Clinton und Trump marschieren Richtung Kandidatur

Grosse Erfolge für Donald Trump und Hillary Clinton, ein Funken Hoffnung bei der Anti-Trump-Fraktion und Achtungserfolge für Bernie Sanders. Der «Super Tuesday» bei den US-Vorwahlen brachte keine Sensationen, aber kleine Überraschungen.

Porträts von Trump und Clinton

Bildlegende: Trotz Siegen in mehreren Bundesstaaten – Trump und Clinton haben ihre Konkurrenten noch nicht ganz abgeschüttelt. Reuters

Favoritensiege und Hoffnung für die Verlierer: Hillary Clinton und Donald Trump sind am «Super Tuesday» einer Präsidentschaftskandidatur für ihre Partei deutlich näher gekommen. Aber auch die Verfolger liessen hin und wieder aufhorchen.

Die von vielen vorhergesagte Vorentscheidung im Kandidatenrennen ist zumindest erst einmal verschoben. Am 8. und 15. März stehen erneut wichtige Vorwahltermine bevor.

Clinton distanziert Sanders

Die frühere US-Aussenministerin Clinton gewann mit Texas, Tennessee, Virginia, Georgia, Alabama, Massachusetts und Arkansas sieben der elf Staaten. Sie musste aber mit Colorado, Vermont, Oklahoma und Minnesota auch vier Staaten ihrem Herausforderer Bernie Sanders überlassen, der «eine politische Revolution» ausrief.

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Hillary Clinton: «Wir werden Amerika gross machen» (englisch)

1:00 min, vom 2.3.2016

Allerdings strich Clinton ihre Siege in durchschnittlich grösseren Staaten ein und holte sich eine deutliche höhere Zahl von Delegierten. Bei beiden Parteien werden die Delegierten proportional zum Stimmergebnis vergeben. Nicht ausschliesslich die Sieger erhalten Delegierte.

Clintons Kontrahent Bernie Sanders lieferte der früheren First Lady und Ehefrau von Ex-Präsident Bill Clinton in einigen Staaten einen harten Kampf. Sanders gewann nicht nur seinen Heimatstaat Vermont, er siegte auch in Oklahoma, Minnesota und Colorado. Massachusetts gewann Clinton knapp. Im Februar hatte Sanders bereits New Hampshire für sich entschieden.

Sieger bei den Demokraten am «Super Tuesday»

Hillary ClintonAlabama, Arkansas, Georgia, Massachusetts, Tennessee, Texas, Virginia, US-Aussengebiet Samoa.
Bernie SandersColorado, Minnesota, Oklahoma, Vermont

«Im ganzen Land haben Demokraten heute dafür gestimmt, Mauern einzureissen, so dass wir zusammen grossartig sein können», sagte Hillary Clinton bei einem Auftritt in Florida. «Amerika ist stark, wenn wir alle zusammen stark sind. Amerika hat nie aufgehört, grossartig zu sein.»

Trump distanziert Cruz und Rubio

Der umstrittene Immobilien-Milliardär Trump siegte bei den Republikanern in sieben Staaten: Vermont, Georgia, Alabama, Massachusetts, Virginia, Tennessee und Arkansas. Er verlor aber den wichtigen Staat Texas an dessen erzkonservativen Senator Ted Cruz. In Texas ging es bei den Demokraten um 252 und bei den Republikanern um 155 Delegierte. Auch Oklahoma und Alaska gingen an Cruz. Minnesota gewann Marco Rubio.

In Vermont lag Trump mit John Kasich Kopf an Kopf. In vielen Staaten kamen Cruz und Rubio gemeinsam auf deutlich mehr Stimmen als Trump. Cruz rief daher dazu auf, das Feld der republikanischen Bewerber, dem auch der frühere Neurochirurg Ben Carson angehört, zu verkleinern.

«Unsere Kampagne ist die einzige, die Donald Trump geschlagen hat und schlagen kann», sagte Cruz. Solange das Feld der Republikaner mit noch immer fünf Kandidaten so gross bleibe, mache das eine Kandidatur Trumps wahrscheinlicher.

Sieger bei den Republikanern am «Super Tuesday»

Donald TrumpAlabama, Arkansas, Georgia, Massachusetts, Tennessee, Vermont, Virginia
Ted CruzOklahoma, Texas, Alaska
Marco RubioMinnesota
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Trump kritisiert Clinton

0:40 min, vom 2.3.2016

Trump für einmal sachlich

Trump gab sich bei einer Pressekonferenz in Florida für seine Verhältnisse vergleichsweise sachlich. Er wolle die Partei der Republikaner einen und auf Dialog setzen. «Ich bin einer, der die Wahrheit sagt, und ich werde die Wahrheit sagen», beteuerte der Immobilienmogul aus New York.

Die Parteiführung der Republikaner stemmt sich vehement gegen eine Kandidatur des exzentrischen Quereinsteigers. Marco Rubio, Hoffnungsträger des Establishments, konnte jedoch die Wähler erneut nicht überzeugen. Lediglich in Minnesota gelang ihm ein Sieg. In Virginia unterlag der Senator aus Florida Trump knapp. In vielen anderen Staaten wurde er aber teilweise sogar von Cruz oder Kasich auf Rang drei verwiesen und könnte bei der Vergabe der Delegierten dort leer ausgehen.

Rubio gibt noch nicht auf

Rubio erklärte vor Anhängern, in zwei Wochen in seinem Heimatstaat Florida werde er richtig angreifen. Er bezeichnete Trump als Trickbetrüger. «Die Partei von Lincoln und Reagan und die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten werden niemals von einem Hochstapler übernommen werden», rief Rubio.

Anders als Rubio konnte der Texaner Cruz positive Stimmung in Wahlergebnisse ummünzen. Der erzkonservative Senator fuhr in seinem Heimatstaat Texas einen klaren Sieg ein und konnte auch in Oklahoma Trump auf Distanz halten. Cruz hat damit nach seinem Sieg in Iowa zum Auftakt des Vorwahlreigens bereits drei Siege auf dem Konto.

Wann sind sie am Ziel?

Am «Super Tuesday» wurden rund 20 Prozent aller Delegierten vergeben; 600 bei den Republikanern und rund 1000 bei den Demokraten. Um nominiert zu werden, muss ein republikanischer Bewerber auf mindestens 1237 Delegierte kommen, ein demokratischer auf 2383.

Der «Super Tuesday» im Détail

Sendung zu diesem Artikel

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Viele der klassischen Republikaner reiben sich nach dem «Super-Tuesday» verwundert die Augen: Was ist mit ihrer Partei passiert?

    «Super Tuesday» – kein guter Tag für traditionelle Republikaner

    Aus Rendez-vous vom 2.3.2016

    Die Vorwahlen in zwölf US-Bundesstaaten haben die Mitte-Rechts-Republikaner enttäuscht: Kandidat Marco Rubio hat nicht die erhofften Ergebnisse erzielt. Ist Aussenseiter Donald Trump noch zu verhindern? Das Partei-Establishment ist geschockt, verwundert – und rechnet mit dem Schlimmsten.

    Reportage aus Virginia.

    Beat Soltermann