Crew der Boeing 777 muss Rede und Antwort stehen

Nach dem folgenschweren Flugzeugcrash in San Francisco laufen die Untersuchungen auf Hochtouren. US-Ermittler haben mit der Vernehmung der Besatzungsmitglieder begonnen. Im Zentrum steht die Frage nach der Geschwindigkeit beim Landeanflug.

Zwei Tage nach der Bruchlandung einer Boeing 777 auf dem Flughafen von San Francisco gibt es noch keine offizielle Erklärung für das Unglück. Die vier Piloten und die übrige Crew von Flug 214 der südkoreanischen Fluggesellschaft Asiana Airlines sollten nun zum Hergang des Unfalls Auskunft geben, teilte die Chefin der US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB, Deborah Hersman, mit.

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Augenzeugen-Video der abgestuerzten Maschine (unkomm.)

0:48 min, vom 9.7.2013

Für die langwierigen Ermittlungen sind auch Experten des südkoreanischen Verkehrsministeriums in die USA geflogen.

Geschwindigkeit ist nicht Sache der Fluglotsen

Das Cockpit-Personal werde zur viel zu niedrigen Geschwindigkeit beim Landeanflug befragt. Die Unglücksmaschine habe den Flughafen zu langsam und zu tief angeflogen, erklärte Hersman. Statt mit empfohlenen 253 Stundenkilometern habe die Maschine mit einer Geschwindigkeit von nur 196 Stundenkilometern die Landebahn erreicht.

Hersman betonte, dass die Verantwortung für die Landegeschwindigkeit bei der Besatzung und nicht bei den Fluglotsen liege. Den ersten Erkenntnissen der Ermittler zufolge hätten beide Motoren des Jets funktioniert. Auch die Landekurve des Flugzeugs sei normal verlaufen, sagte Hersman.

Pilot war noch im Training

Bei der Suche nach den Ursachen des Unglücks rückte die Crew von Air Asiana in den Mittelpunkt. Die Fluggesellschaft teilte mit, dass der Pilot noch im Training mit der Boeing 777 gewesen sei und mit diesem Flugzeugtyp erst 43 Flugstunden absolviert habe.

Allerdings hatte der 46-Jährige nach Airline-Angaben insgesamt schon mehr als 9000 Flugstunden verbucht und konnte sich zudem auf einen erfahrenen Ausbilder als Co-Piloten stützen. Air Asiana wies Spekulationen über einen Pilotenfehler als «unerträglich» zurück.

Mädchen möglicherweise überfahren

An Bord des Fluges von Shanghai über Seoul nach San Francisco waren 291 Passagiere und 16 Mitglieder des Bordpersonals. 123 Insassen kamen unverletzt davon. Zwei Chinesinnen im Alter von 15 und 16 Jahren starben, alle übrigen 182 Menschen an Bord wurden zum Teil schwer verletzt.

San Franciscos Feuerwehrchefin Joanne Hayes-White musste einräumen, dass eines der beiden gestorbenen Mädchen möglicherweise von einem herbeieilenden Löschfahrzeug überrollt und tödlich verletzt wurde. «Das könnte im Chaos passiert sein», sagte sie der Zeitung «San Francisco Chronicle». Einem Gerichtsmediziner zufolge wies die Jugendliche jedenfalls keine schweren Brandwunden auf.

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Nach der Notlandung der Boeing 777 in San Francisco

1:49 min, aus Tagesschau vom 8.7.2013

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