Das kleine Glück im grossen Unglück: Menschen in Nordkorea

Nordkorea wird von der Weltöffentlichkeit als finsteres Land mit unterdrückten Menschen wahrgenommen. Das ist grundsätzlich nicht falsch, aber doch nur Teil der Wahrheit. Denn neben Mangelernährung und Gefangenenlagern gibt es auch einen Wandel im Land – jedoch nur in homöopathischen Dosen.

Die Gesellschaft verändert sich – auch in Nordkorea und vor allem in Pjöngjang. Durch vorsichtige Marktliberalisierungen und Joint Ventures mit China und Südkorea beginnt sich im Land allmählich eine Mittelschicht zu bilden. Das hat sichtbare Auswirkungen im Alltag.

«Es sind viel mehr Menschen auf der Strasse. Es ist farbiger – nicht mehr nur grüne Uniformen. Es gibt Läden. Es gibt Leute, die mit Handys rumlaufen und es gibt mehr Autos mittlerweile», sagt Andre Lüthi.

Der Chef eines Reiseunternehmens war bereits mehrfach in dem Land unterwegs und musste zum Teil erstaunliche Feststellungen machen. «Die City von Pjöngjang ist in der Nacht hell erleuchtet.» Hierzulande werde allerdings überwiegend von dunklen Städten und Stromausfällen berichtet.

Regimegegner werden weggesperrt

Trotz der leuchtenden Gebäude gibt es aber immer noch die altbekannten Schattenseiten. «Man weiss, dass Hunderttausende in Gefangenenlagern sind – darunter auch kleine Kinder die zum Teil bereits in Gefangenschaft geboren worden», sagt Stella Jegher von Amnesty International Schweiz.

Mit dem Regimewechsel zu Kim Jong Un seien gemäss unbestätigten Berichten Hunderte Staatsangestellte hingerichtet oder in Gefangenenlager gesteckt worden, so Jegher. «Wer als unbequem betrachtet wird oder als Regimegegner bekannt ist, der findet sich dort wieder – aber auch Menschen, deren Flucht aus dem Land fehlgeschlagen ist oder die wieder ausgeliefert wurden.»

Lagerinsassen berichteten von Folter, Misshandlungen und drakonischen Strafen. Die Situation in den Lagern komme selbst der Folter gleich. Härteste Arbeit, Mangelernährung und Strafen seien dort an der Tagesordnung.

Sonst wisse man von der persönlichen Situation der Menschen im Land selber nur recht wenig, so Stella Jegher. «Unabhängige Medien gibt es nach wie vor nicht und das meiste erfahren wir von Menschen, die geflohen sind.»