Dalia Grybauskaite – die neue «Eiserne Lady» Europas

Die litauische Präsidentin ist bekannt für ihre markigen Worte und die harte Haltung gegenüber Russland. Sie hält das Land für einen Agressor, mit dem in keinster Weise eine Kooperation denkbar ist. Dass mit dieser Meinung aneckt, nimmt sie gerne in Kauf.

Aufnahme von Dalia Grybauskaite

Bildlegende: Dalia Grybauskaite setzt sich energisch gegen die Politik Russlands ein. Reuters

Die Litauerin Dalia Grybauskaite ist die Wortführerin in der Nato und in der EU, wenn es um eine klare Sprache gegenüber Moskau geht. Sie scheut weder harte Worte noch Taten.

Der Mangel an Führung in der westlichen Welt, der Mangel an Entschlossenheit, Moskau die Stirn zu bieten, lade Präsident Wladimir Putin regelrecht ein, immer weiter zu gehen. Als Beispiele nennt sie die Krim, die Ostukraine und Syrien. «Wenn man solche aggressives Verhalten duldet, wenn man sich duckt, wiederholt man die Fehler der Geschichte.» Gemeint ist damit der Zweite Weltkrieg.


Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite

4:28 min, aus Echo der Zeit vom 13.02.2016

Taten statt Worte

Die 59-jährige weiss sich auch privat zu wehren. Sie hat den schwarzen Gürtel in Karate und wirkt ausgesprochen energisch mit ihrer blondierten Helmfrisur. Obschon sie als Unabhängige politisiert, keine Partei im Rücken hat, wurde sie 2009 mit Bravour gewählt und seither noch deutlicher wiedergewählt.

Schon als EU-Haushaltskommissarin, später als Finanzministerin galt sie als Macherin. Sie setzt auf Taten statt Worte und fordert das auch gegenüber den Russen: Schauen, was sie tun und nicht glauben, was sie sagen.

Sie begründet ihre harte Haltung mit der Angst der Bevölkerung in den drei baltischen Staaten. Angst, die durchaus begründet sei.

«Schon jetzt im Propagandakrieg»

«Schon jetzt findet gegen mein Land ein Propaganda-, ein Informationskrieg statt. Mit dem Ziel, die Bevölkerung aufzuwiegeln», sagt Grybauskaite. Russland rüste zudem unmittelbar an den Grenzen immer stärker auf, taktische Atomwaffen in Kaliningrad inklusive. Und ständig patrouillierten russische Kampfflugzeuge heimlich über der Ostsee. All diese unkonventionellen Methoden würden jetzt schon angewendet.

Taten statt Worte, so lautet auch Grybauskaites Prinzip in der Wirtschaft. Sie sorgte für den Bau eines Flüssiggas-Hafens. So ist ihr Land nicht länger abhängig von russischem Erdgas, brauchte die Verträge mit Gasprom nicht zu verlängern und kann gar die Nachbarstaaten Estland und Lettland mit Flüssiggas versorgen. Unabhängigkeit schaffe auch der Aufbau eines Elektrizitätsnetzes mit Schweden.

Konfrontation ist der einzige Weg

Forsch antwortet sie auch, wenn man sie darauf anspricht, dass Litauen, wie Osteuropa überhaupt, wenig Solidarität beweise bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Man müsse die Ursachen der Flüchtlingsströme bekämpfen, also primär den Krieg in Syrien, den Russland momentan zusätzlich verschärfe.

Gäbe es aber nicht auch einen andern Weg als die Konfrontation? Liesse sich nicht selbst mit Putin-Russland ein modus vivendi finden? Sie schüttelt den Kopf.

Provokation in Kauf nehmen

Klar, irgendwann müsse jedes Land nüchtern seine Zukunft planen. Auch die russische Regierung müsse sich dieser Realität stellen. Erst dann könne man wieder kooperieren.

Noch sei davon aber wenig zu spüren, noch sei Russland kein Partner, sondern ein Aggressor. Aus diesem Grund rückt die litauische Präsidentin nicht von ihren scharfen Worten ab.

Manche ausländische Amtskollegen finden, dass sie Russland damit nur unnötig provoziere. Das ficht sie auch gar nicht erst an. Denn: Man müsse doch die Wahrheit sagen. Auch die unangenehme.