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International «Das ist eine sehr, sehr heftige Militäroperation»

Die ukrainische Regierung geht in Donezk mit aller Härte gegen pro-russische Separatisten vor. SRF-Korrespondent Peter Gysling: «Der neue Präsident Poroschenko setzt alles daran, das von den Separatisten in der Ostukraine organisierte Chaos zu beenden.» Pro-russische Kämpfer sprechen von 35 Toten.

Legende: Video «Anti-Terror-Einsatz» am International Airport Donezk abspielen. Laufzeit 1:46 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.05.2014.

Bei einer Schiesserei zwischen Regierungseinheiten und pro-russischen Kämpfern vor dem Bahnhof der ostukrainischen Stadt Donezk sind nach Angaben der Separatisten mindestens zwei Menschen getötet und ein Kind verletzt worden. Ein Teil des Bahnhofs im Zentrum der Millionenstadt wurde evakuiert.

Zuvor hatte die ukrainische Armee Stellungen pro-russischer Separatisten rund um den Flughafen in Donezk aus der Luft angegriffen. Ziel der Attacke war die Rückeroberung des internationalen Flughafens. Der Flughafenbetrieb wurde eingestellt.

Ein für Mittag gesetztes Ultimatum an die Kämpfer sei verstrichen, deshalb laufe nun ein «Anti-Terror-Einsatz», begründete ein Militärsprecher den Grosseinsatz. Auch am Abend waren noch Schüsse zu hören. Kampfflugzeuge überflogen das Gebiet, was in der Bevölkerung zu Panikszenen führte. Der Bürgermeister von Donetzk rief die Bevölkerung auf, zuhause zu bleiben.

«Poroschenko will Chaos beenden»

«Das ist eine sehr, sehr heftige Militäroperation, sagt SRF-Korrespondent Peter Gysling. «Die Separatisten haben mit schwerem Geschütz auf den Dächern des Flughafens Stellung bezogen und entsprechend massiv haben die ukrainischen Sicherheitskräfte geantwortet.»

Gysling: «Präsident Poroschenko scheint an seinem gestern verkündeten Kurs festzuhalten. Er setzt alles daran, das von den Separatisten in der Ostukraine organisierte Chaos zu beenden. Ob ihm das gelingt, ist zur Stunde ungewiss.»

Gewalt erschwert Dialog

Poroschenko habe vor den Wahlen versprochen, mit Waffengewalt gegen kriminelle Elemente und bezahlte Söldner im Lande vorzugehen, sagt SRF-Korrespondent Christof Franzen in Kiew. Er habe aber auch gesagt, dass er vor allem auf Dialog setze – mit Moskau und den Menschen im Osten des Landes.

Legende: Video Einschätzungen von Christof Franzen, Korrespondent SRF abspielen. Laufzeit 1:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.05.2014.

«Das grosse Risiko ist, dass Poroschenko erst in zehn Tagen an die Macht kommt. Offenbar gibt es derzeit auf beiden Konfliktseiten Gruppierungen die meinen, dass sie mit Waffengewalt einen entscheidenden Vorsprung herausholen können. Wenn sich in diesen zehn Tagen der Konflikt wirklich zuspitzt, dann ist ein diplomatischer Weg für Poroschenko wieder weit schwieriger.»

Die nun signalisierte Gesprächsbereitschaft beider Konfliktseiten sei ein Hoffnungsschimmer, so Franzen. Es gebe aber noch viele Probleme zu lösen.

Demokratische Wahlen

Internationale Wahlbeobachter stuften derweil die Wahl vom Sonntag als rechtmässig ein. Diese habe «weitgehend demokratischen Standards entsprochen.

Der Koordinator der Beobachtermission der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Joao Soares, lobte die Bevölkerung und die Behörden für ihren Mut. Auch die hohe Wahlbeteiligung sei erfreulich, erklärte Soares vor den Medien in Kiew.

Es sei aber auch zu Zwischenfällen gekommen. Darunter Angriffe auf Wahllokale sowie Einschüchterungen und Behinderungen einiger Kandidaten.

Legende: Video Wahlbeobachter Andreas Gross: «Es war eine fantastische Wahl» abspielen. Laufzeit 0:49 Minuten.
Vom 26.05.2014.

Auch Andreas Gross, SP-Nationalrat und Abgeordneter im Europarat, zeigt sich zufrieden nach der Wahl am Sonntag.

In Kiew sagte er zur SRF-Korrespondent Christof Franzen: «Es war eine fantastische Wahl.» Er habe noch selten eine so gute Qualität gesehen, wie am Sonntag in der Ukraine.

Die Leute hätten die richtige Antwort auf die Aggression in ihrem Land gegeben – für sich selber, in ihrem Interesse. «Die Leute haben die politische Legitimität geschaffen, die dieses Land nötig hat», so Gross.

Separatisten: 35 Tote

Bei der «Anti-Terror-Operation» der ukrainischen Regierung sind nach Angaben von Separatisten in Donezk mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen. Ein Lastwagen mit Verletzten sei beschossen worden, als er in ein Spital unterwegs gewesen sei. Die Gesundheitsbehörden bestätigten lediglich, dass es Tote und Verletzte gegeben habe.

Moskau will reden

Nach dem Sieg des pro-europäischen Milliardärs Petro Poroschenko bei der Präsidentschaftswahl in der Ukraine hat Russland Zeichen der Entspannung ausgesandt. Moskau respektiere das Ergebnis und sei zum Dialog bereit. Lesen sie hier mehr.

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44 Kommentare

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  • Kommentar von Dimitri Wonnoque, Nischni Nowgorod, RF
    Die gegenseitige Schuldzuweisung auf allen Ebenen - von Staatstreffen bis hin zu Kommentaren im Internet - ist das Allerdümmste an der ganzen Situation. Ist es nicht naiv, zu befinden, dass hinter allem nur eine Seite steckt? Es ist doch nicht zu übersehen, dass der Kreml und das weiße Haus gleich tief mit drin hängen; dass ukrainische Streitkräfte und Separatisten gleich gern einander ausrotten würden? Wenn jedermann seinen Stolz nur kurz beiseite legen täte und seine Fehler zugäbe...
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Fehler zugeben? Wer macht das schon? Man will doch sein "Gesicht" nicht verlieren. In einem Punkt gebe ich auch jenen Recht, die für Putin, Russland und die "Freiheitskämpfer" in der Ost-Ukraine so viel Verständnis entgegenbringen: Da müssen noch ganz andere Kräfte im Hintergrund mitwirken, die nicht nur eine grosse Wirtschaftskrise, sondern auch einen neuen grossen Krieg planen. Wie ich es hier schon zweimal geschrieben habe, sind die bösen Geister von 1914 auferstanden.
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    2. Antwort von N.Belg, Luzern
      Das weisse Haus hätte ein Wort gereicht die Militäraktion zu stoppen... Wer alles verursacht hat, soll als erste "seine Fehler zugeben"...
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  • Kommentar von N.Belg, Luzern
    Der "demokratisch" gewählte President fortsetzt die Gewalt gegen die Zivilbevölkerung, und zwar "heftig", aber keine Ursache, "die politische Legitimität ist geschaffen".
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Wenn Menschen denken, dass ein Dialog über Waffengewalt statt findet, dann muss man wirklich am Verstand dieser Menschen zweifeln. Gewalt ist NIE die Lösung von Problemen, oder das richtige Mittel etwas durch setzen zu wollen. Aber der Mensch lernt das wohl nie. Zu wünschen ist zukünftigen Menschen auf Erden, sollte es überhaupt noch welche geben, dass sie es besser machen & in Friede miteinander leben.
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    1. Antwort von W.Ineichen, Luzern
      Homo homini lupus est.
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      E.W./Vermutlich werden Sie enttäuscht sein.Aber bei unserem Planeten und der Menschheit ging es nie um Frieden oder um das Überleben.Diese sind für das Bewusstsein irrelevante Komponenten.Wenn überhaupt,geht es lediglich um das Erkennen in einer Raum-Zeit-Dimension.Leben tut nur Liebe und Freude.Dazu braucht es den Planeten nicht im Geringsten.Wer Liebe,und damit automatisch damit verbunden Freude,Extase,Glückseligkeit ist,lebt unabhängig jeglicher Materie.Unser Planet ist nur eine Option dazu.
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    3. Antwort von W.Ineichen, Luzern
      @A.Käser, Zürich - Treffen sich zwei Planeten. Sagt der blaue Planet: Du ich habe Menschen. Da antwortet der rote Planet. Hab‘ keine Angst, das geht vorbei.
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