerdings am Donnerstag eine Konzentration von Zyanid festgestellt, die um das 356-Fache über dem Grenzwert lag, wie das Umweltministerium mitgeteilt hatte. An 19 von 26 Testpunkten rund um den Explosionsort wurde demnach Zyanid nachgewiesen.

Beunruhigende Untersuchungsresultate

Die Zahl der bestätigten Toten der Katastrophe von Tianjin ist mittlerweile auf 116 gestiegen. Alle Toten wurden nach amtlichen Angaben anhand von Erbgut-Analysen identifiziert, darunter 65 Feuerwehrleute und 7 Polizisten. Unter den Vermissten sind 39 Brandbekämpfer und 4 Polizeibeamte.

In dem Hafenlager mit gefährlichen Chemikalien war es am 12. August nach einem Brand zu heftigen Explosionen gekommen, die in einem weiten Umkreis Verwüstungen anrichteten. Etwa 700 Personen wurden verletzt.

Betriebe geschlossen

Als Reaktion auf die Katastrophe wurden landesweit Sicherheitsinspektionen angeordnet, die reihenweise Mängel aufdeckten. Bei 85 von 124 untersuchten Pekinger Unternehmen, die mit giftigen oder explosiven Chemikalien umgehen, wurden Gefahren entdeckt. Die Behörden schlossen zwei Unternehmen.

Vor der am Samstag beginnenden Leichtathletik-Weltmeisterschaft sowie der Militärparade zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Asien am 3. September müssen in Peking alle Unternehmen, die mit giftigen Chemikalien oder Explosivstoffen arbeiten, vom 17. August bis 6. September den Betrieb einstellen.