Cyberwar: Pentagon-Chef kritisiert China

Die USA und China: Zwei Supermächte, die ohne kriegerische Mittel versuchen, ihre Position zu halten, respektive auszubauen. Die USA beklagen sich aber zunehmend darüber, dass die Chinesen virtuell Krieg gegen sie führen. US-Verteidigungsminister Hagel hat China scharf kritisiert.

Zunächst handelte es sich vor allem um Angriffe auf die Computer amerikanischer Firmen. Doch in den vergangenen Monaten haben sich chinesische Hacker sogar Zugang verschafft zu rund zwei Dutzend US-Waffensystemen. Und: Diese Hacker sind nicht einfach chinesische Privatleute, dahinter stecke vielmehr das Regime in Peking. Davon sind die USA seit geraumer Zeit überzeugt.

Nun erhebt Verteidigungsminister Chuck Hagel erstmals die Anschuldigung ganz unverblümt: Washington wolle nun mit China Klartext reden über das Problem. «Es braucht allseits akzeptierte rechtliche Normen und Verhaltensgrundsätze», fordert Hagel.

«Cyberangriffe sind wie militärische Angriffe»

Auch auf neuen Feldern, zum Beispiel dem Internet, müssten weltweite Regeln gelten. Denn Cyberangriffe seien, so der Pentagon-Chef letztlich ebenso gefährlich wie militärische Angriffe zu Wasser, zu Land und in der Luft.

Die von ranghohen Militärs angeführte chinesische Delegation reagierte pikiert auf Hagels Kritik. Als Sprecherin schickte sie Generalmajorin Yao Yunzhou vor – und zwar für einen verbalen Gegenangriff: Die USA würden zwar behaupten, ihre heute konkretisierte massive Verstärkung der Militärpräsenz im asiatisch-pazifischen Raum richte sich nicht gegen China. Doch China habe grosse Zweifel.

Yao Yunzhou stellte die Frage in den Raum: Was unternimmt Washington, um Peking von seinen guten Absichten zu überzeugen – davon, dass die USA ein freundschaftliches Verhältnis anstreben?

Chuck Hagel Shangri-La-Dialog in Singapur.

Bildlegende: Cyberspionage, Sabotage und Hackerangriffe: Für Pentagon-Chef Cuck Hagel steckt China dahinter. Keystone

Die USA fordern intensiven Dialog

Chuck Hagel war zweifellos klar, dass seine überraschend deutlichen Worte zur Cyberproblematik von den Chinesen nicht goutiert würden. Aber offenkundig sind die USA ernsthaft besorgt über die zunehmenden Angriffe.

Ausserdem wollte der Verteidigungsminister ein Signal setzen. Kommende Woche steht das Thema nämlich gleich zweimal ganz oben auf der Agenda. Zum einen beim Nato-Verteidigungsministertreffen, das ganz der Cyberverteidigung gewidmet ist. Zum andern beim Treffen von US-Präsident Barack Obama mit Chinas Premierminister Xi Jiping. Washington scheint bei der Abwehr von Cyberattacken eine harte Gangart durchsetzen zu wollen.