Chinas Premier «erschüttert» über tödlichen Bombenangriff

In Myanmar kämpfen Regierungstruppen gegen chinesischstämmige Rebellen. Zehntausende Flüchtlinge und jetzt ein Bombenabwurf mit vier Toten auf Chinas Seite der Grenze strapazieren die Freundschaft beider Länder.

Nach dem Bombenangriff eines Flugzeugs aus Myanmar mit vier Toten auf Chinas Seite der Grenze hat sich der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang «tief erschüttert» gezeigt. China sei entschlossen, die Stabilität der Grenzregion zu sichern, sagte der Premier am Sonntag zum Abschluss der Jahrestagung des Volkskongresses vor Journalisten in Peking. Seit Freitag patrouillieren bereits chinesische Kampfjets das Gebiet.

Flugzeug

Bildlegende: China reagierte mit der Entsendung von Kampfjets, um weitere Flugzeuge Myanmars vom Grenzgebiet zu verjagen. Reuters

Chinas Militärs gehen von einem versehentlichen Bombenabwurf bei den Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Nordosten des Nachbarlandes aus. Der Vizechef der Militärkommission, Fan Changlong, kündigte aber «entschiedene Massnahmen» an, falls es zu weiteren Vorfällen dieser Art kommen sollte. Die Regierung in Peking fordert von Myanmar eine Untersuchung, Bestrafung der Verursacher und Entschädigung für die Familien der Opfer.

Aus Protest wurde der Botschafter von Myanmar ins Aussenministerium einbestellt. Die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, eine Bombe sei am Freitag auf ein Zuckerrohrfeld bei Chinas Grenzstadt Lincang gefallen und habe vier Arbeiter getötet. Schon am Sonntag hätten Schüsse aus Myanmar ein Haus auf chinesischer Seite beschädigt.

Chinesische Luftwaffe sichert Grenze

Bei ihren Patrouillen entlang der Grenze wird die chinesische Luftwaffe nach eigenen Angaben Flugzeuge aus Myanmar «verfolgen, beobachten, warnen und vertreiben». Peking betrachtet den Konflikt mit den Aufständischen der chinesischstämmigen Volksgruppe der Kokang in Myanmar als innere Angelegenheit des Nachbarlandes. China pflege freundschaftliche Beziehungen zu Myanmar und respektiere dessen Souveränität und territoriale Integrität, sagte ein Sprecher.

Rund 60'000 Menschen sind vor den Kämpfen nach China geflüchtet. Die Kämpfe in der Region Shan sind seit Anfang Februar neu aufgeflammt. Dutzende Soldaten und Aufständische wurden getötet. Die Kokang-Rebellen wollen eine ehemals autonome Region zurückerobern.