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International Dänemark ist empört über russische Atomdrohung

Die Nuklear-Drohung des russischen Botschafters gegen das Gastland Dänemark löst heftige Kritik aus. Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann wertet die verbale Attacke als Ausdruck der zunehmend westkritischen Stimmung in Russland. Die Diplomat habe aber wohl in Kopenhagen in eigener Regie geredet.

Botschafter Michail Wanin.
Legende: Botschafter Michail Wanin ärgert die Dänen mit einem Zeitungsinterview. Keystone/Archiv

«Wenn das passiert, werden dänische Kriegsschiffe zu Zielen für russische Nuklearraketen.» Mit diesen Worten kommentierte der russische Botschafter in Kopenhagen, Michail Wanin, am Sonntag die längst bekannten Pläne Dänemarks, sich dem Nato-Raketenschutzschild anzuschliessen.

Die russische Atomwaffendrohung löste in Dänemark von links bis rechts grosse Empörung aus: «Die Rechtskonservativen betonen jetzt, wie wichtig die Einbindung in den Nato-Schutzschild sei. Die links-grüne Seite mutmasst sogar, dass der Botschafter zu tief ins Wodka-Glas geschaut habe», berichtet Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. Alle Seiten samt der Regierung seien sich einig, dass der Mann abgezogen werden müsse, da er für die Beziehungen nicht hilfreich sei.

Verhärtung bahnt sich seit Längerem an

Dänemark hatte die Beteiligung am Nato-Schutzschirm bereits im letzten Sommer angekündigt. Dass die verbale Attacke gerade jetzt kommt, hängt laut Kaufmann wohl mit den zunehmend westkritischen Stimmen auch in Russland zusammen. Diese hätten womöglich den Diplomaten zu seinen Aussagen ermutigt.

In den letzten Monaten gab es im ganzen nordeuropäischen Raum immer wieder kleine Scharmützel. Mit den Grenzverletzungen von russischer Seite in der Luft, im Wasser und teils auf dem Land gegenüber Finnland, Schweden und dem Baltikum verschärfte sich auch die diplomatische Sprache.

Klare Linie Dänemarks seit vielen Jahren

Das historische Verhältnis zwischen Dänemark und Russland ist nicht unproblematisch, obwohl die baltische See die Nationen trennt. So erhob die damalige Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend Anspruch auf die dänischen Inseln in der Ostsee, namentlich Bornholm als östlichste Gemeinde Dänemarks. Dänemark als Nato-Gründungsmitglied fand dann insofern einen Ausgleich, als dass es auf Nato-Atomwaffen auf eigenem Terrain verzichtete.

«Zugleich hat sich Dänemark in den letzten 15 Jahren klar in eine aktivistischere westlichere Sicherheitspolitik eingebunden», stellte Kaufmann fest. Das begann mit der Irak-Invasion der USA, als sich Dänemark ganz klar an die Seite von Präsident Bush stellte.

Man machte auch in Libyen und Afghanistan sehr aktiv mit. Das Land beteiligt sich auch mit eigenen Kampfjets am Schutzschirm im Baltikum. Dazu kommt der Anspruch auf die Arktis, wo sich Dänemark in den letzten Jahren ganz klar positioniert hat und in direktem Interessenkonflikt mit Russland steht.

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71 Kommentare

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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    @F. Buchmann. Ja, vieles ist ungerecht, es gibt nicht nur schwarz (Putin) und weiss (USA). Sie finden es falsch und ungerecht die Ursachen in den USA zu suchen... aber man darf die Augen nicht verschliessen, weil sie nicht ins vorgestrickte Schema passen. Objektivität könnte weiterhelfen. Die allererste Frage ist einmal: wo haben die USA in den letzten Jahren erwiesenermassen Angriffskriege geführt? - und warum? Nur schon die Beantwortung dieser Fragen öffnet die Augen - falls man das will.
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      m.mitulla, wie eifrig Sie doch versuchen, mich zu "bekehren" :-) Ich stelle einfach nüchtern fest: Die Putin-Propaganda hämmert täglich den Russen das Feindbild USA ein, und die westlichen Foren werden überschwemmt von Beiträgen, die hier das Gleiche versuchen. Wie viele Kriege haben die USA in den letzten Jahren beendet oder gar nicht erst angefangen? Und wer wütet da eigentlich in der Ukraine, aber auch in Tschetschenien, Armenien, Georgien? Wer bedroht Dänemark, Estland usw.?
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  • Kommentar von David Neuhaus, Winterthur
    @Waeden, es ist so offensichtlich das es schon fast schmerzt wenn man sieht was für Verrenkungen gemacht werden um es nicht sehen zu wollen.
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Ich schlage vor, dass Dänemark sofort aus der NATO austritt und Herrn Rasmussen wegen "Steuerdelikten" an die russische Justiz ausliefert, um den "sensiblen" Potentaten im Kreml zu beruhigen :-) Was ist doch das kleine Dänemark für ein schrecklich böses Land, dass der grosse Putin ihm mit seinen Atomraketen drohen muss :-)
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  • Kommentar von Felix Buchmann, Bättwil
    Es ist absolut indiskutabel, ein kleines Land mit solchen Drohungen einschüchtern zu wollen. Putin-Russland wird mit diesem Verhalten das Gegenteil erreichen. Anstatt Grossmacht zu spielen, sollte man sich besser auf die Entwicklung des eigenen rückständigen Landes konzentrieren. Die eminente Schriftstellerin S.Alexijewitsch hat den psychischen Zustand der postsowjetischen Gesellschaft treffend analysiert, der zu solchen Entgleisungen führt. Da kommt noch einiges auf uns zu....
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    1. Antwort von m.mitulla, wil
      @F.Buchmann. "Das kleine Land" streitet um mögliche Ölvorkommen in der Arktis. Kanada, die USA, Russland und Norwegen tun dies auch, und es gibt noch weiter "Anwärter", die allerdings keine Anrainerstaaten sind, und somit schlechtere Chancen haben. Im aktuellen Konflikt kann sich Dänemark hinter der Nato verstecken und gegenüber Russland weiter provozieren. Es geht in diesen Tagen um Provokationen und Propaganda - auf beiden Seiten. Die Auswirkungen wird Europa zu tragen haben - nicht die USA.
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      War jetzt nicht Vorgänger als NATO-Oberhaupt ein Däne? Derjenige, welche immer so gegen Russland gezündelt hat? Derjenige, welcher damals schon alle NATO-Mitglied-Staaten dazu aufgefordert hatte auf zu rüsten? Somit ist ja alles sehr offensichtlich.
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    3. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Kaum meldet sich ein nonkonformer Kommentator zu Wort, stehen schon die üblichen "Allesversteher" auf der Matte, um ihren Putin in Schutz zu nehmen. Putin-Russland fühlt sich schon seit Jahren so ziemlich von allem "provoziert". Deswegen gleich mit Atomraketen zu drohen, deutet auf eine bedenkliche geistige Verfassung hin. Ich verweise nochmals nachdrücklich auf Frau Alexijewitsch, die das alles so treffend analysiert.
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    4. Antwort von David Neuhaus, Winterthur
      @mitulla, ihr Kommentar ist fundiert und schlüssig. Nur befürchte ich das damit gewisse Leute schlichtweg überfordert sind, was ja die "eminenten" Aussagen bezeugen.
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    5. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      D.Neuhaus, bevor Sie sich über "eminente" Aussagen mokieren, lesen Sie vielleicht einmal das hier: http://www.nzz.ch/feuilleton/rueckfall-in-unselige-zeiten-1.18501579 – Es ist kein Zeichen von Beschränktheit, wenn man Putins Scharfmacherei mit grösster Sorge verfolgt....
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    6. Antwort von m.mitulla, wil
      @F. Buchmann. Die Drohung Putins mit Atomraketen zeugt von Aggression - das ist Fakt. Ich finde trotzdem, dass die vielen Provokation, sowohl von Dänemark selbst, als auch von den USA/ Nato als ursächlich betrachtet werden müssen. Im übrigen wird das Minsk 2 Abkommen immer noch nicht eingehalen - und zwar von Kiew. Die Liste über die Gebiete mit Teilautonomien im Osten der Ukraine will Kiew nicht erstellen, obwohl es verhandelt und unterschrieben worden ist - auch von Poroschenko.
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    7. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      m.mitulla, ich finde es schon mal positiv, dass auch Sie die russische Atomdrohung als Zeichen von Aggression bezeichnen! Schade, dass Sie dann gleich eine (Teil-)Entschuldigung nachschieben, weil der Westen halt angeblich "provoziert" haben soll. Mit Verlaub: Das ist doch einfach nicht wahr! Minsk 2: Das Abkommen ist ein sehr fragiles Konstrukt, und seine Umsetzung wird von beiden Seiten gefährdet. Es ist falsch und ungerecht, einmal mehr reflexartig die ganze Schuld bei Kiew zu suchen!
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