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International Chodorkowski preist sich als Übergangspräsident Russlands an

Seit der Begnadigung vom russischen Präsidenten Putin lebt der ehemalige Oligarch Michail Chodorkowski in der Schweiz. In der Sendung «Sternstunde Philosophie» legt er seine Vision für ein neues Russland dar und beschreibt die Rolle, die er darin spielen könnte.

Legende: Video «Michail Chodorkowski: Was heisst in Freiheit leben?» abspielen. Laufzeit 60:00 Minuten.
Aus Sternstunde Philosophie vom 07.12.2014.

Eigentlich hatte Michail Chodorkowski nach seiner Freilassung in einer Rede gesagt, dass er der Politik abschwört. In der Sendung «Sternstunde Philosophie» erläutert er aber sein Bild von einer neuen politischen Ordnung in Russland. «Ich habe zwar gesagt, dass mich Politik nicht interessiert, niemals aber habe ich jemandem versprochen, dass ich mich nicht mit Politik befassen werde.»

«Macht des Präsidenten ist diktatorisch»

Der frühere Oligarch ist überzeugt, dass die jetzige Politik des Kremls Russland schade. Ein Beispiel dafür sei die Krim-Krise. Dort hätte über einen Sonderstatus der Halbinsel verhandelt werden sollen. Die Annexion sei falsch und Russland werde für die Völkerrechtsverletzung einen hohen Preis bezahlen müssen.

«Derzeit ist die Macht des russischen Präsidenten dem Wesen nach diktatorisch. Es gibt nur einen Politiker im ganzen Land», sagt Chodorkowski. Das Parlament, die Gerichte und die lokalen Behörden seien lediglich die Entourage Putins. Ein Mann alleine könne ein so riesiges Land wie Russland nicht regieren. Gemäss dem Kritiker ist das Ergebnis davon eine grosse Häufung von Fehlern, die zu einem Qualitätsverlust in Wirtschaft und Gesellschaft führen. «Dieses Problem muss gelöst werden.»

Legende: Video «Chodorkowski bringt sich in Position» abspielen. Laufzeit 0:38 Minuten.
Vom 07.12.2014.

Chodorkowski als Krisenmanager

Dafür bringt sich der Putin-Kritiker gleich selbst in Stellung. Es sei im Moment offensichtlich, dass das Handeln Putins Russland in eine Krise führen werde. Darum brauche es jemanden, der das politische System innerhalb von zwei bis drei Jahren reformiere. «Meinen Erfahrungen und Interessen nach bin ich ein Krisenmanager. Ich könnte mir also gut vorstellen, eine solche Aufgabe zu übernehmen.»

Wer immer ein solches Mandat übernehmen würde, dürfe aber nicht aus Eigeninteresse handeln, hält Chodorkowski fest. Nachdem die notwendigen politischen Reformen durchgeführt worden sind, dürfe sich der Übergangspräsident nicht für eine spätere Neuwahl zur Verfügung stellen.

Offenes Russland nach europäischem Vorbild

Mit seiner Organisation «Open Russia» schwebt dem Kritiker auch eine Vision vor, wie seine Heimat in Zukunft aussehen könnte. Er plädiert für ein offenes Russland, das sich an den modernen zivilgesellschaftlichen Werten Europas orientieren solle.

Dazu gehöre die Verteidigung der Menschenrechte, aber auch der Aufbau eines funktionierenden Rechtsstaates. Dieser solle dafür sorgen, dass vor dem Recht alle Menschen gleich sind, dass es unabhängige Gerichte gibt und dass es eine regelmässige Machtablösung gibt. Dafür möchte er ein Teil der präsidialen Befugnisse ans Parlament und die Gerichte abtreten und so viele föderale Zuständigkeiten wie möglich auf die lokale Ebene verlegen.

Eines ist für den Kritiker schon jetzt sicher: «Das jetzige autoritäre Regime Russlands wird früher oder später nicht mehr existieren – das wissen wir alle.» Chodorkowski möchte mit seiner Organisation aber auch zur Stelle sein, wenn es soweit ist und den Umbau Russlands mitgestalten.

94 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller, Kölliken
    Ob der Chodorkowski sich für das russische Präsidentenamt eignen würde ist schwierig zu beantworten. Jedenfalls schlimmer als mit dem durchgeknallten Putin kann es nicht mehr werden.
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  • Kommentar von C. Sigrist, Bern
    Unglaublich,was sich ein krimineller,der sich nach dem Fall der UDSSR mit seinen Freunden (u.a. Beresowski) das halbe Land unter den Nagel gerissen hat leisten kann.Er reist nach seiner Begnadigung in die Schweiz und macht auf Gutmensch.Aber dass er ganz offensichtlich ein krimineller erster Garnitur ist,der unter dem Trunkebold Jelzin seine Taschen mit dem Rubel des ohne hin schon gebeutelten Russen gefüllt hat,scheint in Bundesbern und in den schweizer Qualitätsmedien niemanden zu stören.Pfui.
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    1. Antwort von Robert frei, Heimberg
      Danke alles richtig. Ich bin froh dass es noch Menschen gibt mit Weitblick.
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    2. Antwort von E.Wagner, Zug
      Doch mich stört das auch.Und wäre froh wenn er uns wieder verlassen würde lieber 10 Asylsuchende ohne Gepäck das wäre Humanität und würde der Schweiz eher zustehen,als diesen Oligarchien aus RU
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  • Kommentar von H. Bernoulli, Zürich
    Das Powerplay der USA gegenüber RU ist beachtlich. Auf allen Kanälen und mit Macht wird gegen den als Feind deklarierten Putin vorgegangen: "Schaden für Russland: Ölpreis stürzt weiter dramatisch ab", "Gastbeitrag Dr. Ron Paul: Rücksichtsloser US-Kongress hat Russland gerade den Krieg erklärt". Wehe, wer sich Washington und dem $-Imperium widersetzt: hier kann man sehen, wozu die USA fähig sind. Man kann vor diessem Land nicht genug warnen.
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