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Machtwechsel in Washington China warnt Trump vor Handelskrieg

«America first»: Die Amtsantrittsrede des neuen US-Präsidenten hallt nach. In China trifft diese auf kein positives Echo.

Legende: Video Die Antrittsrede von US-Präsident Donald Trump abspielen. Laufzeit 16:00 Minuten.
Vom 20.01.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chinesische Staatsmedien prognostizieren «globale Tumulte», wenn Trump seinen Protektionismus durchsetzen sollte.
  • Frankreichs Präsident François Hollande warnt vor der Isolation der USA in der Weltwirtschaft.
  • Versöhnliche Töne schlägt der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe an.

Die nationalistischen Töne in Donald Trumps Antrittsrede als US-Präsident haben in mehreren Ländern harsche Reaktionen ausgelöst, besonders in China. Die dortigen Staatsmedien warnten Trump in deutlichen Worten davor, einen Handelskrieg mit China anzuzetteln.

Warnung vor der «Taiwan-Karte»

Würden Trumps Protektionismus-Pläne nun tatsächlich von einem «vorpräsidialen Bluff» in die Realität umgesetzt, werde das mit Sicherheit zu «globalen Tumulten» führen, schrieb die englischsprachige «China Daily» am Samstag in einem Leitartikel.

Legende: Video Amtseinführung von Präsident Trump abspielen. Laufzeit 1:50 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 21.01.2017.

«America First», eine Parole, die der neue US-Präsident in seiner Antrittsrede am Freitag mehrfach wiederholt hatte, könne «leicht nach hinten losgehen». China und andere Nationen müssten gemeinsam versuchen, der neuen Regierung in Washington die Vorteile einer «aktualisierten und wünschenswerten» Version der Globalisierung zu verdeutlichen.

Auch warnte die Zeitung Trump davor, das «Ein-China-Prinzip» weiter in Frage zu stellen und zu versuchen, in Verhandlungen mit Peking die «Taiwan-Karte» zu spielen. Werde diese Grenze überschritten, könnten die Dinge schnell «schmutzig» werden.

Trump hatte in seiner Antrittsrede einschneidende Veränderungen angekündigt. «Von jetzt an wird eine neue Vision dieses Land regieren. Von diesem Tag an heisst es: Amerika zuerst, Amerika zuerst», sagt er.

Sorgen in Europa

Der deutsche Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sprach von «hoch nationalistischen Tönen» Trumps. Dessen Wahl sei das «Ergebnis einer schlimmen Radikalisierung in der amerikanischen Gesellschaft». Er warb für eine neue Wirtschaftsstrategie mit Asien: «Wenn die USA mit China und ganz Asien einen Handelskrieg beginnen, dann sind wir ein fairer Partner», sagte er dem deutschen TV-Sender ZDF.

Sorgen vor neuen Handelsbarrieren in den USA macht sich Frankreichs Präsident François Hollande: «Wir sind in einer globalen und offenen Wirtschaft», sagte er. Es sei «nicht möglich, und es ist auch nicht wünschenswert, sich von der Weltwirtschaft isolieren zu wollen».

Der kanadische Regierungschef Justin Trudeau betonte, wohl in Anspielung auf Trumps Kritik am nordamerikanischen Handelsvertrag Nafta, dass die USA und Kanada «solide Handels- und Investitionsbeziehungen und integrierte Wirtschaften» hätten. Diese unterstützten Millionen kanadischer und amerikanischer Jobs.

Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto erklärte auf Twitter, die nationalen Interessen seines Landes würden beim Umgang mit der neuen US-Regierung Vorrang haben.

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe gratulierte Trump in einer Glückwunschbotschaft «von Herzen» zu seinem Amtsantritt. «Ich freue mich darauf, Hand in Hand mit Ihnen daran zu arbeiten, Frieden und Wohlstand der Asien-Pazifik Region sicherzustellen und verschiedene Herausforderungen, denen sich die internationale Gemeinschaft gegenübersieht, anzugehen», erklärte Abe.

Päpstliche Wünsche

Zum Amtsantritt gratuliert hat auch Papst Franziskus. Das Oberhaupt der katholischen Kirche forderte den neuen US-Präsidenten dazu auf, sich auch um die Armen zu kümmern. Er bete dafür, dass Trump sein Amt mit «Weisheit und Stärke» ausführen werde.

In einer Zeit «schlimmer humanitärer Krisen» hoffe er zugleich, dass Trumps Entscheidungen «von den spirituellen und ethischen Werten» geleitet würden, die die US-Geschichte geformt hätten.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
    Recht hat China, zumindest aus Schweizer Sicht. Handel macht alle reicher. Nur bleibt die Frage, ob dieser Reichtum auch allen zugute kommt. Das liegt aber in der Hand jedes einzelnen Landes.
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Stimmt so fast, nur nicht ganz. Diese ungezügelte und kaum seriös geregelte Globalisierung schafft auch Armut, fuehrt zur Ausbeutung und kann in diesem ekzessiven Umfange nicht mehr ungezügelt weitergeführt werden. Es muessen, wo moeglich und machbar, wieder dezentralisiertere Formen der Globalisierung gesucht und gefördert werden. Es kommt auf die Ausgewogenheit an.
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Die Industriealisierung in Europa Mitte des 19. Jahrhundert, hat viele Menschen arm & zu Verlierern gemacht & sie sind nach Amerika ausgewandert. Die Globalisierung macht dasselbe. Es gibt mehr Menschen, welche zu den Verlierern zählen, als es Gewinner gibt. Und drum haben wir jetzt wieder Mio. Menschen, welche wegen Armut ihre Heimat verlassen. Fazit: Beide sind sie mehr Fluch als Segen für die Menschheit. Und die Digitalisierung wird noch mehr Verlierer produzieren.
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  • Kommentar von Ilse König (königin)
    Auch der Amerikanische Konsument kauft weiterhin die günstigere Jeans aus China. So what Mr. Trump?
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    1. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Günstige Jeans könnte man auch heute noch in den USA selber produzieren, so man nur wollte. Und dies wäre wohl erst noch umweltverträglicher und damit auch sinnvoller.
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  • Kommentar von Stefan Perner (s.perner)
    Sollte Trump tatsächlich einen Handelskrieg mit den Chinesen beginnen, wird Amerika sang und klanglos zugrunde gehen. China kann zu tieferen Preisen produzieren, bei nur geringem Qualitätsunterschied. Die US-Wirtschaft wäre dann nicht mehr konkurrenzfähig. Grosser Profiteur wären China und Westeuropa, davon besonders Deutschland, aber auch die Russen könnten wieder an wirtschaftlicher Stärke gewinnen.
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