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International Chinesische Börsen: Die Party ist vorbei

Fast 30 Prozent haben die Börsen in China in den letzten drei Wochen verloren. Damit findet ein regelrechter Börsen-Boom sein jähes Ende. Betroffen sind vor allem Kleinanleger. Das bringt die Regierung in Bedrängnis.

Ein Börsenhändler beobachtet mit verschränkten Händen über dem Kopf die Kursentwicklungen.
Legende: Niedrige Zinsen und geringere Handelsgebühren konnten den Ausverkauf an Chinas Aktienmarkt bisher nicht stoppen. Keystone

SRF News: Bis vor kurzem war die Börse in China die beste aller Börsen, mit einer Kursentwicklung von 150 Prozent im letzten halben Jahr. Nun fallen die Kurse seit mehreren Tagen. Was passiert gegenwärtig am chinesischen Börsenmarkt?

Martin Aldrovandi: Es geht um die beiden Börsen in Shanghai und in Shenzhen, einer Boom-Stadt in Südchina. Dort betrieben vor allem Kleinanleger intensiven Handel, die in den letzten Monaten unter anderem stark in Technologieunternehmen investiert hatten. Sie haben sich verspekuliert und in den letzten paar Wochen nun viel Geld verloren.

Das heisst, es ist ein Problem von Kleinanlegern, die zu offensiv angelegt haben?

Das kann man so sagen. Entweder kannten sie die Risiken nicht oder wollten nichts davon wissen. Es wurde viel mit geliehenem Geld spekuliert. Allerdings greift es zu kurz, wenn man nur den Kleinanlegern die Schuld gibt.

Es greift zu kurz, wenn man nur den Kleinanlegern die Schuld in die Schuhe schiebt.

Wem denn noch?

Die chinesische Regierung hat den Kleinanleger, den normalen chinesischen Bürger, dazu animiert, in Aktien zu investieren. Es wurden bewusst Schranken abgebaut.

Hat die Regierung die Sprengkraft ihrer Ratschläge falsch eingeschätzt?

Ja. Offenbar hat man nicht mit einem solchen Resultat gerechnet, obwohl es auch in der Vergangenheit schon zu kleineren Booms gekommen ist.

Bleiben wirtschaftliche Erfolge in China aus, lassen Forderungen an die Regierung nicht lange auf sich warten.

Wie gefährlich wird es für Chinas Regierung, wenn breite Massen der Bevölkerung nun in relativ kurzer Zeit so viel Geld verlieren?

Sollte es wirklich zu einem Börsencrash kommen, dann könnte es relativ gefährlich werden – nicht nur für die Regierung, sondern für das Land an sich. Die Regierung setzt viel auf gesellschaftliche Stabilität. Bleiben die wirtschaftlichen Erfolge in China aus, dann lassen die Forderungen an die Regierung nicht lange auf sich warten.

Unternimmt die Regierung etwas, um den Sinkflug der Börsenkurse abzufedern?

Sie hat bereits mit tieferen Leitzinsen und günstigeren Handelsgebühren versucht, den Ausverkauf am chinesischen Aktienmarkt zu stoppen. Das hat allerdings nicht viel gebracht. Eine Art Untersuchungskommission geht zudem Vorwürfen nach, wonach illegale Marktmanipulationen aus dem Ausland Schuld an der Krise seien.

Hat das aktuelle Geschehen an Chinas Märkten nicht auch eine Art reinigende Funktion?

Der Kurs muss korrigiert werden. Viele Firmen und Unternehmen sind völlig überbewertet. Die grosse Frage ist nun, ob die Turbulenzen an den Börsen auf die gesamte Wirtschaft übergreifen werden oder nicht.

Das Gespräch führte Simon Leu.

Abwärtsspirale

Nach Tagen heftiger Kursverluste ist der Shanghaier Leitindex am Freitag um weitere 5,8 Prozent abgestürzt. Der Shenzener CSI300-Index, in dem die grössten börsennotierten Unternehmen beider Handelsplätze vertreten sind, verlor 5,4 Prozent. Seit Mitte Juni ging es an Chinas Aktienmarkt rund 30 Prozent abwärts.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

5 Kommentare

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  • Kommentar von M.Kaiser, Rebstein
    So wird nun dem chinesischen Fussvolk das Geld aus der Tasche gezogen, wie einst bei uns . Wenn eine Firma überbewertet an der Börse angeboten wird ist das Betrug . Und wenn da in China wie im Westen keine Kontrollen vom Staat erfolgen, machen die Banken was sie wollen und treiben jeden Bruchladen in unermessliche höhen , so eine Wirtschaftspolitik ist kriminell und gehört bestraft . Der Nettozahler ist wieder einmal mehr der kleine Mann der glaubt eine gute Wirtschaftsaktie erworben zu haben .
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    1. Antwort von B. Müller, Rebstein
      Sie verkennen die Realität. Niemand MUSS an der Bröse investieren. Durch die Gier getrieben, glaubt der Normalbürger, er könne schnell ohne Leistung reich werden. Niemand tut mir leid der an der Börse Geld verliert. Ich nehme an, Sie gehören zu diesen dazu. Zudem können die wenigstens eine Bilanz lesen...
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Eine harte, wertgerechte Korrektur bei einem überhitzten Markt ist oft heilsam. Für kurzatmige Anleger natürlich nicht optimal. Die chin. Regierung hat in letzter Zeit einiges unternommen, um die Wirtschaft auf längerfristig zu trimmen. Viele populäre börsenkodierte Firmen sind überbewertet. Auch hat CN viel Geld in fremde Märkte investiert, die sich vermutlich erst später auszahlen. Die Konkurrenz versucht die Anleger in CN zu verunsichern. Doch Schwachstellen können so eliminiert werden.
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  • Kommentar von Freddy Tobler, ZH
    Ich finde die These der Marktmanipulation spannend. Gegen wen wird ermittelt? USA hat grosses Interesse daran, aber wäre zu dreist und billig. Glaube doch eher das da die Schuld abgeschoben werden soll, um davon abzulenken das die Blase immer platzen muss, Systemmbedingt. Wieso?Goldschmied Fabian auf YouTube!
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