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International Chinas Militärparade sorgt für Zwist

China führte eine Militärparade durch, die es in sich hatte: Insgesamt 13'000 Soldaten marschierten durch Peking. Prominenter Gast: Wladimir Putin. Prominenter Abwesender: Japans Ministerpräsident Shinzo Abe.

Legende: Video Miliärparade in Peking (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 00:56 Minuten.
Aus News-Clip vom 03.09.2015.

Die pompöse Militärparade beinhaltet auch eine politische Mission: China und Russland haben sich geschlossen gegen eine «Verdrehung» der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs gewandt.

Als einer der ausländischen Staatsgäste traf der russische Präsident Wladimir Putin am Mittwoch zum Auftakt seiner zweitägigen Visite in Peking mit Regierungschef Li Keqiang zusammen.

Die Geschichte dürfe nicht «umgeschrieben» werden, betonten sie nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Tass übereinstimmend.

Russland erinnert an die 27 Millionen Toten

Beide Politiker gingen nicht konkret darauf ein, was sie damit meinten. Doch sieht Russland schon länger die Gefahr, dass die Erfolge der Roten Armee und letztlich der Sieg der Sowjetunion infrage gestellt würden. Moskau will aber auch verhindern, dass in Vergessenheit gerät, dass die Sowjetunion mit 27 Millionen Toten den grössten Blutzoll geleistet habe. Die Russen werfen dem Westen und insbesondere der Ukraine Geschichtsklitterung vor.

Im Gleichschritt marschieren hunderte chinesische Soldaten mit dem Gewehr im Anschlag. Im Hintergrund das Logo der Volksbefreiungsarmee.
Legende: Als Vorgeschmack auf die Parade: Soldaten der chinesischen Volksbefreiungsparade bei einer Parade am 1. August 2004. Keystone

China wiederum wehrt sich mit dem Vorwurf der Verdrehung der Geschichte gegen Japans Anspruch auf Inseln im Ostchinesischen Meer. Auch wird Kritik an einer eigenen chinesischen «Geschichtsverzerrung» durch seine Propaganda zurückgewiesen, die die Kommunisten als die wahren Helden des Krieges darstellt. Dabei hatten vor allem die später im Bürgerkrieg nach Taiwan vertriebenen nationalistischen Truppen der Kuomintang gegen die kaiserliche Armee Japans gekämpft.

Premiere für China

Bei der grossen Waffenschau 70 Jahre nach der Kapitulation Japans marschierten 12'000 Soldaten durch die chinesische Hauptstadt. In Formationen flogen 200 Militärflugzeuge über ihre Köpfe hinweg. Rund 500 gepanzerte Fahrzeuge und auch Raketen rollten über die «Strasse des Ewigen Friedens».

Legende: Video Chinesische Militärparade erregt Kritik abspielen. Laufzeit 00:32 Minuten.
Aus Tagesschau vom 02.09.2015.

Es ist die erste Militärparade, die China zum Ende des Krieges abhält. 1000 Soldaten aus 17 Ländern wie Russland, Kuba, Kasachstan, Mexiko, Pakistan und Serbien marschierten mit.

Rund 30 ausländische Staatsgäste nahmen teil, neben Putin auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und Präsidentin Park Geun-hye aus Südkorea, das ebenfalls unter Japans Aggression gelitten hatte. Andere grosse Staatsführer fehlten aber.

«Die Gästeliste ist nicht sehr beeindruckend», sagte Expertin Kristin Shi-Kupfer vom China-Institut Merics in Berlin. «Es mangelt Peking an gewichtigen und einflussreichen Verbündeten.»

Ein Gast per Haftbefehl gesucht

Als einziger europäischer Spitzenpolitiker ist Tschechiens Präsident Milos Zeman angereist. Deutschland und die USA schickten nur ihre Botschafter. Allerdings nahm als «Freund Chinas» der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) teil.

Omar al-Baschir während einer Rede.
Legende: Sudans Präsident Omar al-Baschir wird des Völkermords beschuldigt. Keystone

Kritisch wurde die Einladung von Sudans Präsident Omar al-Baschir kommentiert. Er wird vom Internationalen Strafgerichtshof wegen Kriegsverbrechen und Völkermordes gesucht. Er wurde sogar schon von Staats- und Parteichef Xi Jinping empfangen. China erkennt den internationalen Haftbefehl gegen Al-Baschir nicht an.

Heikel ist die Militärparade nicht nur wegen Chinas Säbelrasseln in den Inselstreitigkeiten mit seinen Nachbarn, sondern auch deswegen, weil sie am Platz des Himmlischen Friedens abgenommen wird. Rund um den Platz hatte die Volksbefreiungsarmee 1989 die friedliche Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Angesichts der anti-japanischen Stimmung im Zusammenhang mit der Parade hatte auch der in China viel gescholtene, rechtskonservative Ministerpräsident Japans, Shinzo Abe, eine Einladung ausgeschlagen.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Jeder trachtet doch im geopolitischen Machtspiel danach sich eine Vorherrschaft zu sichern. Da schalten und walten die Chinesen, die Russen nun mehr eben genau gleich wie es die Europäer (damals als Kolonialherren), die Amerikaner (heute) seit eh & je tun und taten. Was da uns vorgehalten wird, ist eigentlich "nur ein Spiegelbild" unseres eigenen (bisherigen) Verhaltens. - Wir waren/sind nach wie vor ihre Lehrmeister, müsste es eigentlich hier richtigerweise heissen.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Gerade deshalb kann nur ein vereintes, starkes Europa mit diesen imperialistischen Ostmächten mithalten.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ A. Planta: Wenn Europa die Konfrontation sucht, wird es Konfrontation kriegen, wenn Europa Zusammenarbeit anbietet, wird es Zusammenarbeit erhalten.
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    3. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Planta, auch Europa rivalisiert in diesem Machtspiel und da möchte ich nicht unbedingt mitmachen müssen. Ich glaube wir dürfen uns die Möglichkeit NEIN sagen zu können nicht verscherzen oder durch einen EU-Beitritt gar nehmen lassen und müssen so weit als nur möglich auch politisch souverän bleiben. Das tut vielleicht "wirtschaftlich" weh, aber ist längerfristig klüger als einfach mit-laufen und mit-machen. Und das mit dem Mit-reden ist so eine Sache. Da hört keiner auf uns, auch in der EU.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    So lange die aus Protest abwesenden mit den USA wegen ihren Menschenrechtsverbrechen (Kriege, Folter usw.) nicht gleich vorgehen, sind sie unglaubwürdig und ist die entsprechende Berichterstattung verlogen.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Menschenrechte sind nun mal vom Westen erfunden worden. Diese sind aber nicht für die ganze Welt gültig. Der Westen sollte etwas vorsichtiger sein, mit seinen Kritiken, denn wer weiss welche "Gesetze und Vorschriften" fremde Mächte erfinden werden. Ich bin überzeugt, dass die vom Westen verunglimpften Mächte sich nicht ewig auf der Nase herum tanzen lassen. Unsere Menschenrechte dürfen eben nur für den Westen gelten, oder glauben wir wirklich, wir repräsentieren die Welt? wie Gott, uns so?
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Vor allem: der Westen hält sich selbst nicht daran und verliert damit seine Glaubwürdigkeit. Kommt dazu, dass diese gerne als propagandistisches Mittel eingesetzt werden, um in Ungnade gefallene Staaten/Regierungen zu verunglimpfen während andere ohne behelligt zu werden, tun dürfen was sie wollen, wie Saudi-Arabien. D.h. der Westen nimmt seine Werte selbst nicht ernst.
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    2. Antwort von Ursula Schüpbach (Artio)
      Menschenrechte sind universell gültig. Was da eine Einzelperson aus Gwatt denkt, ändert nichts daran.
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