Clintons Mailverkehr: «Das war fahrlässig»

Aus Bequemlichkeit soll Hillary Clinton ihren gesamten E-Mailverkehr über eine persönliche E-Mailadresse abgewickelt haben. Peanuts oder ein Sicherheitsrisiko? SRF-Digitalredaktor Guido Berger klärt auf.

Hillary Clinton mit einem Smartphone in der Hand.

Bildlegende: Wie sicher war der E-Mailverkehr von Hillary Clinton wirklich? Keystone

Aufregung um die ehemalige US-Aussenministerin und mögliche demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton. Sie hat in ihrer Amtszeit von 2009 bis 2013 ihre persönliche E-Mailadresse hdr22@clintonemail.com genutzt, um ihre diplomatische Korrespondenz zu führen. Sie beteuert, keine Staatsgeheimnisse vermailt zu haben. Und: Die Sicherheit soll jederzeit gewährleistet gewesen sein. Ist dem wirklich so?

«  Einem Angriff einer staatlichen oder kriminellen Organisation könnte Clintons auch ein privates IT-Team nicht widerstehen. »

Guido Berger
SRF-Digitalredaktor

«Es ist anzunehmen, dass sie ihre eigene E-Mailadresse irgendwie gesichert hat», schätzt SRF-Digitalredaktor Guido Berger die Situation ein. Falls Clinton über ein eigenes IT-Team verfüge, dann müsste es in der Lage sein «einem Angriff einer staatlichen oder kriminellen Organisation zu widerstehen.» Allerdings: Das Team könne vielleicht ein «Wald-und-Wiesen-Hacker» abhalten, aber sicher kein Geheimdienst. «Da wäre sie mit ihrer offiziellen Adresse beim State Departement besser geschützt gewesen.»

Aus technischer Sicht sei die Aufregung um den E-Mailverkehr sicher begründet, sagt Berger. «Zwar hat sie nach eigenen Angaben keine E-Mails mit sensitivem Inhalt verschickt. Falls doch, dann war das von der persönlichen E-Mailadresse aus fahrlässig.» Allerdings sei die Enthüllung ihrer Kommunikationspanne im politischen Kontext zu sehen – 2016 sind Präsidentschaftswahlen.

Die Zügel in der Hand behalten

Clinton argumentiert, dass sie nicht zwei Handys brauchen wollte, um ihren privaten und offiziellen E-Mailverkehr abzuwickeln. Für SRF-Digitalredaktor Guido Berger ist das menschlich verständlich, aber für eine Aussenministerin keine Entschuldigung. «Sie verhält sich wie ein Normalbürger ohne offizielle Verpflichtung. Zwei Handys dürften in ihrer Position kein Problem darstellen.»

Die persönliche E-Mailadresse im Amt zu nutzen, ist nicht ausdrücklich verboten. Allerdings kann diese Vorgehen gegen andere Regelungen verstossen. So müssen die ministeriellen E-Mails per Gesetz archiviert werden. Zwar hat Clinton vor zwei Monaten rund 55‘000 Seiten an elektronischer Post ans Bundesarchiv weitergereicht. Das ist allerdings bereits eine Auswahl. Nach den Worten der Ex-Aussenministerin wurden alle E-Mails mit persönlichem Inhalt gelöscht.

«Damit hat Cliton die Auswahl getroffen, was nun an die Öffentlichkeit gelangt», sagt Guido Berger. Im Gegenzug sei es nicht sinnvoll, den gesamten E-Mailverkehr zu veröffentlichen. Das habe bereits der Fall Jeb Bush gezeigt.

Neuer Trend seit Obama

Und wieso betreiben die Clintons auf ihrem Anwesen überhaupt einen eigenen Mailserver? «Seit dem Wahlkampf von Barack Obama gehört ein IT-Team zum guten Ton», erklärt der SRF-Digitalredaktor. Dazu gehöre auch ein eigener Server. Doch genau das sei auch der Haken, meint Berger weiter. «Wenn man es selber macht, dann braucht man Ressourcen und Know-how. Wenn man jemanden engagiert, um den Server zu betreuen, braucht man vertrauenswürdiges Personal.»

Sendebezug: SRF 4 News 17:00 (10.03.2015)

Jeb Bushs Mails

Um Transparenz bemüht, hat der mögliche republikanische Präsidentschaftsanwärter kürzlich seinen E-Mailverkehr als Gouverneur von Florida veröffentlicht. Ein Fiasko, denn die elektronische Post enthielt Namen, Geburtsdaten und Sozialversicherungsnummern von 12‘000 US-Bürgern – die drei Schlüsselinformationen, um Personen zu identifizieren.