Zum Inhalt springen

Header

Audio
In Dänemark herrscht Maskenpflicht im öffentlichen Raum
Aus SRF 4 News aktuell vom 16.09.2020.
abspielen. Laufzeit 06:06 Minuten.
Inhalt

Corona-Lage «Lockdown light» in Dänemark – Schweden auf gutem Weg

Dänemark weist eine starke Zunahme der Corona-Infektionen auf, während sie in Schweden sinken. Schuld seien die festfreudigen jungen Däninnen und Dänen, weiss SRF-Nordeuropamitarbeiter Bruno Kaufmann.

Bruno Kaufmann

Bruno Kaufmann

Skandinavien-Korrespondent

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Bruno Kaufmann berichtet seit 1990 regelmässig für SRF über den Norden Europas, von Grönland bis Litauen. Zudem wirkt er als globaler Demokratiekorrespondent beim Internationalen Dienst der SRG, swissinfo.ch/directdemocracy, Link öffnet in einem neuen Fenster.

SRF News: Sie waren in der Region Öresund – in Malmö auf schwedischer und Kopenhagen auf dänischer Seite. Wie waren Ihre Eindrücke?

Bruno Kaufmann: In Kopenhagen war es viel ruhiger als in Malmö. Schon im Zug von Schweden nach Dänemark wurde man auf der Öresund-Brücke dazu angehalten, eine Gesichtsmaske anzuziehen – in Dänemark wurde die Maskenpflicht vor wenigen Tagen eingeführt. Die Stimmung war ein wenig wie im März, als ich mich bei Verkündung des Lockdowns in Norwegen aufhielt und sich die Leute teilweise etwas schockiert gezeigt hatten.

Dänemark vs. Schweden

Textbox aufklappenTextbox zuklappen
Schwedische und dänische Flagge
Legende:Reuters

Lange Zeit galt Dänemark als Vorbild bei der Bekämpfung des Coronavirus. Mit früh verfügten und harten Massnahmen gelang es dem Land, die Zahl der Infizierten tief zu halten. Schweden dagegen schränkte das öffentliche Leben vergleichsweise wenig ein, setzte auf Selbstverantwortung und verzeichnete als Folge in den Monaten April bis Juli sehr hohe Covid-Fallzahlen mit entsprechend vielen Todesfällen.

Warum sind die Zahlen der Corona-Infektionen in Dänemark in den letzten Wochen derart stark angestiegen?

Das Virus verbreitet sich vor allem unter jungen Däninnen und Dänen rasch. Sie genossen die wiedergewonnenen Freiheiten in den vergangenen Wochen ausgelassen – es wurde kräftig Party gemacht. Dabei gingen die Vorsichtsmassnahmen offenbar vielerorts vergessen.

Die jungen Dänen haben heftig Party gemacht – dabei gingen die Vorsichtsmassnahmen vergessen.

Die dänischen Behörden machten am Dienstag denn auch darauf aufmerksam, dass es so nicht gehe. Sie dehnten die Maskenpflicht auf Restaurants und Cafés aus. Ausserdem müssen diese jetzt um 22.00 Uhr schliessen. Die Dänen wurden dazu aufgefordert, sich in den nächsten Monaten mit höchstens zehn Personen zu treffen. Es wurde also so etwas wie ein Lockdown light verordnet.

Protestierende.
Legende: Nicht alle Däninnen und Dänen sind mit der Maskenpflicht einverstanden: Protest vor dem Parlament in Kopenhagen. Reuters

In Schweden dagegen herrscht keine Maskenpflicht, es gibt nur milde Einschränkungen in Restaurants und Bars. Warum sind dort die Corona-Ansteckungszahlen dennoch zurückgegangen?

Noch vor zwei Monaten war in Schweden jeder fünfte Coronatest positiv, jetzt ist es weniger als jeder 50. Das hat wohl auch damit zu tun, dass die schwedischen Behörden schon sehr früh von einem langen Prozess der Pandemie sprachen.

In Schweden muss der Einzelne Verantwortung tragen, ohne dass er ständig mit neuen Massnahmen konfrontiert wird.

Die Schwedinnen und Schweden mussten sich von Beginn weg auf eine Art «neuen Alltag» mit Corona einstellen, der Monate oder gar Jahre dauern könnte. Das scheint sich jetzt zu bewähren – der Einzelne muss Verantwortung tragen, ohne dass er ständig mit neuen und wechselnden Massnahmen konfrontiert wird. Ob dieser Kurs tatsächlich erfolgreicher ist, wird sich im Herbst und Winter zeigen.

Zwei Ritter auf Pferden mit Flaggen in einem Touristendorf in Schweden.
Legende: Ritter auf Pferden mit Botschaft: In Schweden wird auch mit unüblichen Aktionen an die Corona-Regeln appelliert. Reuters

Wie kommen diese deutlichen Unterschiede zwischen den beiden so nahe beieinander liegenden Ländern Schweden und Dänemark zustande?

Sie waren lange Rivalen im nordeuropäischen Machtgefüge. Dänemark ist inzwischen ein sehr kleines Land, es hat seine Kolonien verloren, die Menschen leben nahe beieinander. Die Dänen gelten als die eher lockereren Zeitgenossen – gegenüber den eher strengen, zurückhaltenden Schweden.

Die Dänen gelten als die eher lockereren Zeitgenossen – gegenüber den eher zurückhaltenden Schweden.

Ich erinnere mich an die Eröffnung der Öresund-Brücke vor 20 Jahren: Damals kamen die Menschen von der schwedischen und dänischen Seite her mit den Velos, um sich in der Mitte zu treffen. Die Schweden waren alle gut ausgerüstet mit Helmen auf intakten Velos. Ihnen kamen die Dänen entgegen – ohne Helm und auf lotterigen Fahrrädern. Jetzt, als es bei der Rückfahrt nach Malmö auf der Öresund-Brücke im Zug hiess, man verlasse Dänemark und könne die Gesichtsmaske jetzt abnehmen, kam schon irgendwie das Gefühl einer verkehrten Welt auf.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

SRF 4 News aktuell vom 16.9.2020, 07.15 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

83 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marion Knoth  (MarionK)
    Hier kann man die Anzahl bestätigter Fälle in Schweden nachsehen:
    https://covid19.se/

    Danke @Lungile Gyger (Lu Gyger) !

    87'575 bestätigte Fälle in Schweden, 48'795 in der Schweiz

    Soviel zu den disziplinierten und distanzierten Schweden. (Ironie)
    Zu sagen, die Schweden hätten sich wegen ihrer Mentalität oder wegen ihrer gestrengen Massnahmen gar nicht angesteckt, ist falsch.

    Warum die Schweden heute so tiefe Zahlen haben, hat einen anderen Grund! Denke sich jeder, was er mag...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Samuel Blatter  (samuel.blatter)
    @srf: es wäre aus meiner Sicht mehr als angebracht, auf die strengen Regeln und Empfehlungen in Schweden hinzuweisen. Es ist nicht der erste Bericht, der ein völlig falsches Bild vermittelt!

    1. Es gilt ein Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 50 Teilnehmern.
    2. Gäste dürfen nur an Tischen, nicht aber an der Bar bedient werden.
    Ein Mindestabstand von 1,5 Metern soll eingehalten werden (in Restaurants: 1 Meter).
    3. Universitäten und Hochschulen wird empfohlen, online zu unterrichten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Walter Witzig  (WaWi)
      Und wie genau sollen das strenge Massnahmen sein?
      Beschränkungen bei der Anzahl Personen bei Veranstaltungen gibt es praktisch überall. Die 1,5m sind ebenfalls praktisch weltweit unisono.
      Und bezüglich "Empfehlung" für Onlineunterricht würde ich gerne tauschen, gegen unseren Maskenwahnsinn an den Schulen + ebenfalls Empfehlung auf Onlineunterricht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marion Knoth  (MarionK)
    @SGF: Dem widerspricht die isländische Antikörperstudie, die vor ein paar Tagen erschienen ist und die eine der weltweit grössten und längsten Studie ihrer Art ist. Ebenso steht auf der Homepage des RKI, dass Experten heute davon ausgehen, dass eine Reinfektion von Genesenen unwahrscheinlich ist.
    Ihre Informationen sind veraltet.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Knoth:@Knoth:RKI Stand 16.9.2020:https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste_Klinische_Aspekte.html#FAQId13985908 oder https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Projekte_RKI/SeBluCo_Zwischenbericht.html.
      Island Studie:Korrekt,bei Genesenen konnten Antikörper in gleicher Menge nach 4 Monaten fesdtgestellt werden.Das sind für die Forschung erfreuliche Fortschritte,hilfreich bei der Impfstoffforschung,mehr aber nicht.S.auch Komm. Prof.Althaus/Uni Bern auf Focus online.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen