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International Cleveland-Polizist erschoss Jugendlichen aus «Notwehr»

Der Fall hat Amerika aufgerüttelt: Ein Polizist erschoss im November letzten Jahres einen zwölfjährigen Jungen. Nun wurde der Polizeibericht veröffentlicht. Demzufolge hat der Polizist Angst vor einer Erschiessung gehabt.

Legende: Video «Die tödlichen Schüsse (Video vom 27.11.2014)» abspielen. Laufzeit 1:04 Minuten.
Vom 27.11.2014.

Ende November kam es in einer Parkanlage in Cleveland zu einem tragischen Zwischenfall. Ein zwölfjähriger Junge fuchtelte wild mit einer Waffenattrappe herum. Die herbeigerufenen Polizisten hielten die Waffe für echt. Einer der Polizisten erschoss den Jungen.

Der nun veröffentlichte Polizeibericht stützt sich unter anderem auf die Aussage eines FBI-Ermittlers, der nach den tödlichen Schüssen mit dem Polizisten gesprochen hatte. «Er wirkte wie ein Mann, der in eine sehr schwierige Situation geraten war und eine sehr schnelle Entscheidung treffen musste», so der FBI-Ermittler.

Der Polizist habe den Jungen mit der Waffe gesehen und geglaubt, dass er getötet oder schwer verletzt werden könne. Darauf habe er reagiert. Nach den tödlichen Schüssen habe er verstört gewirkt, heisst es weiter.

Gericht empfiehlt Einleitung eines Strafverfahrens

Die Schüsse auf den Jungen waren einer von vielen Vorfällen, bei denen weisse US-Polizisten in den vergangenen Monaten unbewaffnete Afroamerikaner erschossen. Sie lösten damit landesweit immer wieder Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus.

Der Fall habe einige «wichtige Fragen» aufgeworfen, erklärte der Staatsanwalt von Cuyahoga County, Timothy McGinty, bei der Veröffentlichung des Berichts. Für eine «intelligente Debatte» über diese Fragen sei Transparenz unbedingt notwendig.

Der Bericht wird nun einer sogenannten Grand Jury vorgelegt, die darüber entscheiden muss, ob gegen die beiden beteiligten Polizisten Anklage erhoben wird. Am Donnerstag hatte ein Gericht die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Polizisten empfohlen. Er sehe die Grundlage für eine Anklage, erklärte der Richter Ronald Adrine.

Für den Todesschützen zog er unter anderem eine Anklage wegen Totschlags in Betracht. Für eine Anklageerhebung ist laut Gesetz aber letztlich nicht das Gericht zuständig, sondern die Staatsanwaltschaft. Bis zu einer endgültigen Entscheidung über eine Anklageerhebung können noch Monate vergehen.

Grand Jury

Die Grand Jury entscheidet, ob das Beweismaterial ausreicht und Anklage gegen bestimmte Verdächtige zu erheben ist. Ob es dann tatsächlich zu einer Anklageerhebung kommt, entscheidet aber der Staatsanwalt. Die Grand Jury, die vom Staatsanwalt einberufen wird, tagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

12 Kommentare

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  • Kommentar von D. Eber, Rheinfelden
    Der Jugendliche mit der Spielzeug Pistole muss sich Bewusst sein, dass ein Polizeibeamter seine Waffe nicht als Spielzeug ID kann. Wenn man dann noch herumfuchtelt ist man wirklich Selbst schuld. Zudem gibt es ein Video davon, der Polizeibeamte forderte den Jungen auf, die Waffe am Boden zu legen, was dieser nicht tat, anstelle dessen ziehte dieser auf den Polizeibeamten. Das hier ein Strafantrag gestellt wurde, enziehtsich jeglichem Gesunden Menschenverstand.
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  • Kommentar von P. Manser, St. Gallen
    Die gleiche Polizei die vor einem halben Jahr ein afroamerikanische Paar mit 137 (!) Schuss im Auto getötet hat. Die Zielanalyse nach der Schussabgabe kennen die nicht, da wird drauf gehalten. Die amerikanische Presse nannte es: Cleveland’s Trigger Happy Out Of Control Police Officers!
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  • Kommentar von Peter Stuber, Schaffhausen
    Es wird die Zeit kommen, auch bei uns, wo die Angst der Polizisten, erschossen zu werden, berechtigt sein wird.
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Leider wahr... und ehrlich, wenn ich in der CH bin ist unterdessen ein Unwohlsein empfunden wenn man an dunkleren Orten spaziert, und die Hand tastet schon ab und zu zum Guertel, wo normalerweise bei uns in SA die Waffe sitzt.. Auch mein Sohn, erfahrener Karatesportler mit schwarz, geht nicht mehr ueberall hin!.. und das zB in Bern und Thun, DAS sagt genug aus.
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    2. Antwort von Till Berchtold, Basel
      Weshalb glauben Sie das diese Zeit kommen wird?
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